BMW 645 Ci trifft Mercedes-Benz Vision CLS

BMW 645 Ci trifft Mercedes-Benz Vision CLS BMW 645 Ci trifft Mercedes-Benz Vision CLS

BMW 645 Ci trifft Mercedes-Benz Vision CLS

— 27.12.2003

Zwei Schlitten zum Fest

Kaum ist der Sechser da, fährt ihm Mercedes-Benz in die Parade: Die IAA-Studie CLS will auch ein Coupé sein, bietet aber zwei Türen mehr. Das erste Treffen der dicken Schlitten.

Vergleich weit ab von Glanz und Glamour

Was ist denn heutzutage noch Zufall? Sicher nicht, dass Mercedes-Benz seinen Vision CLS uns ausgerechnet dann für eine erste Schnupperprobe bereitstellt, wenn der neue Sechser rein zufällig seine ersten Testberichte einfährt. Ganz klar: Die Stuttgarter wollen einen Vorgeschmack auf das große deutsche Coupé-Duell im November 2004 geben. Denn dann erscheint die Serienversion des CLS. Die Showbühne für den ersten Vergleich liegt weit ab von Glanz und Glamour: AUTO BILD fotografiert im Werk Untertürkheim, direkt neben der Motorenproduktion für die A-Klasse. Das Premieren-Publikum trägt somit Blaumann.

Erster Gedanke: So schlecht, wie geredet wird, kann es einem Autoland gar nicht gehen, wenn es zwei solche Prachtstücke hervorbringt. Der Sechser beherrscht den Auftritt zunächst mit den provokanteren Reizen: eine Haube, so weit wie der Horizont, die Linien scheinen von den 333 PS beinahe zu bersten. Ein rollender Kontoauszug.

Der Achter, sein unglücklicher Vorgänger, wirkt im Rückblick geradezu schmächtig gegen das neue Coupé. Nach vielen Ansichten über das aktuelle BMW-Design kommt hier eine sehr persönliche: Der Sechser ist bislang das gelungenste Werk von Chris Bangle, stimmig in seiner gewollten Wucht. Bis auf die Kofferraumklappe. Es würde nicht verwundern, wenn BMW-Veredler erstmals über Heckdeckel-Tuning nachdenken.

Dynamisch-wuchtig gegen zierlich-schlank

Der CLS erscheint neben dem Sechser fast zierlich-schlank, obwohl der Mercedes-Benz neun Zentimeter länger ist. Vorn feiern senkrechte Scheinwerfer (wie einst an der S-Klasse) ihr stilles Comeback, und die CLS-Flanke bekommt vermutlich einen hausinternen Oscar. Die neue Mercedes-Sehne, die bogenförmig am vorderen Radhaus entspringt, sehen wir demnächst am neuen SLK und bei der A-Klasse.

Auch wenn in Frankfurt Kritiker moserten: Der CLK sieht alt aus gegen den CLS. Unbestritten einzigartig ist der Clou mit den vier Türen, die laut Mercedes-Benz "die Alltagstauglichkeit einer Limousine mit der Faszination eines Coupés kombinieren". Geht das überhaupt? Schließlich scheiterte der Mensch bislang auch an der Kreuzung von Hund und Katze oder Öl und Wasser.

Neben dem Sechser ist der CLS eindeutig mehr Limousine. Sagen wir: eine schönere E-Klasse (von der die Technik stammt), nur 45 Millimeter flacher. Das Dach drückt den hinteren Türausschnitt so tief nach unten, dass die Passagiere wohl nur unter leichtem Rheuma-Ächzen einsteigen werden. Doch einmal drinnen, genießt man tatsächlich zwei erwachsene Fondplätze, Versprechen gehalten. Fragt sich nur: Welcher Kunde will das?

Britisches Flair im CSL-Cockpit

Während der Sechser sein Cockpit weitgehend vom Fünfer geerbt hat, bekam der CLS eine neue, eigenständige Innenlandschaft. Ein Comeback feiert auch das Armaturenbrett – in der Studie ein durchgehendes Eichenholzpaneel, das "an klassische Engländer erinnern könnte", sagt Hans-Dieter Futschik. Jedenfalls riecht es so richtig nach Fünf-Uhr-Tee und leichtem Smalltalk – und kommt auf jeden Fall ins Serienmodell, verspricht Design-Chef Futschik, verantwortllich für die großen Mercedes-Benz-Baureihen.

Die Studie wird "zu 95 Prozent umgesetzt", so Futschik. Das durchgehende Glasdach werden wir nicht erleben, aber sicherlich Siebenganggetriebe, Sportfahrwerk oder die Luftfederung, die den CLS für die Fotos sportlich-tief in die Radhäuser sacken lässt. Der Verkauf startet mit zwei Benzinern (CLS 350 und 500 mit 200 und 225 kW), im August 2005 folgt ein großer Diesel (CLS 300 CDI mit 265 PS), der im edlen Ambiente des CLS wie selbstverständlich erscheint. Man stelle sich vor: ein Diesel im Sechser – irgendwie streikt die Fantasie bei dieser Vorstellung.

Deshalb kämpfen CLS und Sechser zwar um die gleichen zahlungskräftigen Käufer, aber mit eigenem Charakter. Hier der betont sportliche, muskulöse 2+2-Sitzer, ein Auto, das schon im Stand zu fahren scheint und ständig den Wunsch nach Bewegung hervorkitzelt. Dort der gelassene, große Gleiter, das Auto mit der Lesebrille und den grau melierten Schläfen (die Käufer sollen übrigens jünger sein als beim kleinsten Sportcoupé, also im Schnitt 56 Jahre). Mercedes-Benz hat immer Coupés gebaut und Stammkunden aufgebaut. Vielleicht steigen jetzt ja mal Jüngere ein. Rein zufällig natürlich.

Autor: Joachim Staat

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