BMW gegen Mercedes: Vorschau

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BMW gegen Mercedes: Vorschau

— 06.04.2011

A-Klasse wird schärfer als der nächste 1er

Mercedes greift BMW in dessen ureigener Domäne an: Die Neuheiten mit dem Stern atmen ebenso viel Sportgeist wie die Konkurrenz aus München – das geht schon bei den Kompakten los.

BMW und Mercedes streiten sich weltweit – um modernste Technik, das sportlichste Image und vor allem um die solventen Kunden auf allen Kontinenten. Ihre Flaggschiffe 7er und S-Klasse fahren zwischen Shanghai und Los Angeles nur in feinsten Kreisen. Doch die Zukunft der Marken entscheidet sich drei Etagen tiefer: bei den Kompakten. Nur wer in der Golf-Klasse Stückzahlen feiern und Gewinne einfahren kann, hat genug Erträge für den Luxus von morgen. Daher wählen der nächste 1er (ab Ende 2011) und die neue A-Klasse, die als Studie auf der Messe in Shanghai enthüllt wird, ganz unterschiedliche Strategien.

Acht weitere BMW/Mercedes-Duelle gibt's in der Bildergalerie!

Die Heckansicht mit den LED-Leuchten ist die Schokoladenseite der 1er-Reihe. Die neue A-Klasse sieht rundum gut aus.

Während die Bayern ihren Neuling eher behutsam weiterentwickeln, vollzieht Mercedes einen radikalen Wechsel, der einige Markenfans erschrecken wird: weg vom hohen, komfortbetonten und wenig begeisternden Ü-50-Auto, hin zu einem breiten, sportlichen Viertürer mit ganz anderem Auftritt. Mercedes bringt eine neue A-Klasse, die wieder bei null anfängt. Sie hat keinen Sandwichboden mehr, dafür einen längeren Radstand, athletische Proportionen und viele spannende Design-Details. Die Technik ist komplett neu und erlaubt den Ausbau zur breiteren Modellfamilie: • A-Klasse-Viertürer • B-Klasse-Nachfolger • BLK-Crossover • CLC-Coupé • CLC Shooting Brake • A-Klasse-Zweitürer.

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Während sich Mercedes-Käufer angesichts dieser Design-Revolution bei ihrem Händler erstaunt umblicken werden, muss die BMW-Klientel zunächst weniger umdenken. Der neue 1er bleibt ein kompaktes Steilheckmodell, das leicht wachsen wird, um den Fond-Passagieren mehr Platz zu bieten. Aber hätten die Designer nicht mehr wagen können? Denn auf den ersten Blick ist wenig neu am neuen 1er. Der Grill ist dreidimensionaler herausmodelliert, und auf Höhe der Türgriffe trägt er eine kräftige Quetschfalte. Die steile Niere und die hohe Haube verlangt inzwischen der verschärfte Fußgängerschutz. Aber musste der vordere Überhang so mächtig ausfallen? Ja, so heißt es, weil auch dieser 1er ab 2017 auf Frontantrieb umgestellt werden soll. Frontantrieb? Das ist das Wort, das die weiß-blaue Fangemeinde verunsichert, und daran sind wir von AUTO BILD nicht ganz unschuldig. Denn diese mittelfristigen Pläne von BMW haben wir frühzeitig exklusiv enthüllt. Doch der Reihe nach: Der neue 1er erscheint als Viertürer zunächst weiter mit Hinterradantrieb, nutzt also wieder die Technik des nächsten 3er, der für 2012 angekündigt ist. Es bleibt vorläufig alles bei der bisherigen Modellfamilie und den bekannten Versionen: • Viertürer, Steilheck • Zweitürer, Steilheck • Coupé, Stufenheck • Cabriolet.

Damit rücken 1er und A-Klasse nicht nur optisch einander näher, auch technisch zeigen die süddeutschen Edel-Gölfe erstaunliche Gemeinsamkeiten: die Einzelradaufhängung vorn an Federbeinen, hinten an Quer- und Längslenkern, die Hydrolenkung mit elektrischer Servounterstützung und den möglichen Allradantrieb Die wesentlichen Unterschiede betreffen die Auslegung von Motor und Getriebe. Mercedes setzt quer durch die Bank auf Vierzylinder, die allerdings zum Teil im Lohnauftrag bei Renault gebaut werden. BMW will den Dreizylinder, der als Kernmotorisierung des nächsten Mini gilt, auch im 1er anbieten. Bei der Automatik bleiben die Bayern dagegen dem Wandler treu – zumindest bis zur Umstellung auf quer eingebaute Motoren. Der Grund: Das alternativ verfügbare Doppelkupplungsgetriebe sei zu groß, zu schwer und zu teuer.

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Stimmt nicht, sagt Mercedes. Und bietet schon vom Start weg ein solches Getriebe, das mit sieben Gängen und Trockenkupplung arbeitet. Das Vorbild von VW soll in der Effizienz und im Ansprechverhalten sogar noch übertroffen werden. Die Motorenpalette des 1er dürfte im Detail wie folgt aussehen: • 1,5-Liter-Turbo, 3-Zylinder, 129 PS • 1,5-Liter, 150 PS • 1,5-Liter, 184 PS • 2,0-Liter-Turbo, 4-Zylinder, 218 PS • 2,0-Liter, 245 PS • 3,0-Liter-Turbo, 6-Zylinder, 306 PS • 1,5-Liter-Diesel, 3-Zylinder, 129 PS • 2,0-Liter-Diesel, 4-Zylinder, 163 PS • 2,0-Liter-Diesel, 184 PS • 2,0-Liter-Diesel, 204 PS.

AMG liefert Power wie der stärkste 1er

In der Bildergalerie: Der BMW i8 fordert den Mercedes SLS AMG heraus.

Ursprünglich wollte Mercedes den A22 AMG mit einem 272 PS starken Hyprex-Kompressormotor ausrüsten. Doch weil der Lader verspätet in Serie geht, hat man sich für eine Biturbo-Zwischenlösung entschieden, die – natürlich rein zufällig – leistungs mäßig mit der Konkurrenz aus München exakt auf Augenhöhe liegt. Mit den alternativen Antrieben ist es hier wie dort so eine Sache. BMW hat seine neue i-Reihe und die Spritspartechnik Efficient Dynamics, plant aber für den 1er keine weiteren Maßnahmen. Bei Verbräuchen von fünf Litern und weniger für den 116i/d steht der Mehraufwand in keinem Verhältnis zum Spareffekt. Allein die Hubraumsenkung vom Vier- zum Dreizylinder reduziert Durst und Emission um rund fünf Prozent. Ein 1er mit E-Antrieb ergibt bestenfalls als Sonderfahrzeug mit entsprechend geringen Stückzahlen Sinn. Mercedes entwickelt dagegen drei Alternativen: das Elektro-Auto (Battery Electric Vehicle), eines mit Reichweitenverlängerer an Bord (Range Extender) und die Brennstoffzelle (Fuel Cell).

Alle drei Optionen benötigen mehr Platz für Zusatztanks und Zusatzantrieb, als in der A-Klasse zur Verfügung steht. Deshalb will man die grüne Technik zunächst nur in der B-Klasse mit Hochdachkarosserie und entsprechend abgeändertem Hinterwagen anbieten. Merke: Evolutionäre Schritte werden zeitnah erledigt, Revolutionen dauern meist etwas länger. Egal ob in München oder in Stuttgart. Die große Revolution steht BMW ohnehin ab 2012 ins Haus, wenn der nächste Mini seine Frontantriebstechnik hausintern weiterreicht – an neue 1er-Versionen, die nicht nur ungewohnt klingen: • den zwei- und viertürigen 1er City, das Gegenstück zum Audi A1 • den 1er GT, der gegen BLK und Q3 antreten soll • und den 1er Touring, der B-Klasse und A3 Sportback im Visier hat. So weit, so mutig. Aber warum soll BMW seine Front- und Hecktriebler gemeinsam als 1er verkaufen? Weil eine mögliche "0er-Reihe" noch schwieriger zu verstehen wäre. Ein echtes Durcheinander, das die Münchener da anrichten. Aber nur bis 2017, wenn auch die anderen 1er vom Hinterrad- auf Vorderradantrieb wechseln. Dann geht der sportliche Wettkampf der Edelmarken in die nächste Runde.
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Früher war alles anders. BMW baute sportliche Autos, die oft seltsam eingekleidet waren. Mercedes setzte auf Komfort und auf konservatives Design. Inzwischen sieht mancher Mercedes schräger aus als sein braves Gegenstück aus München. Und ausgerechnet die Bayerischen Motoren Werke bescheren uns den Dreizylinder, den Einheitshubraum und den Turbo-Vierzylinder als Ersatzdroge für den Reihensechser. Keine Frage: Wo Mercedes stark war, wird die Marke immer stärker. Und in einzelnen Baureihen sportlicher – wie das Beispiel der neuen A-Klasse zeigt. Auch das neue C-Coupé im AMG-Trimm taugt durchaus als M3-Gegner. Doch über die gesamte Modellpalette lässt BMW sich die Butter nicht vom Brot nehmen. Der neue X3 zeigt dem GLK in der Fahrdynamik die Grenzen auf, gegen den 5er hat die E-Klasse das Nachsehen. Zumindest hier stimmen die alten Grundregeln noch.

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