BMW 530d GT gegen Mercedes E 350 CDI T — 12.11.2009
5er GT trifft auf E-Klasse T-Modell
Konservativ-klassisch oder mutig-modern – was in Kleidungsfragen schon immer wichtig war, gewinnt jetzt auch beim Auto an Bedeutung. Der betont andere BMW 5er GT fordert das frische E-Klasse T-Modell zum Duell. Eine Stilfrage – und mehr.
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Beim Thema Fahrspaß demonstriert BMW, dass Gran Turismo nicht automatisch für gediegenes Fernreisen stehen muss. Der 5er kann nämlich auch anders. Zackig und willig macht der bayerische Brocken genau das, was der Fahrer will. Rund 2,2 Tonnen Hüftspeck versteckt der 530d GT lässig unter einem adaptiven Fahrwerk inklusive Aktiv-Stabilisator (3000 Euro) und einer Lenkung mit variabler Übersetzung (1750 Euro). Nur sauber geradeaus laufen klappt nicht. Die 200 Kilogramm leichtere E-Klasse ist zwar ebenfalls kein träger Bursche, der Stuttgarter Kombi zeigt in Kurven aber mehr Seitenneigung, schiebt in engen Kehren früher über die Vorderräder. Dennoch trügt der sportliche(re) Schein des BMW. So setzt der 5er GT seine immerhin 14 Mehr-PS nicht in bessere Fahrleistungen um. Beispiel Sprint: Bis Tempo 100 herrscht noch unentschieden, danach nimmt der Mercedes dem BMW sogar Zehntel um Zehntel ab. Gleichzeitig zieht der E 350 im Durchzug davon. Das können weder der spritziger ausdrehende Reihenmotor des 5ers noch die perfekt arbeitende Achtstufenautomatik verhindern.
Das E-Klasse T-Modell deklassiert den 5er GT bei Volumen und Variabilität
Zumal der V6 des Mercedes leiser schnurrt, höchstens im Stand etwas herber tuckert. Vor allem aber läuft der CDI viel sparsamer und nimmt auf unserer Testrunde fast 1,3 Liter weniger. Obwohl er sogar auf einem höheren Drehzahlniveau unterwegs ist. Bei Tempo 100 im letzten Gang liegen im Gegensatz zum BMW (dreht 1300 Touren im achten Gang) vergleichsweise aufgeregte 300 Umdrehungen mehr an – eine Welt im Diesel-Kosmos. Genauso liegen ganze Koffer zwischen den beiden, wenn es um Lastesel-Qualitäten geht. Das bezieht sich nicht nur auf blanke Volumen-Werte – mit bis zu 1950 Liter Kofferraum gegen 1700 Liter Maximum deklassiert die E-Klasse den 5er GT. Bei der Variabilität klappt’s im BMW ebenfalls kaum. Das Gepäckabteil vergrößert sich nur, wenn die Lehnen der Fondbank und gleichzeitig die beiden Rückwandelemente flach gelegt werden – umständlich, schwergängig und zeitraubend. Schlimmer: Der Bayer ist nach hinten unübersichtlich wie ein Bierlaster. Wie so etwas gehen kann, zeigt das luftiger geschnittene T-Modell. Mit einem Griff liegt die Fondbank flach, von der Ladekante bis zur Rückenlehne der Vordersitze stehen 1,97 Meter Länge zur Verfügung. Was hier nicht reinpasst, schlucken nur noch VW-Busse. Tempo und Transportaufgaben sprechen für das T – liegen BMWs Stärken etwa im Komfort? Nicht unbedingt. Gefühlt herrscht Gleichstand. Der BMW federt zwar sanft und weit durch (in Stellung Comfort seiner Luftfederung sogar viel zu sanft und viel zu weit). Querfugen oder Gullydeckelkanten mag er dagegen nicht. Häufig geht ein feinnerviges Zittern durch den Wagen, das auf Dauer nervt. Das passiert dem Mercedes nicht, dafür stößt seine Vorderachse unsensibel gegen Unebenheiten, und auf derben Wellen taucht er nicht sanft genug ein. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau, beide schmiegen sich souverän an die Straße, Langstrecken sind ein Genuss. Mit einer kleinen Einschränkung: Dem BMW fehlt im Fahrerfußraum Breite, der Pilot sitzt leicht eingedreht, braucht so eher eine Pause.
Ganz im Gegensatz zu den Fondpassagieren, die extrem entspannt auf den verstellbaren Polstern lümmeln. Sogar die Lehnen-Neigung lässt sich verstellen. Insgesamt verwöhnt der 5er GT aber nicht mit mehr Luxus, Sitzheizung oder Lederpolster beispielsweise kosten ebenso einen satten Aufpreis wie im Mercedes. Der hat traditionell die Nase vorn, wenn es um die Sicherheit geht. Auch diesmal. Denn neben "Pre-Safe" (beim Unfall straffen sich die Gurte, stellen sich die Sitzlehnen aufrecht) bietet das T-Modell auch Knieairbag und Müdigkeitswarner "Attention Assist". Das läppert sich – und klingt nach Mercedes-typischem Zuschlag. Doch weit gefehlt. Vergleichbar bestückt kostet der 5er GT über 4000 Euro mehr als das T-Modell. Wir vermuten einen Designer-Zuschlag.
Weitere Details zu E-Klasse T-Modell und 5er GT gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.
| Fahrzeugdaten | BMW | Mercedes |
|---|---|---|
| Motor | Sechszylinder, Turbo, vorn längs | V6, Turbo,vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/4 |
| Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
| Hubraum | 2993 cm³ | 2987 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 180 (245)/4000 | 170 (231)/3800 |
| Nm bei 1/min | 540/1750 | 540/1600 |
| Vmax | 240 km/h | 240 km/h |
| Getriebe | Achtstufenautomatik | Siebenstufenautomatik |
| Antrieb | Hinterradantrieb | Hinterradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung | 245/45–275/40 R 19 Y | 225/55 R 16 V |
| Radgröße | 8,5 – 9,5 x 19" | 7,5 x 16" |
| Abgas CO2 | 173 g/km | 192 g/km |
| Verbrauch* | 8,1/5,6/6,5 l | 9,4/6,1/7,3 l |
| Tankinhalt | 70 l/Diesel | 80 l/Diesel |
| Vorbeifahrgeräusch | 69 dB (A) | 71 dB (A) |
| Anhängelast gebr./ungebr. | 2100/750 kg | 2100/750 kg |
| Kofferraumvolumen | 440–1700 l | 695–1950 l |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km | ||
| Messwerte | BMW | Mercedes |
|---|---|---|
| Beschleunigung | ||
| 0–50 km/h | 2,3 s | 2,4 s |
| 0–100 km/h | 7,0 s | 7,0 s |
| 0–130 km/h | 11,6 s | 11,1 s |
| Zwischenspurt | ||
| 60–100 km/h | 4,0 s | 3,9 s |
| 80–120 km/h | 5,0 s | 4,7 s |
| Leergewicht/Zuladung | 2132/458 kg | 1934/566 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. | 48/52 % | 52/48 % |
| Wendekreis links/rechts | 12,0/12,0 m | 11,3/11,6 m |
| Bremsweg | ||
| aus 100 km/h kalt | 36,4 m | 36,3 m |
| aus 100 km/h warm | 35,7 m | 36,1 m |
| Innengeräusch | ||
| bei 50 km/h | 55 dB (A) | 54 dB (A) |
| bei 100 km/h | 64 dB (A) | 64 dB (A) |
| bei 130 km/h | 69 dB (A) | 68 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 9,0 l D – 239 g/km | 7,7 l D – 204 g/km |
| Reichweite | 770 km | 1040 km |
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Kommentare zum Artikel (132)
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Tja, ich hatte das gleiche Vergnügen wie Sie - und war ganz und gar nicht begeistert! Stellen Sie sich das mal vor..Und wieso fahren Sie über zwei Tonnen durch die Gegend, wenn Sie meist ohnehin Kurzstrecke fahren? Aber es ist schön, dass Sie so ein aufgeschlossener Typ sind. Im Gegensatz zu den ganzen konservativen Nichtswissern hier.Tschuess
Also Leute, die Mehrzahl derer, die hier rummäkeln haben IHN weder angefasst geschweige denn gefahren. Ich hatte den 5er GT 2 Tage im Test und bin begeistert. Mit den Komfortsitzen ein Gefühl wie ein König; und kein Kleinkind guckt zur Seitenscheibe rein. Leider wird im Test vergessen: der Kofferraum wächst auf 590L, wenn man die Hintersitze 10 cm nach vorne schiebt. Ich fahre jedenfalls nicht ständig mit der Family in den Urlaub, aber viel Kurzstrecke. Da ist mir Platz im Fond lieber als toter Platz im Kofferraum. Aber für neue Konzepte muss man eben aufgeschlssen sein. Tschuess.
Was heißt BMW hätte ne neue Fahrzeugklasse erfunden ..... Renault hat den Vel Satis schon vor 7 Jahren auf den Markt gebracht .... über das Design kann man sicher geteilter Meinung sein ..... das ist allerdings auch nicht das Thema.
Renault hat die Idee einer Limousine mit erhöhter Sitzposition und großzügigem Innenraumangebot auf den Markt gebracht nicht BMW.
deutsche designermeinung, null ahnung. der benz ist wie ein sexy geschnittener businessanzug, der bmw eine wannabe gucci designer missgeburt. nach 20 jahren bmw habe ich mich von der bayrischen haxenfraktion verabschiedet und habe mir das t-modell geordert. sido und andere "vorbilder" können sich die prollautos aus münchen nun ordern, weißt duu?
Klose redet sich den Showroom schön: in der einen Ecke Langeweile (F10), in der anderen Ecke grotesk Geformtes (GT,X6). Sie glauben gar nicht, welch nachgeordnetes Kriterium Verkaufszahlen für Autofans sind. Meinetwegen soll BMW zum Stückzahlkönig aufsteigen - wenn dies auf Kosten des Designs und damit des basalen, imagefundierenden Elements geht, dann ist der Preis zu hoch. Aber das neueste Modewort, das BMW für sich auserkoren hat, ist ja: "Nachhaltigkeit". Gefühltermaßen ein Übergang in eine Epoche der Langeweile.