BMW 760Li, Mercedes S 600 L, VW Phaeton W12

BMW 760Li gegen Mercedes-Benz S 600 L und VW Phaeton W12 BMW 760Li gegen Mercedes-Benz S 600 L und VW Phaeton W12

BMW 760Li, Mercedes S 600 L, VW Phaeton W12

— 09.05.2003

Dieter sucht den Superstar

Hier parkt Deutschlands Luxusauto-Hitparade: 36 Zylinder, 1365 PS und eine Drittelmillion Euro. Frage: Wer ist der Beste im ganzen Land?

BMW wuchert mit mächtig Platz



Wenn’s gut hamburgisch "Dittäh!" über den AUTO BILD-Flur hallt, dann bin ich gemeint, der Diether Rodatz. Vornamensvetter Dieter Bohlen beehrt allenfalls mal die Show-Kollegen von Bild und Bild am Sonntag. Zu gerne hätte ich den Ferrari-Freak bei diesem Treffen der automobilen Superstars in meiner Jury gehabt. Doch Dieter hatte keine Zeit für Diether. Okay, dann lege ich eben seinen Erfolgsroman "Nichts als die Wahrheit" (wollte ich ohnehin nie lesen) beiseite und mache mich ganz allein auf die Suche nach derselben.

Was mag ein auf Hits abonnierter Komponist als Erstes von (s)einer Limousine verlangen? Champagner-Holder, werden schlichte Gemüter jetzt denken. Mit denen hatte Dieter bei der Superstar-Wahl ja täglich zu tun. Beruhigen wir sie: Alle drei Wagen erlauben im Fond behutsames Betrinken – wenn dein Chauffeur es will. Denn ein kleiner Tritt aufs Pedal genügt, und du bist in 4,8 (Mercedes-Benz), 5,8 (BMW) oder 6,1 Sekunden auf 100, der teure Schampus wirkt dann nur noch äußerlich.

In solchen Autos braucht keiner Alkohol-Doping, sie verschlagen einem auch ohne Prozente die Sprache. Der BMW 760Li wuchert mit dem mächtigen Platzangebot hinten, auch Langbeiner suchen die gepolsterten Fußstützen. Der Mercedes-Benz S 600 L verwirklicht, was sich BMW seit Jahren auf die Fahnen schreibt: Freude am Fahren dank bärenstarkem Biturbomotor. Und der VW Phaeton zeigt aller Welt, dass Wolfsburg mehr kann als Massenware bauen.

S-Klasse gebührt der Schönheitspreis

Auf Anhieb begeistert die hohe Ingenieurleistung. Wie schnell sich der Emporkömmling in die Spur der Traditionalisten einreihen kann, ist schwer zu sagen. Audi hat mit V8/A8, viel Geduld und Kanzlers Hilfe über zehn Jahre gebraucht. Hilfreich ist ein konservatives Äußeres. Das bietet der Phaeton mit seiner unleugbaren Passat-Ähnlichkeit. Der S-Klasse gebührt der Schönheitspreis: Sie ist unaufdringlich elegant, hat Formen, die wir in 20 Jahren noch gerne anschauen werden.

Der große 7er dagegen – wer mag das Hinterteil? Hinweis von mir: Autos, die die Amis mögen, sind hier meist nicht erfolgreich. Natürlich, die bei uns verkauften Stückzahlen der drei Zwölfzylinder werden in keiner Zulassungs-Hitliste auftauchen. Doch in Euro gerechnet, sind schon neun 760Li eine Umsatzmillion für BMW. Also wichtige Umsatz- und Prestigebringer. Was mir auf der Piste schnurzpiepe ist.

Da prallst du erst mal beim Einsteigen zurück: Beim Mercedes sorgen helle Veloursteppiche dafür, dass du die Schuhe vor der Tür abstellen möchtest. Der BMW zeigt grünliche Leder-Applikationen, die farblich an gewisse Geruchssteine erinnern. Beim VW erinnern dich lautlos bewegende Edelholz-Düsenverkleidungen stets daran, dass Ex-Chef Piëch nur schlechte Manager mehr hasste als zugige Belüftung.

Gezügeltes Temperament in der First-Class

Wenn es einen Beweis für den hohen Anspruch des alten "made in Germany" braucht, dann ist er hier zu finden. Diese drei Wagen macht uns so schnell keiner nach. Sie glänzen mit Allradantrieb (Phaeton), sie bieten das Temperament eines Porsche (S-Klasse) und protzen mit neuer Technologie (7er). Doch zu dem für Kenner vielleicht genialen iDrive halte ich jede Wette, dass Leute, die mit dem Programmieren ihres Videorecorders auf Kriegsfuß stehen, nie im Leben alle Möglichkeiten ausschöpfen werden, die ihnen der kleine Joystick bietet. Über 700 Funktionen sollen es ja sein. Kein Wunder, dass die Betriebsanleitungen mittlerweile weit über ein Kilogramm wiegen.

Noch eines hat diese First-Class-Fürstenklasse gemeinsam: Bei abgeregeltem Höchsttempo 250 vermitteln alle das Gefühl gezügelten Temperaments: Wir können mehr, dürfen leider nicht. Ob die Phaeton-Tachoanzeige mit ihrer Skala bis 320 schon auf Zuwachs gemacht ist? Wie dem auch sei: Wer nach klassischer Art einsteigen und sofort losfahren möchte, der ist im Mercedes-Benz am besten aufgehoben. Fast alle Tasten erklären sich schnell von selbst, die wichtigen Hebel sind seit Jahrzehnten an der gleichen Stelle. Megasanft die Schaltung der Fünfgangautomatik. Bei Höchsttempo dreht der Motor entspannende 4500 Touren.

Würden die Betonplatten nicht so schnell unterm Stern verschwinden, wärst du versucht, noch an dem Massagesitz (Aufpreis) rumzustellen, den Bordcomputer zu programmieren oder die Lieben daheim anzurufen: "Hört mal, ich wäre ja gleich zu Hause. Aber leider muss ich schon wieder tanken." Denn bei diesen Zwölfern gilt natürlich: Fuß unten hält Verbrauch oben. Zwischen 16,5 und 17,8 Liter Super plus düsen im Mittel durch die Einspritzungen.

Sensationell gute Bremsen haben alle drei

Dafür aber auch mal ein großes Lob an die sensationell guten Bremsen: BMW und Mercedes-Benz erhalten Bestnoten, beim Phaeton sind vermutlich die Schwungmassen der 4Motion schuld an den zusätzlichen Metern. Der Allradantrieb sorgt wiederum für furioses Fahrverhalten und herrliche Handlichkeit. Die Lenkung ist spitze, der Fahrkomfort dank Luftfederung auch.

Der BMW hingegen entspannt: Im Leerlauf ist vom Motor nichts zu hören, da stört eher das Gebläserauschen. Auf dem Weg zum Höchsttempo wünscht man sich "untenrum" schon mal etwas mehr Biss, und die Lenkung könnte präziser sein. Beim Phaeton steht "VW" für mich ab sofort für VIP-Wagen, denn mit "Volk" hat er nichts mehr zu tun. Das lässt er schon vom Gewicht (leer 2,38 Tonnen) weit hinter sich. Auch müssen sich die Elektr(on)iker fragen lassen, warum einfache Radio-Befehle noch im Zentraldisplay wiederholt werden. Wenn ich laut oder leise drehe, dann will ich das hören und nicht sehen.

Selbiges vergeht einem beim Blick auf die Preise. Was tun? Superstar-Dieter könnte alle drei Zwölfer bar bezahlen. Hätte dann aber keine Autoträume mehr. Sein Vornamensvetter behält sie noch. Können Sie sich ein Leben ohne Träume vorstellen? Ich fände es langweilig.

Kosten und Ausstattungen

In Anschaffung und Versicherung ist der Mercedes-Benz der teuerste. Dafür sind seine Garantien besser und der Wertverlust gering.

Technische Daten im Überblick

Alle drei Zwölfzylinder sind keine Kostverächter. Der einzige Benzindirekteinspritzer des Vergleichs (im BMW) braucht gut einen Liter weniger. Das größte Sparpotenzial, aber auch den größten Maximalverbrauch hat der Mercedes-Benz. Reichweite: Rund 500 Kilometer schaffen alle, bei Vollgas nur 400 Kilometer.

Fazit und Wertung

Fazit Hier fährt perfektes "made in Germany", bei dem der älteste deutsche Autobauer die Nase knapp vorn behält. In neun Wertungen bekommt er die meisten Punkte. Das verdankt er vor allem seinem temperamentvollen (Maybach-)Motor, der besten Bedienbarkeit, der optimalen Sicherheitsausstattung und dem erstaunlich geringen Wertverlust. BMW und VW sind der S-Klasse aber hart auf den Fersen: Von BMW erwarte ich das, das gute VW-Ergebnis hat mich indes verblüfft.

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