Alpina B12 5.7 Coupé im Test

BMW Alpina B12 5.7 Coupé: Gebrauchtwagen-Test

— 10.11.2017

Alpinas Ferrari

Ein deutscher Gran Turismo mit zwölf Zylindern, 300 km/h schnell, lackiert in Mugello-Rot? Gestatten: der Alpina B12 5.7 Coupé. Der Sportwagen aus dem Allgäu sollte Anfang der 90er-Jahre Ferrari und Co in die Parade fahren.

Ab Mitte der 80er-Jahre entwickelte BMW tatsächlich einen Konkurrenten zu den Boliden aus Maranello: einen starken Gran Turismo mit Klappscheinwerfern und V12. Die Rede ist von der 8er-Baureihe E31. Ein kleiner, inoffizieller Fingerzeig für die Kampfansage nach Italien war eine der Lackierungen für das Topmodell 850 CSi in Mugello-Rot. Um das Ganze noch weiter anzuheizen, dachten die Bayern sogar über einen M8 nach. Mehr als ein breitbackiger Prototyp mit einem 550 PS starken Zwölfzylinder kam dabei jedoch nie heraus. Dafür grätschte BMWs Edeltuner Alpina Anfang der 90er ein und entwickelte einen leistungsgesteigerten 8er, das B12 5.7 Coupé. Wir haben bei Alpina-Sammler Reiner Witt in Essen ein echtes Prachtexemplar erwischt, das sogar in Mugello-Rot erstrahlt.

Nur 57 Exemplare entstanden vom 5.7er Coupé

Warum stellen wir Ihnen dieses Auto überhaupt vor? Nun, weil das 5.7er Coupé kaum jemand auf dem Schirm haben dürfte. 1992 war dies einer der wenigen Seriensportwagen, die bereits echte 300 km/h liefen. Dazu war der Alpina schon vollgestopft mit Technik, die auch heute noch als aktuell gelten darf. Bevor nun Verwirrungen um 850 CSi, M8 und B12 entstehen, blicken wir noch einmal zurück. Und zwar speziell auf die Stückzahl, denn die sticht besonders hervor. Analog zum Hubraum von 5,7 Liter entstanden in Buchloe von 1992 bis 1996 nur 57 Exemplare. 47 davon mit manuellem Sechsganggetriebe, zehn mit einer von Alpina entwickelten Shift-Tronic. Dazu später mehr, denn unser Exemplar ist eines dieser 10. Seine Basis, den 850 CSi, gab es nur mit manuellem Sechsganggetriebe. Alles an diesem Werks-8er war stärker auf Sport getrimmt als beim ebenfalls zwölfzylindrigen 850i. So null auf hundert, bei Tempo 250 wurde elektronisch abgeregelt. Für eine höhere Vmax fehlte schlicht der passende Reifen.

Gebrauchtwagensuche: Alpina

Alpina bringt den BMW 8er ordentlich auf Trab

Der V12 stammt vom damaligen Topmodell 850 CSi, Alpina vergrößerte den Hubraum von 5,6 auf 5,7 Liter. Ergebnis: 416 statt 380 PS.

Und jetzt kommen die Allgäuer ins Spiel. Die Truppe rund um Burkard Bovensiepen und dessen Söhne Andreas und Florian erkannten das Potenzial des 8ers und erhielten von BMW die Freigabe, ein eigenes Auto auf die Räder zu stellen. Mit Michelin hatten sie auf jeden Fall einen Lieferanten für Reifen, die mehr als 250 km/h vertrugen. Das allein war den Bovensiepens jedoch zu wenig. Zunächst entwickelten sie auf der Basis des zivilen 850i mit 300-PS-V12 den B12 5.0: Leistungssteigerung von 300 auf 350 PS, Alpina-Dekor, 20-Speichen-Räder, Fahrwerk, Interieur. Mit 6,8 Sekunden für den 0-100-Sprint war er nicht viel schneller als der Basis-850i, die Spitze von 281 km/h reizte die Käufer da schon eher. Insgesamt 97 B12 5.0 konnte Alpina so absetzen. Doch darauf wollten sich die Bovensiepens nicht ausruhen. Sie hatten noch weitere Features in der Schublade. Ende 1992 startete das Projekt B12 5.7.

Porsche, Aston Martin oder Ferrari im Rückspiegel

Wie das Kürzel bereits verrät, drehten die Allgäuer an der Hubraumschraube. Klingt fett, fiel mit 5646 zu 5576 Kubikzentimetern aber sehr übersichtlich aus. Dazu kam eine freiere Atmung mittels großzügigerer Ansaug- und Auspuffwege sowie etwas mehr Ventilhub. Schärfere Nockenwellen und die auf den Super-Plus-pflichtigen Wert von 10,5 angehobene Verdichtung vervollständigten den Motorumbau von 380 auf 416 PS. Damit ließ sich schon der eine oder andere Porsche, Aston Martin oder Ferrari beim Beschleunigen im Rückspiegel betrachten. Das galt auch auf der Autobahn, wo das B12 5.7 Coupé bis zu 300 km/h erreichte.

Erstes elektronisches Kupplungsmanagement-System

Alpina-Sammler Rainer Witt erklärt dem Autor die Besonderheiten des 5.7 Coupé.

Bei unserem heutigen Rendezvous mit dem Auto von Rainer Witt wollen wir diese Werte nicht nachmessen. Auf der Fahrt zur Fotolocation dürfen wir dennoch auf der Autobahn kurz antesten, wie der Alpina geht. Vorweg noch kurz zur eingangs erwähnten Shift-Tronic. Als erster Automobilhersteller realisierte Alpina mit dem B12 5.7 Coupé ein elektronisches Kupplungsmanagement-System, die Alpina Shift Tronic. Funktion: Beim Berühren des Schalthebels wird automatisch aus- und wieder eingekuppelt, auch beim Anhalten wird automatisch ausgekuppelt. Alles, was normalerweise der linke Fuß macht, übernimmt hier ein Kupplungsaktuator. Sensoren erkennen, wann ein- oder ausgekuppelt werden muss. Das wirkt auf den ersten Metern reichlich ungewohnt, doch wenn man es einmal verinnerlicht hat, macht es sogar richtig Spaß.

Verhaltener Fahrspaß im Vergleich zu aktuellen Modellen

Das Thema Fahrspaß an sich füllt im Vergleich mit aktuellen Modellen aus Buchloe dagegen eher verhalten aus; der V12 klingt recht dezent, schöner Sound kommt allein von den vier Endrohren. Schub aus unteren Drehzahlen, wie wir es dank Turboaufladung heute schon als nahezu normal empfinden — Fehlanzeige. Man muss den dicken Motor schon bei Laune halten, damit's vorangeht. Der Fahrer bettet sich auf feines Alpina-Leder, das auch nach 25 Jahren noch kein bisschen spröde wirkt. Nur mit Seitenhalt können die beiden Sitze nicht so recht aufwarten. Die Mittelkonsole ist ein Eldorado für Technikfreaks. Oben ein fetter Bordcomputer mit unzähligen Funktionen, darunter das CD-Radio BMW Bavaria und eine Etage tiefer die Klimaanlage. Links und rechts neben dem Schalthebel sitzen die Tasten für ESP, Sitzheizung, das elektrische Heckrollo und den EML – das, was BMW heute als Fahrerlebnischalter bezeichnet: S für Sport mit einer offensiveren Gasannahme, K für Komfort.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Der 1,8-Tonner kann auch Kurven

Kurz vor dem Ziel machen wir noch einen Abstecher über eine gewundene Landstraße. Und siehe da, der 1,8-Tonner kann tatsächlich Kurven. Hier kommt die AHK des 850 CSi zum Tragen. Nein, keine Anhängerkupplung; gemeint ist die aktive Hinterachskinematik. Im Gegensatz zur passiven Hinterachslenkung, bei der die Räder aufgrund der einwirkenden Beschleunigungskräfte bei Kurvenfahrt einschlagen, lenkt die AHK aktiv hydraulisch mit, bevor sich diese Kräfte aufbauen. Darüber hinaus arbeiten das speziell abgerichtete Bilstein-Fahrwerk und die breiten 18-Zoll-Gummis von Michelin perfekt zusammen. Und wenn man sich traut, geht es dank Sperrdifferenzial sogar leicht übersteuernd ums Eck. Allein das Lenkrad passt nicht dazu – viel zu groß, viel zu indirekt. Bremsen und Komfort? Die vom 850 CSi übernommenen M-Stopper machen einen modernen und ausdauernden Eindruck. Schlechte Straßen meistert das Coupé wie ein echter GT – gelassen, nicht geschüttelt. Weitere Details zum BMW Alpina B12 5.7 Coupé gibt es in der Bildergalerie!

Alpina B12 5.7 Coupé im Test

Technische Daten*
Motorbauart V12
Einbaulage vorn, längs
Hubraum 5646 cm3
kw (PS) bei 1/min 306 (416)/5400
Literleistung 74 PS/l
Nm bei 1/min 570/4000
Getriebe 6-Gang-Halbautom.
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten innenbelüftete Scheiben
Reifengröße vorn/hinten 245/40 - 285/35 R 18
Maße L/B/H in mm 4780/1855/1330
Radstand 2684 mm
Leergewicht 1865 kg
Leistungsgewicht 4,5 kg/PS
Tankvolumen 90 l
Kofferraumvolumen 320 l
Fahrleistungen
0-100 km/h 5,8 s
Höchstgeschwindigkeit 300 km/h
Normverbrauch 18,7 l Super Plus
Kosten
ehemaliger Neupreis 268.500 DM
Typklasse HP/TK/VK nicht gelistet**
Kfz-Steuer 419 Euro (EU2)
Gebrauchtpreis ab ca. 120.000 Euro
*Herstellerangaben
**Tarife müssen individuell vereinbart werden
Autor:

Guido Naumann

Fazit

Okay, so emotional wie ein Ferrari ist das Alpina B12 5.7 Coupé nicht. Doch Silhouette, Technik und Speed können auch heute noch beeindrucken. Vorausgesetzt, man hält den 416 PS starken V12 angemessen bei Laune. Bald kommt ein neuer 8er. Bleibt zu hoffen, dass sich Alpina noch einmal traut, so ein Sportcoupé anzufassen.

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