BMW 530d gegen Jaguar S-Type 2.7 D

BMW 530d gegen Jaguar S-Type 2.7 D BMW 530d gegen Jaguar S-Type 2.7 D

BMW 530d gegen Jaguar S-Type 2.7 D

— 02.08.2004

Bringt der S-Type BMW zur Strecke?

Jaguar bläst mit dem S-Type Diesel zur Jagd auf den Platzhirsch BMW 530d. Ein Prestige-Duell, bei dem es nicht nur ums Geld geht.

Oberklasse-Diesel sind gefragt

"Oh, Mist", sagt der Mann an der Shell-Kasse mit Blick auf Säule drei. "Warum haben sie Diesel getankt?", fragt er mit genervt-mitleidigem Gesichtsausdruck und will nicht glauben, dass die Spritwahl richtig war. Denn an Säule drei steht ein Jaguar. Und dass der Diesel braucht, ist ihm nur schwer zu erklären. "S-Type als Ölbrenner, was es nicht alles gibt", murmelt er verständnislos und kassiert 60,75 Euro für einen vollen Tank.

Nicht nur der Mann an der Shell-Kasse muss umdenken. Nach dem X-Type präsentiert Jaguar nun auch den größeren Bruder mit sparsamem Selbstzünder. Der Markt will es so. Vor allem in Deutschland. Bei Diesel-Limousinen in der Oberklasse wächst die Nachfrage kräftig. Meistverkaufter BMW z. B. ist der 530d mit Preisen ab 41.650 Euro.

Genau der richtige Vergleichskandidat also für den neuen Jaguar. Den gibt es ab 39.900 Euro – eine Kampfansage Richtung München. Doch wie schlägt sich der Engländer im bayerischen Revier?

Flüstermotor vom Feinsten im Jaguar

Auf leisen Pfoten pirscht sich die britische Katze an. Der 2,7-Liter-V6 mit 207 PS ist ein technisches Meisterwerk und läuft extrem vibrationsarm. Selbst beim Kaltstart und starkem Beschleunigen klingt er nicht nach Diesel. Ein Flüstermotor vom Feinsten. Als Gemeinschaftentwicklung von Ford, Jaguar und PSA hält das Triebwerk als erstes im S-Type Einzug.

Das Ansprechverhalten ist komfortbetont. Mit sanftem Brummen dreht er gleichmäßig hoch und entfaltet eine Souveränität, die gut zum Jaguar passt. Dieser Diesel wirkt so erhaben wie ein großvolumiger Benziner und ist für den S-Type eine überlegenswerte Antriebsalternative.

Sein Geheimnis ist ein ganzes Bündel von Technik-Tricks. Die Zylinderbänke stehen im 60-Grad-Winkel zueinander und werden von je einer elektronisch gesteuerten Turbine mit variabler Geometrie zwangsbeatmet. Schon bei 1500 Umdrehungen erreicht das Twin-Turbotriebwerk 348 Newtonmeter Drehmoment. Das Kraftmaximum liegt 400 Umdrehungen später an und beträgt 435 Newtonmeter.

Altmodischer Sechsstufen-Automat

Eigentliche Stärke des Common-Rail-Motors (bis zu 1650 Bar) aber ist seine Laufruhe. Entscheidend dafür ist ein neuartiger Motorblock und dessen Aufhängung. Das Kurbelgehäuse besteht aus einer leichten und hochfesten Gusseisen-Legierung. Dazu kommen eine Ölwanne mit doppeltem Boden, speziell isolierte Ventildeckel sowie zweifach gedämmte Motorhalterungen.

Weniger innovativ ist das sechsstufige Automatikgetriebe. Es schaltet weich, bietet aber keine sequenzielle Manual-Funktion. Die Kulisse hat nur eine zweite Gasse, in der die Gänge altmodisch per Hand wählbar sind. Schade: Beim Kickdown spricht der Automat zeitverzögert an und nimmt dem tollen Motor ein Stück seiner Dynamik. Ein Wort zum Verbrauch: 9,3 Liter sind nicht schlecht, nur kann es der BMW etwas besser (9,1).

Insgesamt ist dieser Jaguar eine Hauskatze und will lieber geschmeidig gleiten als raubtierhaft zupacken. Das passt auch gut zur Retro-Karosserie. Die präsentiert sich nach dem Facelift zwar gestrafft (neuer Grill, schlanke Stoßfänger, höhere Hecklinie), ist aber nach wie vor viel rundlicher und barocker als das technikbetonte Kleid des Fünfer. Dieser Eindruck setzt sich auch im Cockpit und beim Fahren durch.

BMW-Fahrleistungen sind olympiareif

Dem 530d ist waidmännisches Brauchtum schnuppe, er gibt stattdessen den hochkonzentrierten Sportschützen. Olympiareif legt er los. Mehr Hubraum, mehr PS (218) und noch mehr Drehmoment schieben ihn 1,4 Sekunden schneller auf Tempo 100. 160 erreicht er sogar fünf Sekunden früher. Das sind Welten. Die Sechsgangautomatik arbeitet derart perfekt, dass der spontane Kraftschluss keine Wünsche offen lässt. Auch die feinfühlige Lenkung sowie die straffe Fahrwerksabstimmung machen eine zügige Fahrweise zum Vergnügen.

Beim Motor ist BMW dann doch geschichtsverbunden. Der 530d folgt der Haustradition mit einem Reihensechszylinder. Er arbeitet mit 1600 Bar Einspritzdruck und bis zu vier Injektionen pro Arbeitstakt. Nur besonders leise ist er nicht. Zwischenspurts werden von kräftigem Diesel-Sound begleitet, was bei der sportlichen Auslegung aber kein Manko ist.

Nur beim bereits oft kritisierten Bedienkonzept schießt BMW übers Ziel hinaus. Das abgespeckte iDrive kann selbst nach längerer Eingewöhnungsphase nicht überzeugen. Ob Navigationsmenü oder Klimaregelung, der Jaguar ist mit Touchscreen-Monitor und konventionellen Schaltern nutzerfreundlicher.

Kosten und Ausstattungen

Preislich ist der S-Type 2.7 D eine Blendgranate. Trotz fortschrittlicher Motortechnik ist die Automatikversion nur sauber nach Euro 3. Und ein Partikelfilter (im 530d Serie) ist erst 2005 gegen Aufpreis lieferbar. So ist der S-Type-Diesel zwar eine Bereicherung im Revier. Auf dem Hochsitz aber bleibt der 530d.

Technische Daten und Testwerte

Kompliment S-Type, normalerweise glänzt der Fünfer mit außergewöhnlich guten Bremsen. In diesem Vergleich ist der Engländer sogar noch einen Tick besser.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan Es geht um Power, Prestige und Preise. Sparen in der Oberklasse heißt die Devise. Und das können dank Hightech-Dieselmotoren 530d und S-Type 2.7D beim Verbrauch gleichermaßen. Beide liegen im Schnitt bei neun Litern auf 100 Kilometern. Der Diesel-Jaguar ist ein interessanter Neuzugang, dessen toller V6-Motor künftig auch in Citroën-, Peugeot-, Land Rover-, Renault-, Nissan- und Ford-Modellen zu finden sein wird. Als geschmeidiger Gleiter mit individueller Note ist er erste Wahl. Sein Komfort ist zurzeit das Maß der Dinge. Den 530d kann er aber nicht zur Strecke bringen. Der BMW ist stärker, lenkt präziser und wirkt insgesamt deutlich agiler.

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