BMW 650i – Jaguar XK – Mercedes SL 500

Jaguar XK 4.2 – BMW 650i – Mercedes-Benz SL 500 Jaguar XK 4.2 – BMW 650i – Mercedes-Benz SL 500

BMW 650i – Jaguar XK – Mercedes SL 500

— 14.07.2006

Kurvenschmusen auf Sylt

Drei Wünsche für die (noch) einsame Insel: XK, 650i und SL. Die Luxuscabrios von Jaguar, BMW und Mercedes suchten den Frühling am Meer.

Mercedes, BMW oder doch lieber Jaguar?

Frühling? Sonne? Saisonstart? "Nee", brummt der Kellner, der bei Gosch die Matjesbrötchen belegt. "Da müßt ihr Ostern wiederkommen." Über die Scheiben der nördlichsten Fischbude Deutschlands perlen Regentropfen. Schietwetter, nennt das der Norddeutsche, Melancholie der Lebenskünstler. Der ist gefragt, wenn der steife Nordwestwind ein atlantisches Tief über die Schickeria-Insel treibt. Ist alles eine Sache der Einstellung. Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur schlechte Autos. So reden jene typischen Sylter Saisonbewohner, bei denen neben dem Porsche Cayenne ein Aston Martin in der reetgedeckten Garage parkt und die sich überlegen, welches Cabrio das richtige für den ersten Open-air-Ausflug in die Sansibar ist: Mercedes SL, BMW 650i oder doch lieber der frische Jaguar XK?

Eine brennende Frage, die unter reichen Insulanern so heiß diskutiert wird wie das richtige Outfit fürs Osterfeuer in Hörnum. Hier ist sie frei von Dekadenz und ein normales Luxusproblem. Gesprächsstoff liefert vor allem der Jaguar. Er ist brandneu. Und neu ist halt in. Nicht nur auf Sylt. Optisch streunt die Katze irgendwo zwischen Retro und Moderne. Anglophile Fans finden im breiten Maul und der langen Motorhaube leicht den legendären E-Type wieder. Wer's weniger gut meint, entdeckt in Rückleuchten und der langen Heckpartie Elemente des VW Passat und Chrysler Sebring.

Wie auch immer, zumindest technisch ist das XK Cabriolet ein großer Wurf. Ob Aluminium-Monocoque, ZF-Sechsstufenautomatik, Fußgängerschutz (Motorhaube schnellt mittels Pyrotechnik nach oben) oder das ausgeklügelte Überroll-Schutzsystem – der Jaguar glänzt mit lobenswerten Kabinettstückchen. Auch der Spagat zwischen Luxus- und Sportwagen ist gelungen. Innen warten gemütliche Sitze, das Raumgefühl ist für Jaguar-Verhältnisse üppig, die Bedienung logisch, und der Kofferraum schluckt gerade noch reisetaugliche 283 Liter bei geschlossenem Verdeck.

Der XK ist ein typisches Sylt-Auto

Beim entspannten Gleiten durch Kampen fällt der XK nicht auf. Ein typisches Sylt-Auto eben. Sonor blubbert der 2+2-Sitzer an den Edelboutiquen vorbei und beweist, was mit Sound-Gestaltung heute möglich ist. Der V8 klingt wie ein italienisches Riva-Boot. Dann, endlich: Sonnenstrahlen durchstechen die Wolkendecke. Zeit für die große Show. In 18 Sekunden wirft der XK seine Kapuze nach hinten. Die FKKler an Buhne 16 brauchen länger, bis ihre Textilien im Sand liegen. Am Ortsausgang faucht die Katze auf, drückt die Insassen ins feine Leder und stürmt durch die Dünen.

298 PS und 411 Newtonmeter sind für die 38,5 Kilometer lange Insel mehr als genug. Ab 140 km/h auf dem Festland zeigte sich, daß Jaguar beim aerodynamischen Feinschliff noch zulegen darf. Störende Windgeräusche von Spiegeln und Verdeck sind in dieser Wagenklasse nicht standesgemäß. List ist in vier Minuten erreicht. Im Sommer kann das schon mal eine Stunde dauern, weil eine endlose Blechschlange das längliche Eiland verstopft. Nur gelegentlicher Gegenverkehr stört beim Kurvenschmusen. Dafür dürfte die XK-Lenkung gern etwas direkter reagieren. Flotte Richtungsänderungen wirken zu träge.

Gut abgestimmt ist das Fahrwerk. Es schluckt alle Unebenheiten mühelos und ist komfortabel ausgelegt. Auf der querverfugten Betonpiste beim Ellenbogen zeigt der offene XK bravouröse Stabilität. Kein Klappern, kein Zittern, kein Schütteln – prima, so soll es sein. Grund für die hohe Verwindungssteifigkeit: Jaguar hat das genietete und verklebte Chassis als Cabrio geplant und nicht als Coupé, das später aufgeschnitten wurde. Wie beim Vorgänger dürften Käufer wieder mehrheitlich zur Roadster-Variante greifen.

Betriebskosten, Garantien und Preise

Beim BMW hat ebenfalls die Oben-ohne-Fraktion die Mehrheit: Sein Cabrio-Anteil liegt bei 60 Prozent. Auch der Bayer fühlt sich zwischen Gogärtchen und Gretas Rauchfang wohl. Für die kapitalträchtige Klientel, die bei Kaviar Kaufpläne konkretisiert, ist das 650i Cabrio eine reizvolle Alternative. Schließlich kostet der BMW bei vergleichbarer Ausstattung rund 4000 Euro weniger als der Jaguar. Dafür gibt es beim Sansibar-Wirt fast zwei Flaschen 1907er Heidsick-&-Co.-Champagner aus dem "Jönköping"-Wrack. Wer Handschaltung statt Automatik ordert, kann sich noch eine Flasche mehr gönnen.

Daß der BMW den größeren und damit stärkeren Motor hat und bessere Fahrleistungen erzielt, dürfte ebenfalls nicht unerheblich sein. Selbst sein großer Kofferraum schluckt in diesem Trio das umfangreichste Golf-Besteck für die Fahrt zum Countryclub in Wenningstedt. Frühling ist auf Sylt keine Jahreszeit, sondern ein meteorologisch unabhängiger Gemütszustand. Entsprechende Empfindungen lassen sich im BMW bestens verstärken. Dach auf, Sitz- und Lenkradheizung an und im iDrive-Menü Klima "Cabrio-Modus intensiv" aktiviert, schon kann es losgehen.

Derartige Verwöhnelemente machen den 650i zum perfekten Kaltwetter-Cabrio, das Frühlingsgefühle auf Knopfdruck herbeizaubert. Nur die 300 Euro Aufpreis fürs Windschott wirken kleinlich. Mehr Unterhaltungs- und Nutzwert bieten Head-up-Display (1300 Euro) und Aktivlenkung (1200). Damit ausgerüstet, reagiert das Cabrio fast schon übersensibel. Vom Schmusekurs des XK keine Spur. Der 650i reagiert militärisch zackig auf Marschbefehle.

Technische Daten und Fahrleistungen

"Marine Versorgungsschule" steht auf einem Wegweiser in List. Wo Matrosen kochen lernen, ist Sylt so trist wie jede andere Bundeswehrkaserne: roter Backstein statt rotes Kliff. Der Kontrast zum offen vorbeirollenden BMW könnte größer nicht sein. Vom Geräusch her hält er sich vornehm zurück, besonders bei schneller Fahrt mit geschlossenem Verdeck. Kein Zweifel: Das 6er-Cabrio setzt beim Akustik-Komfort Maßstäbe für Stoffdach-Autos. Selbst jenseits von 200 km/h ist das Gespräch mit dem Beifahrer möglich, ohne die Stimme zu heben. Dafür mag der BMW keine geflickten Straßen. Unebenheiten bringen Unruhe ins Gebälk.

Unbeeindruckt von dieser Cabrio-Marotte präsentiert sich der Mercedes. In diesem Vergleich genießt er eine Ausnahmestellung. Er tritt als reiner Zweisitzer an und staut statt Stoff ein mehrteiliges Klappdach aus Blech unter die Abdeckung. Auch Technik und Preis heben ihn über Jaguar und BMW. Sein SL-500-Typenschild ist nach der Modellpflege pure Untertreibung. Der Vierventiler hat 5,5 Liter und leistet 388 PS. Schon der Grundpreis ist sechsstellig. Wer den Roadster ordentlich ausstattet, ist schnell bei 110.000 Euro.

Im direkten Vergleich haben XK und 650i keine Chance. Der Benz macht fast alles noch besser. Vor allem ist er schneller. Natürlich wird auch der Mercedes bei 250 km/h abgeregelt, doch auf dem Weg zum Spitzentempo hängt er seine beiden Konkurrenten klar ab. Keitum, Munkmarsch, Braderup – bassig brummend und mit der SL-typischen Geschmeidigkeit gleitet er am Wasser entlang. Zügige Kurvenfahrt zeigt, daß die Ingenieure an den richtigen Stellen nachgebessert haben. Die Lenkung ist von angenehmer Direktheit – flink wie ein Hase zieht der Zweitonner seine Bahn.

Die AUTO BILD-Wertung

Schade eigentlich, daß auf Sylt meist mehr Kurven am Strand als auf den Straßen zu finden sind. Besonders überzeugend meistert er die Fahrt über miese Straßen. Im SL 500 ist der Wankausgleich ABC Serie. Schlaglöcher entkoppelt das Fahrwerk derart perfekt von der Karosserie, daß sie im Innenraum kaum spürbar werden.

Unter objektivierbaren Gesichtspunkten ist der SL das beste, aber auch teuerste Cabrio in diesem hochkarätigen Testfeld. Stilistisch ist er ohnehin eine Ikone. Frühlingsgefühle verbreiten aber auch XK und 650i. Vor allem bei den Glücklichen, die sie fahren dürfen.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Mercedes-Benz SL 500, BMW 650i und Jaguar XK. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Jörg Maltzan

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