BMW M3 gestern und heute

BMW M3 gestern und heute

— 05.11.2007

Gipfeltreffen der Generationen

BMW M3. Vier Buchstaben, eine Ziffer. Und doch so viel mehr. Seit 21 Jahren begeistern die sportlichen BMW Jung und Alt, aktuell in der vierten Generation. AUTO BILD SPORTSCARS hat den neuen M3 gegen seine drei Vorgnger antreten lassen.

Die Fe scharren ungeduldig unter dem Schreibtisch, der Kopf sehnt den Feierabend herbei. Es fllt schwer, sich auf etwas anderes zu konzentrieren als auf die Planung der verlngerten Dienstfahrt. Mehr kurvige Landstraen oder doch lieber ein langes Stck unlimitierte Autobahn? Auf keinen Fall den langen Tunnel vergessen. Es gibt nicht viele Autos, die eine derartige Lust aufs Autofahren wecken wie ein BMW M3. Und das seit 21 Jahren. Damals, im Jahr 1986, prsentierten die Bayerischen Motoren-Werke den ersten M3 auf Basis des BMW E30. Und schufen damit einen automobilen Mythos, der jetzt in der vierten Generation seinen vorlufigen Hhepunkt erreicht. Fr uns Grund genug, den Neuen mit seinen Vorfahren zu vergleichen. Nicht auf dem Papier, sondern auf Asphalt. Von Mnchen aus ging es ber Autobahnen und Landstraen dorthin, wo sich bei einem AUTO BILD SPORTSCARS-Test die Spreu vom Weizen trennt. Auf die Rennstrecke von Oschersleben bei Magdeburg. Doch dazu spter mehr.

Der erste M3 kam mit vier Zylindern und 200 PS aus

Kommen wir zurck zum neuen M3 mit der internen Typenbezeichnung E92. Erstmals mit einem V8-Motor ausgestattet, leistet der jngste Spro der M-Familie 420 PS. Und damit mehr als doppelt so viel wie sein Urahn, der M3 E30. Dem reichten 1986 2,3 Liter Hubraum und vier Zylinder fr 200 PS. Ohne Kat. Unser Testwagen aus dem Jahr 1987 rollte jedoch abgasgereinigt aus dem Museum und leistete somit 195 PS. Der Faszination tut das keinen Abbruch. Die kantige Form des E30, die ausgestellten Kotflgel und sein groer Heckspoiler machen den ersten M3 zu einem rollenden Denkmal der 80er-Jahre. Das Cockpit ist dabei auch aus heutiger Sicht noch ein Vorbild fr fahrerorientierte Ergonomie. Die Mittelkonsole ist zum Fahrer hin angewinkelt, alle Tasten erklren sich von selbst. Warum, liebe Mnchener, habt ihr damit eigentlich aufgehrt? Ein Dreh am Zndschlssel lsst alle iDrive-Sorgen vergessen. Ohne zu murren, springt der Vierzylinder an und fllt in einen rauen Leerlauf, dessen Gerusch ein Lcheln ins Gesicht zaubert. Behutsam warmgefahren, erreicht der E30 auf der Autobahn ohne Probleme Geschwindigkeiten ber 200 km/h, das Drehzahllimit von knapp 7300 Umdrehungen lassen wir dabei aus Respekt vor dem Alter unberhrt.

Der E36 ist immer noch der unaufflligste M3

Auf der Rennstrecke zeigt der M3 dann das, was die Fahrt dorthin bereits erahnen lie. Dank seines ausgewogenen Fahrwerks, der zielgenauen Lenkung und des knackigen Fnfgang-Sportgetriebes (erster Gang hinten links) lsst sich der E30 wunderbar ber die Rennstrecke zirkeln. Das Rhren des Vierzylinders verursacht beim Piloten dabei eine Art Dauer-Gnsehaut. Am Ende erreicht der E30-M3 eine Rundenzeit von 1:58,90 min. Sechs Jahre nach dem ersten M3 prsentierte BMW die zweite M3-Generation. 1992 wie heute nur an optischen Details wie der genderten Front- und Heckschrze sowie den aerodynamischen Auenspiegeln zu erkennen, ist der E36 immer noch der unaufflligste M3. Von auen. Denn unter die Motorhaube pflanzten die M-Techniker ein Aggregat, das Porsche-Fahrern das Frchten lehrte. 3,0 Liter Hubraum und 286 PS waren damals eine Sensation und reichten aus, um den Sprint von 0 auf 100 km/h in gerade einmal 5,5 Sekunden hinzulegen. Noch beeindruckender: der Druck, den der Motor ab 120 km/h im fnften Gang entwickelt. Wie man es sonst nur von Turbo-Aggregaten kennt, schiebt der M3 mhelos in Geschwindigkeitsbereiche jenseits der Richtgeschwindigkeit, um schlielich bei 250 km/h den elektronischen Riegel vorgeschoben zu bekommen.

Der Fahreindruck ist dabei im Straenverkehr recht komfortabel. Trotz des Sportfahrwerks rollt der E36 passabel ber west- und ostdeutsche Schlaglcher ab und liegt selbst bei hohen Geschwindigkeiten satt auf der Strae. Der typische sonore Klang des Reihensechsers ist dabei immer prgnant, aber nie aufdringlich. Doch wehe, es geht auf die Rennstrecke. Hier ist es schnell vorbei mit der Ruhe. Ausgeprgte Lastwechselreaktionen erfordern einen Profi am Steuer, soll die schnelle Runde nicht in einem Dreher enden. Zudem lie die Lenkung in unserem M3 mit riesigem Airbaglenkrad im Vergleich zum E30 deutlich an Rckmeldung missen. Am Ende ist der E36 mit einer Rundenzeit von 1:53,40 min dann aber doch alles andere als langsam unterwegs. Besonders, wenn man die Zeit mit der der dritten M3-Generation vergleicht. Obwohl der E46 57 PS mehr hat, liegt die Rundenzeit mit 1:52,30 nur etwas mehr als eine Sekunde unter der des E36.

Im E46 arbeitet der vielfach ausgezeichnete Reihensechser

Die vielen Extras unseres bis auf das SMG-Getriebe vollausgestatteten E46 drcken aufs Gewicht und damit auf die Zeit. Dennoch ist der bis zum letzten Jahr gebaute M3 E46 immer noch ein ganz heies Eisen. Was neben seiner schnen Form und dem modernen Technikpaket ganz klar an einem der besten Motoren aller Zeiten liegt. Ganze sechs Mal in Folge gewann der 3,2 Liter groe Reihensechszylinder mit 343 PS den internationalen Motorpreis "engine of the year". Die Klangmischung aus metallischem Ansaug- und sgendem Abgasgerusch ist schlichtweg atemberaubend, die Gasannahme erinnert an einen Rennmotor. Das Handling des E46 ist im Vergleich zu seinen beiden Vorgngern direkter und deutlich narrensicherer als das des E36. Dennoch schaukelt sich der M3 in der Schikane im dritten Oschersleben-Sektor kurz auf und verliert hier eine Hundertstelsekunde auf seinen Vorgnger.

Sportwagen-Evolution, Teil vier: Der aktuelle M3 ist eine Hightech-Maschine mit brutalem V8.

Kommen wir zum jngsten M3, dem E92. Sein 4,0 Liter groer Achtzylinder leistet wie anfangs erwhnt 420 PS. Und setzt dem Hochdrehzahlkonzept der M GmbH eine neue Krone auf. Mit maximal 8400 Umdrehungen ist er der hchstdrehende Serienmotor, den BMW je gebaut hat (E30: 7280 Touren, E36: 7280 Touren, E46: 8000 Touren). Auch der Rest des im Vergleich zum E30 riesig wirkenden Coups geizt nicht mit Hightech. So hat man gegen 520 Euro Aufpreis die Mglichkeit, Motor, DSC (ESP) und Servolenkung auf den persnlichen Geschmack abzustimmen. Fr weitere 1900 Euro lsst sich auch das Fahrwerk per Knopfdruck einstellen. Ob so viel technischer Spieltrieb die sprichwrtliche Freude am Fahren verstrkt, sei mal dahingestellt. Sicher ist jedoch, dass der neue M3 bestialisch gut klingt. V8-untypisch blubbert der Motor nicht, er brllt. Heiser, sprotzig, herrlich schmutzig. Und er macht den E92 dabei sauschnell. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h ist in gerade einmal 4,9 Sekunden erledigt. Wie immer ist die Hchstgeschwindigkeit ab Werk auf 250 km/h begrenzt; wer jedoch 2450 Euro fr das M Drivers Package zahlt (Fahrerlehrgang inklusive), darf mit seinem M3 280 km/h schnell fahren. Unser Testwagen musste ohne diese Erweiterung auskommen, was sich in Oschersleben jedoch nicht auf die Rundenzeit auswirkte. Mit 1:47,20 min unterbietet der E92 die Zeit seines Vorgngers deutlich.

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Lars Zhlke

Einen klaren Sieger kann es bei diesem Vergleich nicht geben. Dafr sind alle vier M3-Generationen zu faszinierend jede fr sich auf ihre eigene Art. Und in der Gruppe. Trotz oder gerade wegen des Altersunterschiedes von bis zu 21 Jahren.
Technische Daten* M3 E30 / Bj. 1987 M3 E36 / Bj. 1992 M3 E46 / Bj. 2001 M3 E92 / Bj. 2007
Motor R4 R6 R6 V8
Einbaulage vorn längs vorn längs vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/4
Hubraum 2302 cm³ 2990 cm³ 3246 cm³ 3999 cm³
kW (PS) bei 1/min 143 (195)/6750 210 (286)/7000 252 (343)/7900 309 (420)/8300
Literleistung 85 PS/Liter 96 PS/Liter 106 PS/Liter 105 PS/Liter
Nm bei 1/min 230/4750 320/3600 365/4900 400/3900
Antriebsart Hinterrad Hinterrad Hinterrad Hinterrad
Getriebe 5-Gang manuell 6-Gang manuell 6-Gang manuell 6-Gang manuell
Bremsen vorn 280 mm/innenbel. 315 mm/innenbel. 325 mm/innenbel./gelocht 360 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 282 mm 313 mm/innenbel. 328 mm/innenbel./gelocht 350 mm/innenbel./gelocht
Radgröße vorn / hinten 7J x15 7,5J x17 8J x 18 / 9J x18 8,5J x 18 / 9,5J x18
Reifen vorn / hinten 205/55 VR 15 235/40 ZR 17 225/45ZR18 / 255/40ZR18 245/40ZR18 / 265/40ZR18
Reifentyp Pirelli P6000 Michelin Pilot Sport Michelin Pilot Sport Michelin Pilot Sport
Länge/Breite/Höhe 4345/1680/1365 mm 4433/1710/1335 mm 4492/1780/1372 mm 4615/1804/1424 mm
Radstand 2562 mm 2700 mm 2731 mm 2761 mm
Leergewicht/Zuladung 1200 kg 1)/400 kg 1460 kg 1)/470 kg 1555 kg 1)/505 kg 1635 kg1)/500 kg
Leistungsgewicht 6,1kg/PS 5,1kg/PS 4,5 kg/PS 3,9 kg/PS
Tankinhalt 70 l 3) 65 l 63 l 63 l
Testverbrauch Ø auf 100 km 12,8 l Super 1) 14,2 l Super Plus 1) 12,4 l Super Plus 1) 13,2 l Super Plus 1)
Beschleunigung von 0–100 km/h 6,8 s 1) 5,5 s 1) 5,7 s 1) 4,9 s 1)
Höchstgeschwindigkeit 232 km/h 1) 250 km/h 2) 250 km/h 2) 250 km/h 2)
Serienfahrzeug ohne Extras 31.189 Euro (61.000 DM) 40.903 Euro (80.000 DM) 51.129 Euro (100.000DM) 66.650 Euro
Werksangaben, 1) AUTO BILD-Messwerte, 2) elektronisch begrenzt, 3) inkl. 15 Liter Reserve

Autor: Lars Zhlke

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