BMW Alpina D4 Biturbo Coupé im Dauertest

BMW Alpina D4 Biturbo Coupé im Dauertest

BMW Alpina D4 Biturbo Coupé BMW Alpina D4 Biturbo Coupé BMW Alpina D4 Biturbo Coupé

BMW Alpina D4 Biturbo Coupé: Dauertest

— 11.04.2017

Ein guter Jahrgang

Ein BMW Alpina glänzt mit Power und Extravaganz. Wie aber schlägt sich so ein Edel-435d auf längere Distanz? AUTO BILD SPORTSCARS hat das D4 Biturbo Coupé auf die 60.000-Kilometer-Reise geschickt.

Es gibt Autos, da steigt man ein, fühlt sich sofort wohl, hat Spaß und will nicht mehr aussteigen, auch nicht nach 1000 Kilometern am Stück. Dazu zählte seit Oktober 2015 auch das BMW Alpina D4 Biturbo Coupé. AUTO BILD SPORTSCARS hatte erstmals Gelegenheit, ein Modell aus Buchloe im Dauertest zu bewegen. Wir wollten erfahren, wie sich solch ein bis ins letzte Detail veredeltes 4er Coupé über die Distanz verhält. Stimmt die Qualität? Ist der Mehrpreis zu einem BMW 435d gerechtfertigt?

Feinsinnig und vornehm: Der Alpina ist kein getunter BMW

Bevor wir aus dem Tagebuch zitieren, kurz ein paar Worte zum Geist dieser Marke. Denn bei den Alpina-Modellen handelt es sich nicht um getunte BMW. Die M GmbH macht es mit grellen Farben und breiten Backen, die von Burkard Bovensiepen 1965 gegründete Firma (Hersteller seit 1983) erobert ihre Kundschaft mit zurückhaltenderem, klassischem Charme. Und das gilt nicht nur für die hauseigenen Farben Grün und Blau oder den markentypischen Zierstreifen. Das ganze Fahrzeug ist erheblich feinsinniger und vornehmer gestaltet, als man dies einem Tuner zutrauen würde. Die Spoiler sind dezenter, die Räder kommen ohne Tiefbett aus, die Bremsscheiben sind nicht gelocht, die Auspuffanlage verträgt sich mit den Nachbarn.

Gebrauchtwagensuche: Alpina

Auch innen geht es deutlich dezenter zu als in einem M-Modell. Blaues oder grünes Leder ist genauso möglich wie Rautensteppung und ein schlichtes Schwarz. Blau hinterlegte Instrumente, die Unterschrift des Firmengründers auf der Mittelkonsole und die Alpina-Plakette mit der fortlaufenden Nummerierung sind in jedem Alpina Standard. Unser Dauertestauto trägt die Nummer 48 und hat die heiligen Hallen in Buchloe am 23. Oktober 2015 verlassen – inklusive einer ausführlichen Einweisung durch Alpina-Chef Andreas Bovensiepen.
Überblick: Alles zum Alpina D4 Biturbo

BMW Alpina D4 Biturbo Coupé im Dauertest

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Das in Alpina-Grün lackierte Coupé war mit so ziemlich allen Extras ausgestattet, die man sich wünschen kann. Zum Basispreis von 59.500 Euro wichen die serienmäßigen 19-Zöller 20-Zoll-Classic-Vielspeichern, Lavalina-Leder ersetzte die Stoffbezüge, und an der Hinterachse wurde eine Differenzialsperre montiert. Machte zusammen 79.039 Euro. Ein Serien-435d xDrive Coupé kommt mit 56.600 Euro rund 3000 Euro günstiger. Der Alpina hat dafür mehr Leistung und Ausstattung zu bieten. Kennern wird auffallen, dass es das D4 Biturbo Coupé im Vergleich zur Serie ohne Allrad gibt. Heckantrieb mit diesem Motor gibt es so nur von Alpina, die Gründe liegen auf der sportlichen Seite.

Der Biturbo-Reihensechszylinder des 435d wird mächtig gepusht

Die Vierrohr-Akrapovic-Sportauspuffanlage macht einen guten Job: Der Sound klingt feiner als die Serie.

Wo wir gerade beim Thema sind: Sportlicher fallen natürlich auch die Fahrleistungen aus. Alpina pusht den Biturbo-Reihensechszylinder des 435d per Software-Eingriff, größerem Ladeluftkühler und Optimierungen am Ansaugtrakt von 313 auf 350 PS; das Drehmoment schwillt von 630 auf 700 Newtonmeter an. Die von BMW verbaute Achtstufen-Automatik wurde zusammen mit ZF modifiziert, sie soll Sport und Komfort noch besser vereinen. Dazu sitzen an der Lenkradrückseite die traditionellen Schalttasten. Um das Thema Sound und Gewichtsoptimierung kümmert sich eine Vierrohr-Akrapovic-Sportauspuffanlage. Auch beim Chassis geht Alpina eigene Wege. Das Fahrwerk erhält 40 Prozent straffere Federn, angepasste Adaptivdämpfer und Michelin Pilot Super Sport-Reifen; dazu kommen größer dimensionierte, mit Brembo entwickelte Bremsen samt Vierkolben-Sätteln vorn und Zweikolben-Sätteln hinten.
Technische Daten: Alpina D4 Coupé
Motorbauart R6, Diesel
Aufladung Biturbo
Einbaulage vorn längs
Ventile / Nockenwellen 4/2
Hubraum 2993 cm³
Bohrung x Hub 84,0 x 90,0 mm
Verdichtung 16,5 : 1
Leistung kW (PS) b. 1/min 257 (350) / 4000
Literleistung 117 PS/l
Drehmoment Nmb. 1/min 700 / 1500
Antrieb Hinterrad
Getriebe 8-Stufen-Automatik
Bremsen vorn 370 mm / innenbelüftet
Bremsen hinten 345 mm / innenbelüftet
Bremsscheibenmaterial Stahl
Radgröße vorn – hinten 8 x 20 – 9 x 20 Zoll
Reifengrößevorn – hinten 245/30 R 20 – 265/30 R 20
Reifentyp Michelin Pilot Super Sport
Länge / Breite / Höhe 4640 / 1825 / 1382 mm
Radstand 2810 mm
Tank- / Kofferraumvolumen 57 / 445 l

Am Ring ist er zwei Sekunden schneller als ein 435i

Sportlich ums Eck und stundenlang komfortabel über die Autobahn – das D4 Coupé kann beides.

Bei den Messfahrten zu Testbeginn resultierte das Paket in ansprechenden Werten. Von 0 auf 100 ging es in 4,9 Sekunden, auf 200 km/h in 18,1 Sekunden, und nach 32,6 Metern stand der D4 aus Tempo 100. Dazu haben wir gleich die Rundenzeit auf dem Sachsenring ermittelt. Anders als ein M-BMW ist der Alpina nicht auf die Rennstrecke abgerichtet, sondern für den souveränen Alltag auf der Autobahn abgestimmt. Umso erstaunlicher ist das Abschneiden auf unserer Hausstrecke. Präzise und direkt lässt sich der Nobel-4er positionieren und dirigieren, zeigt kaum Roll- und Wankneigung, das Gripniveau der Reifen erlaubt spätes Bremsen und frühes Gasgeben mit feinem Übersteuern. Dazu der gar nicht nach Diesel klingende Sechszylinder – das macht einfach Spaß! Mit seiner 41er-Rundenzeit ist der D4 fast zwei Sekunden schneller als ein BMW 435i Coupé und nur sieben Zehntel langsamer als das 410 PS starke B4 Biturbo Coupé. Von einer elektronischen Tempodrossel bei 250 km/h hält Alpina nichts. Der D4 läuft offiziell 278 km/h, das Display zeigte auch mal über 290 Sachen. Dahinter steht eine Philosophie, denn den Kunden reicht es nicht zu wissen, was ihr Auto laufen könnte, sie kosten diese Freiheit auch gern aus.

Der Alpina fiel mit Nassbremsproblemen auf

Auf trockener Straße ist alles gut. Doch bei Nässe setzt die Bremswirkung verzögert ein und das Auto zieht zur Seite.

Und was stand noch im Fahrtenbuch? Kurz vor dem ersten Schnee ließen wir 19-Zoll-Winterreifen aufziehen, packten Eiskratzer und Schneebesen ein. So ging es die ersten 30.000 Kilometer durch die Kälte. Und der D4 erntete kaum Kritik. Die Einträge klangen vielmehr wie Liebeserklärungen: "Was für ein tolles Auto" oder "M4 Diesel". Auf geschlossener Schneedecke funktionierte die Hinterachssperre perfekt und sorgte für sicheres Carven. Bei Nässe offenbarte sich jedoch ein Problem: Immer wieder fiel der Alpina mit Nassbremsproblemen auf. Die Bremswirkung setzt verzögert ein, das Auto zieht zur Seite. Eigentlich ist das Problem bei BMW längst bekannt und mit einer Trockenbremsfunktion (Anlegen der Bremsbeläge in Intervallen), gekoppelt an den Scheibenwischer, gelöst. Bei unserem Dauertester funktionierte das aber selten bis gar nicht. Unsere Vermutung: Die Speichenräder schaufeln noch mehr Wasser auf die Bremsen als die BMW-Räder.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Im Frühling 2016 ging es dann nach einem ersten Öl- und Filterwechsel wieder mit den 20-Zöllern auf Reisen. Trotz der großen Räder beschwerte sich niemand über Komforteinbußen. Mit Unebenheiten oder Querfugen hat der D4 kein Problem. Und wenn die Bahn frei war, ließen wir ihn auch mal laufen. Das Saufen begann der Alpina deshalb nicht. Über die Dauertest-Distanz schafften wir einen Schnitt von 8,6 Liter pro 100 Kilometer. In Anbetracht der Fahrleistungen ist das ein wirklich guter Wert. Probleme? Schäden? Rein gar nichts, das Coupé lief wie am Schnürchen, der Lack glänzte wie am ersten Tag. Zum Testende gab es noch einen Satz neue Bremsbeläge, und beim Dekra-Check sah das Coupé unten wie oben aus wie neu.
Autor:

Guido Naumann

Fazit

Wir fahren viele Autos und viele Kilometer im Jahr, doch selten waren wir so entspannt, schnell und sparsam unterwegs wie mit dem D4 Biturbo Coupé. Über die 60.000 Kilometer leistete sich der Alpina keine Schwächen, Exterieur wie Interieur hielten den ständigen Fahrerwechseln stand. Klar, die feinere Art des BMW-Fahrens lassen sich die Allgäuer gut bezahlen. Das ist aber auch der einzige Beigeschmack dieses guten Jahrgangs.

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