BMW 650i – Jaguar XKR — 19.03.2007

Die Raubkatzen

Zwei Welten prallen aufeinander: Britische Edelkatze im Duell mit bayerischem Löwen, 416 Kompressor-PS gegen 367 Sauger-Pferde. Englische Improvisation trifft auf teutonische Perfektion – dachte AUTO BILD SPORTSCARS jedenfalls.

BMW gegen Jaguar! Im Fußball würde man sagen: ein klassisches Duell. So wie Schalke gegen Dortmund oder Real gegen Inter. Zwei Marken mit langer Geschichte, aber unterschiedlichen Erfolgskurven: Vor 50, 60 Jahren war Jaguar weit vorn. Während BMW vor sich hin kränkelte, gewannen die Briten in Le Mans, bauten Monumente wie den XK oder den legendären E-Type und verkauften auch Nobel-Limousinen in durchaus nennenswerten Stückzahlen. Mitte der 60er startete BMW zu einem imposanten Höhenflug, die Briten dagegen überlebten den Niedergang der englischen Automobilindustrie nur dank einer Last-Minute-Adoption durch den Ford-Konzern – und stehen bis heute nicht wirklich auf festen Beinen. Derzeitiger Stand der Dinge: Während der bayrische Löwe auf dem Sockel einer weltweit anerkannten Premiummarke thront, kauert der einstmals stolze Jaguar ziemlich belämmert in der Exoten-Ecke. Ist dieser Vergleich deshalb ungerecht? Hier der arrivierte Alleskönner, ein klassischer Coupé-Cocktail, gemixt aus den besten Zutaten, mit dem Know-how eines Hightech-Unternehmens. Dort der krasse Außenseiter im knapp sitzenden und optisch leicht aus der Mode gekommenen GT-Anzug. Aber Vorurteile können ebenso täuschen wie erste Eindrücke. Beispiel Karosserie: Das Aluminium-Monocoque des Jaguar sorgt nicht für einen Gewichtsvorteil – im Gegenteil: Auf die Waage bringt der Brite 25 Kilo mehr als der Bayer. Anders sieht es beim Motor aus: Bei beiden Kontrahenten sorgt ein V8 für den Vortrieb; den 4,8 normal beatmeten Litern im BMW stehen nur 4,2 Liter Hubraum im Jaguar gegenüber, denen aber ein Eaton-Kompressor auf die Sprünge hilft. Und hier macht der XKR seinen ersten Punkt: Mit 416 PS lässt er die 367 des 650i schwächlich aussehen.

Unterkühlte Innenarchitektur im 6er

Innere Größe: Im Vergleich zum XKR sitzt es sich im BMW 650i schon fast wie in einer Limousine.

Noch größere Unterschiede offenbaren sich im Innenraum: Obwohl der BMW nur drei Zentimeter länger und fünf Zentimeter höher baut als der Jaguar, bietet er im direkten Vergleich ein fast schon limousinenhaftes Raumgefühl sowie eine Rückbank, auf der auch Erwachsene noch sitzen können. Dafür glänzt der XKR mit dem eindeutig sportlicheren Ambiente: Das klassisch gestylte Cockpit mit Aluminium-Akzenten, herrlich gefühlsechten Drehknöpfen im Lenkrad und dem fetten "R" im Drehzahlmesser wirkt ebenso rasant wie gediegen, die Sitzposition ist so, wie man sie sich in einem Sportwagen wünscht: tief und trotzdem noch einigermaßen aussichtsreich. Im 6er dagegen sitzt man – vor allem in schnell gefahrenen Kurven – zwar besser, aber auch deutlich höher. Echte Faszination kommt hier angesichts der ziemlich unterkühlten Innenarchitektur nicht auf.

Sämiges, druckvolles Bollern, wie es nun mal nur ein Achtzylinder zustande bringt, dringt aus beiden Motorräumen und weckt den Appetit auf mehr. Den der BMW ganz locker stillt: Mit turbinenhafter Leichtigkeit und kaum spürbaren Schaltrucken spurtet das Coupé aus dem Stand bis in den 250-km/h-Begrenzer und lässt die Viertelmeile nach 13,5 Sekunden hinter sich. Besser geht’s nicht, sollte man meinen. Aber es geht: Der Jaguar braucht vier Zehntel weniger auf 100, ist einen Hauch schneller auf der Viertelmeile, überrascht aber vor allem mit der ebenso weich wie schnell schaltenden ZF-Sechsgang-Automatik und dem kernigeren Sound, der bei höheren Drehzahlen auch noch vom Singen des Kompressors untermalt wird. In der Fahrwerkswertung glänzt der XKR ebenfalls mit unerwarteten Qualitäten: Die Abstimmung von Federn und Dämpfern ist für einen so potenten Sportwagen erstaunlich komfortabel geraten, ohne auch nur ansatzweise schwammig zu wirken.

Nur die etwas gefühlsarme Lenkung mindert ein wenig den Fahrspaß, ansonsten fährt sich die starke Katze auch in Kurven wie ein Sportwagen: Spontanes Einlenken und agiles Fahrverhalten zählen dabei ebenso zu ihren Stärken wie gut dosierbare und standfeste Bremsen. Alles das erwartet man eigentlich von einem BMW – und bekommt es im 650i auch. Neu jedoch ist, dass auch Jaguar jetzt mit solchen Tugenden aufwartet. Geblieben von den typisch englischen Schwächen sind allenfalls die Trinksitten: Der Testverbrauch von 16,5 Litern ist nichts, worauf man stolz sein könnte. Zudem kostet der XKR fast 20.000 Euro mehr als der BMW 650i.

Technische Daten BMW 650i Jaguar XKR
Motor V8 V8, Kompressor
Einbaulage vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 4799 cm³ 4196 cm³
Bohrung x Hub 93x88,3 mm 86x90,3 mm
Verdichtung 10,5:1 9,1:1
kW (PS) bei 1/min 270 (367)/6300 306 (416)/6250
Literleistung 76 PS/Liter 99 PS/Liter
Nm bei 1/min 490/3400 560/4000
Antriebsart Hinterrad Hinterrad
Getriebe 6-Gang-Automatik 6-Gang-Automatik
Bremsen vorn 348 mm/innenbel. 355 mm/innenbel.
Bremsen hinten 345 mm/innenbel. 355 mm/innenbel.
Radgröße vorn / hinten 8x18 8,5 / 9,5x20
Reifen vorn / hinten 245/45 R 18 255/35 / 285/30 ZR 20
Reifentyp Bridgestone RE050A Dunlop SP Sport Maxx
Länge/Breite/Höhe 4820/1855/1379 mm 4791/1893/1322 mm
Radstand 2780 mm 2752 mm
Leergewicht 1765 kg 1790 kg
Leistungsgewicht 4,8 kg/PS 4,3 kg/PS
Zuladung 325 kg 290 kg
Tankinhalt 70 l 71 l
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h
Messwerte BMW 650i Jaguar XKR
Beschleunigung
0– 50 km/h 2,0 s 2,1 s
0–100 km/h 5,6 s 5,2 s
0–130 km/h 8,7 s 8,0 s
0–160 km/h 12,6 s 11,3 s
0–200 km/h 19,8 s 17,7 s
Viertelmeile
0–402,34 m 13,54 s 13,43 s
Elastizität
60–100 km/h Zwischenspurt 2,7 s 2,5 s
80–120 km/h Zwischenspurt 3,3 s 3,2 s
80–120 km/h im 6. Gang k.A. k.A.
Bremsweg (Verzögerung)
100–0 km/h kalt 37,4m (–10,2 m/s²) 37,0m (–10,3 m/s²)
100–0 km/h warm 36,8m (–10,4 m/s²) 37,9m (–9,8 m/s²)
200–0 km/h warm 143,4m (–10,7 m/s²) 149,2m (–10,2 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 14,4 l Super Plus 16,5 l Super Plus
Reichweite 490 km 430 km
Preise in Euro (inkl.MwSt.) BMW 650i Jaguar XKR
Serienfahrzeug ohne Extras 77800 97500
Ausstattung
20-Zoll-Felgen 4988 3600
Aktives Fahrwerk 2670 Serie
Automatik-Getriebe 2160 Serie
Bi-Xenon-Scheinwerfer Serie Serie
Head-up-Display 1340
Navigationssystem 3230 Serie
Reifendruckkontrollsystem Serie 560
Sportsitze 930 Serie
Preis Testwagen 93.118 Euro 101.660 Euro

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