Dodge Challenger vs. BMW 4er

BMW 4er/Dodge Challenger SRT: Test

— 30.08.2015

Dodge verbläst BMW

Ein BMW 428i misst sich auf der Rennstrecke mit dem ähnlich teuren Dodge Challenger SRT. Ein Duell, bei dem man sich besser festhalten sollte.

Legenden kleben so zäh wie Kaugummi unterm Kinosessel. Die Legende zu amerikanischen Muscle Cars klingt so: dicker Motor im überforderten Fahrwerk für viel Dampf und kleines Geld. Also ungefähr das genaue Gegenteil der Legende, die ein BMW 428i darstellt. Ist das nicht der Ur-Ur-Ur-Enkel vom 2002? Jetzt treffen diese beiden Legenden aufeinander, denn zum Preis für den voll ausgestatteten Turbo-Vierzylinder von BMW liefert Dodge einen Challenger SRT mit doppelt so viel Leistung und doppelt so viel Zylindern.

Introvertierte Autofahrer sollten die Finger vom Dodge lassen

Video: BMW 428i vs Dodge Challenger SRT

Rivalen der Rennstrecke

Der graue BMW sieht fast unscheinbar aus, ist aber bis ins kleinste Detail perfekt gestaltet. Jede Linie sitzt dort, wo sie hingehört. Ein ganz anderes Kaliber fährt der Challenger auf. Introvertiert darf man an seinem Steuer nicht sein. Egal wo, egal wann: Man fällt auf. Allein schon wegen des ausladenden Formats des Dodge. Mit einer Länge von gut fünf Metern und einer Breite von 2,18 Metern (die Außenspiegel einmal mitgerechnet) ist er kaum kleiner als eine Mercedes S-Klasse. Im Stadtverkehr kein Vergnügen – das tiefe Dach steht im Blickfeld wie eine Basecap. Aber ehrlich, um mit 50 durch die Stadt zu gleiten, sind weder 428i noch Challenger SRT gemacht. Ihr Revier ist die Autobahn, eine einsame Landstraße und in gewisser Weise eben auch die Rennstrecke. Ist die Performance des Dodge so gut wie die des BMW? Kann er seine Mehrleistung auch in bessere Rundenzeiten umsetzen? Oder ist er – wie in der Vergangenheit – nur ein simpel gestrickter Bolide für die große Show?
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Der BMW 4er wirkt in seiner Perfektion wie ein Streber

Ein perfekter Gran Turismo: Der BMW hat Punch und wirkt sehr geschliffen – aber auch etwas steril.

Auf der Autobahn zeigt sich der BMW als perfekter Gran Turismo. Das Fahrwerk federt geschmeidig, der aufgeladene Vierzylinder vereint satten Punch aus dem Drehzahlkeller mit gleichmäßigem Ausdrehen bis an den roten Bereich. Allerdings: Wer mag schon Streber? Und genau das ist das Problem des 428i. Er wirkt geschliffen, künstlich, profan wie ein Allerweltsmotor – akustisch weit hinter den grandiosen Reihensechsern. Was umso mehr schmerzt, wenn man in den Dodge umsteigt. Böse fauchend erwacht der Achtzylinder, fällt in einen unruhigen Leerlauf, der die gesamte Karosserie im Takt der Zündfolge durchschüttelt. Sperrig, ja fast schon hölzern nimmt der Dodge Fahrt auf, bereits der kleinste Gasstoß hebt den Bug Richtung Himmel – und die kleinen Härchen auf dem Arm des Fahrers gleich mit. Bollernd dreht der Achtzylinder in den roten Bereich – Gänsehaut garantiert. Zumal er nicht nur laut, sondern auch schnell ist. Auf 100 km/h nimmt er dem BMW eine gute Sekunde ab.
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Im neuen Challenger stecken richtig schnelle Rundenzeiten

Überraschend: In den lang gezogenen Kurven spurt der Challenger neutral und liegt wie ein Brett.

Im Contidrom, auf der Rennpiste, wird es schließlich ernst für den Bayern und das Biest. Die erste Links-rechts-Kombination lässt den Ami gänzlich unbeeindruckt, er setzt sauber um und drückt zum Kurvenausgang nur sanft mit dem Heck. Anspruchsvoller gestaltet sich da schon die folgende 180-Grad-Kehre. Wehe dem, der hier mit zu viel Gas am Heck herumstemmt. Denn der Challenger bringt nur 45 Prozent seiner knapp zwei Tonnen auf die Hinterachse; die Traktion ist trotz serienmäßigen Sperrdifferenzials überschaubar. Hat man sich jedoch einmal an diese Eigenheit gewöhnt, kurbelt man erstaunlich flotte Rundenzeiten aus der ebenfalls deutlich verbesserten Lenkung. Vor allem in den lang gezogenen Kurven spurt der Challenger neutral und liegt wie ein Brett. Untersteuern ist in solchen Passagen ein Fremdwort, auch das Heck setzt allenfalls zu leichter Wanderschaft an. Am Ende bleibt die Uhr bei 1:36,55 Minuten stehen – was auch ein Verdienst der standfesten, bissigen Bremsen ist.

Der BMW ist fast vier Sekunden langsamer im Contidrom

Ein wenig zu schnell, schon schiebt der 428i leicht über die Vorderräder. Nicht dramatisch, aber es kostet Zeit.

Jetzt der Bayer, der mit seiner perfekten Ergonomie punktet. Man sitzt niedriger, mit viel besserem Seitenhalt. Die links-rechts-Kurve kann dem 428i noch weniger anhaben – der liegt so neutral, dass selbst die Schweiz neidisch wird. Die 180-Grad-Kehre fährt sich dank der deutlich besseren Traktion (Gewichtsverteilung: 51:49) komplett anders. Anbremsen, Lenkrad rum und voll aufs Gas – der BMW zuckt nicht einmal mit dem Hintern, beschleunigt souverän. Wir wollen fair bleiben: Der 428i muss nicht so viel Leistung auf die Straße bringen, hat mit 350 Newtonmetern deutlich weniger Kraft als der Dodge, dessen 644 Newtonmeter ganz untypisch für einen klassischen Hubraum-V8 erst bei 4200/min auf die Kurbelwelle pressen. Doch Kraft ist das eine, Handling das andere. Der BMW untersteuert deutlich stärker als der Challenger. Ein wenig zu schnell, schon schiebt der 428i leicht über die Vorderräder. Nicht dramatisch, aber unsportlicher. Und langsamer. Denn am Schluss bleibt die Stoppuhr für den BMW bei 1:40,35 stehen. Ein ordentlicher Wert, aber kein herausragender. Vor allem fast vier Sekunden langsamer als der Dodge – die Sensation ist perfekt, der Ami kocht den Bayern ab.

Das alte Klischee amerikanischer Autos passt nicht mehr

Von wegen grobschlächtig und übermotorisiert: Im Challenger hat der 4er einen würdigen Gegner.

Ein Ergebnis, das die Legende endgültig begräbt. Wer heute noch denkt, die Amis können nur fette Motoren in grobschlächtige Autos hängen und das Ganze günstig verscherbeln, der verkennt, was sich in den vergangenen Jahren – nicht nur bei Dodge – getan hat. Chrysler baut Autos, die es in den USA mit den Japanern aufnehmen können. Und Dodge darf sich mehr und mehr seiner Tradition widmen, bekommt Entwicklungsgelder und baut ebenfalls immer bessere Autos. Mit viel Fingerspitzengefühl haben die Ingenieure aus dem Challenger ein richtig gutes Auto gemacht. Weiche Kunststoffe, saubere Verarbeitung und die neueste Generation des Multimediasystems U-Connect passen besser zum Preisniveau als die Hartplastikwüsten von früher. Klar, an die hohe Qualität des BMW kommt der Dodge nicht heran; doch er kontert mit etwas, das es weder für Geld noch gute Worte gibt: mit seinem Charakter. Der Challenger hat Ecken und Kanten, ist authentisch wie kaum ein zweites Modell.

Offiziell wird der Challenger SRT in Deutschland nicht vertrieben. Ähnlich teuer sind BMW und Dodge nur in den USA. Also: selbst über den Großen Teich holen, oder man überlässt das Importeuren wie AEC Europe, die ein Modell wie den Testwagen zulassungsfertig für 64900 Euro auf den Hof stellen. Das 428i Coupé startet zwar schon bei 42500 Euro, für unseren Testwagen werden aber 61300 Euro fällig – was leider keine Legende ist.

Technische Daten BMW 428i Coupé • Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn längs • Hubraum: 1997 cm³ • Leistung: 180 kW (245 PS) bei 5000/min • max. Drehmoment: 350 Nm bei 1250/min • Vmax: 250 km/h • 0–100 km/h: 5,9 s • Antrieb: Hinterradantrieb / Achtstufenautomatik • Tankinhalt: 60 l • L/B/H: 4638/1825/1377 mm • Kofferraum: 445 l • Leergewicht/Zuladung: 1577/413 kg • Testverbrauch: 9,2 l Super/100 km • Abgas CO2: 219 g/km • Testwagenpreis 61.300 Euro.

Technische Daten Dodge Challenger SRT 392 • Motor: V8, vorn längs • Hubraum 6417 cm³ • Leistung: 351 kW (477 PS) bei 6100/min • max. Drehmoment: 644 Nm bei 4200/min • Vmax: 270 km/h • 0–100 km/h: 4,8 s • Antrieb: Hinterradantrieb / Achtstufenautomatik • Tankinhalt: 70 l • L/B/H: 5028/1923/1419 mm • Kofferraum: 459 l • Leergewicht/Zuladung: 1966/438 kg • Testverbrauch: 15,5 l Super/100 km • Abgas CO2: 367 g/km • Testwagenpreis 64.900 Euro.
Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Eine schöne Überraschung, dieser Challenger SRT: Der hat Sound, einen Auftritt und neue Qualitäten. Mit dem sauber abgestimmten Fahrwerk kocht er auf der Rennpiste den 428i ab. Der BMW ist das hochwertigere und fortschrittlichere Auto, reizt aber viel weniger als der charakterstarke Dodge.

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