BMW M Power Tour 2009

BMW M Power Tour 2009

— 13.07.2009

Muskelspiele am Ring

Sommer, Sonne, Motorsport: autobild.de-Redakteur Lars Busemann zu Gast bei der BMW M Power Tour auf dem Nürburgring. Immer an seiner Seite: ein BMW M3, der ihn durch Himmel und Hölle begleitete.

Es ist Samstag, früh am Morgen und still an der Nordschleife. Noch. Denn am Streckenabschnitt "Döttinger Höhe" steht die komplette BMW-M-Armada. Wie an einer Perlenkette aufgereiht, warten M3, M5 und M6 auf ihren Einsatz. Neben den Kraftwagen trippeln Menschen über den Asphalt. Ungeduldig und aufgeregt, wie Kinder kurz vor der Bescherung am Heiligabend. Das Adrenalin der Piloten ist förmlich greifbar. Denn in wenigen Minuten dürfen sie ihr sportliches Talent zeigen – auf der berühmtesten Rennstrecke der Welt, der Nürburgring-Nordschleife. Rund vier Stunden Zeit haben die Fahrer, alle M-Modelle ausgiebig zu testen. Immer mit dabei: BMW-Fahrinstruktoren, die zeigen, wie man die Boliden schnell und vor allem sicher durch "Caracciola-Karussel" und "Adenauer Forst" steuert.

Hinter den Instruktoren auf der Suche nach der Ideallinie

Nah an der Ideallinie: Die Teilnehmer folgen den Instruktoren und tasten sich so an die Ideallinie heran.

BMW-Schnellfahrlehrer Fritz Lanio kennt jeden Baum und jeden Strauch entlang der rund 20 Kilometer langen Eifel-Achterbahn und erklärt: "Es geht nicht darum, hier neue Streckenrekorde aufzustellen, sondern das Auto sicher zu beherrschen und gleichzeitig maximalen Fahrspaß zu haben." 73 zum Teil nicht einsehbare Kurven, ein Unterschied von fast 300 Höhenmeter und winzige Auslaufzonen kennzeichnen die berüchtigte Nordschleife. Da ist die Hilfe eines erfahrenen Profis ein Segen. Und so tasten sich die Teilnehmer in den nächsten vier Stunden im Konvoi an die Ideallinie heran und erfahren gleichzeitig, was in Sachen Fahrdynamik in einem BMW mit dem magischen M-Emblem steckt.

Das DSG schaltet schneller, als der Fahrer denken kann

Es geht los. Die ersten Meter auf der Nordschleife im viertürigen BMW M3. Der Tross aus zehn BMW bleibt brav auf der Spur, die Fritz Lanio im weißen M3 Coupé vorgibt. Regel: nicht überholen, die Strecke selbst einsehen, nicht am Vordermann kleben und ans Auto gewöhnen. Kein Problem! Der M3 ist überaus kommunikativ. Der V8 brüllt bis 8400 Touren und presst die Insassen beim Beschleunigen auf der Döttinger Höhe in die Sitze. Hohenrain-Schikane – bremsen, schalten, lenken. Praktisch gleichzeitig. Zum Glück schaltet das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schneller, als der Fahrer denken kann. Die Bremsen würden gefühlt auch einen Jumbo-Jet zum Stehen bringen, die Lenkung vermittelt das Gefühl, als griffen die Hände des Fahrers direkt in den Asphalt. Schon nach der ersten Runde fühlt sich der M3 ähnlich vertraut an wie ein Körperteil. Nicht minder beeindruckend: Wie die Instruktoren vorweg ganz lässig um den Kurs wedeln, nebenbei allen per Funk die Strecke erklären und trotzdem uneinholbar schnell sind.

Wechsel vom M3 in den M5

Nach einigen berauschenden Runden im M3 der erste Fahrzeugwechsel. Umsteigen in einen M5. 507 PS, V10, sequenzielles 7-Gang-Getriebe. Per Power-Taste werden die 400 Standard-PS um 107 Extra-Pferdchen ergänzt. In der elektronischen Dämpfer-Kontrolle programmieren wir den harten Sportmodus. Dem sequenziell-manuellen Getriebe, kurz SMG, zwingen wir die brutalstmögliche Schaltzeit auf. Gangwechsel über Wippen am Lenkrad. Los geht's! Unter der Motorhaube brüllt der Zehnzylinder. Beim Hochschalten haut das Getriebe erbarmungslos die Gänge rein – ein Schlag, der voll im Kreuz landet. Lohn der Leiden: Schalten, ohne vom Gas zu gehen – rauf und runter. Das macht Gangwechsel selbst in schnellen Kurven möglich. Eine sehr sportliche Limousine, da bleibt kein Zweifel. Aber: Der M3 ist ein ganze Portion leichtfüßiger, sein DKG schaltet gänzlich ohne Zugkraftunterbrechung und noch schneller. Auf dem Ring macht er einfach noch mehr Spaß als der M5.

Eher Gran Turismo als Rennmaschine: BMW M6 Cabriolet

Gran Turismo: Auf der Nordschleife fühlt sich das M6 Cabriolet nicht so wohl wie auf der Autobahn.

Nach einer Stunde auf der Nordschleife haben sich alle Teilnehmer warmgefahren. Instruktor Fritz Lanio erhöht das Tempo. Nach dem M5 ist jetzt das BMW M6 Cabrio dran. Mit rund zwei Tonnen Leergewicht das aktuell schwerste aller zur Verfügung stehenden BMW-M-Fahrzeuge. Dank Launch Control legt das M6 Cabrio auf der Döttinger Höhe einen Rennstart hin. Doch in den Kurven im Adenauer Forst spürt man deutlich das hohe Gewicht. In schnell gefahrenen Kurven schiebt das Cabrio etwas über die Vorderräder, der Schleuderverhinderer DSC hat gut zu tun. Kein Vergleich zum über 300 Kilogramm leichteren M3, der wieselflink ums Eck tänzelt.

Achterbahnfahrt: Im M5-Renntaxi über die Nordschleife

Mit einem M5-Renntaxi ging es am Ende über die Nordschleife – im Tiefflug!

Als alle M3, M5 und M6 am frühen Abend leise knisternd auf dem Parkplatz abgestellt werden, haben die M-Power-Teilnehmer zahllose schnelle Runden in den Eifel-Asphalt gebrannt. Was wirklich in den BMW-M-Fahrzeugen steckt, zeigen die anschließenden Fahrten im BMW-Renntaxi. Nicht nur der BMW M5, sondern auch die brandneuen und noch nicht auf dem Markt erhältlichen BMW X5 M und BMW X6 M werden von Nordschleifen-Profis über die Strecke gescheucht. Am Ende steht den Teilnehmern die Freude am Fahren ins Gesicht geschrieben. Einziger Haken: Keiner der M-Boliden darf mit nach Hause. Auch der M3 nicht. Ein Jammer.
Lars Busemann

Lars Busemann

Fazit

Das "M" steht für Motorsport – das ist kein Marketing-Gag. Vor allem der BMW M3 ist eine Fahrmaschine reinsten Wassers, mit sehr präzisem Handling, perfekt abgestimmtem Fahrwerk und einem gierig antretenden Hochdrehzahl-V8. Trotzdem ist er keine unbeherrschbare wilde Bestie, sondern auch ein angenehmer Reisepartner, der die lässige Seite so gut beherrscht wie die sportliche. Doch Vorsicht: Eine Runde mit dem M3 auf der Nordschleife kann abhängig machen.

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