BMW M3 GTS/Porsche 911 GT3 RS: Vergleich

— 09.08.2010

Supersportler rocken den Nürburgring

Mit riesigem Heckgeweih war der Porsche 911 GT3 RS bislang König im Ring. Nun beflügelt auch BMW den M3, senkt sein Gewicht und treibt die Leistung hoch. Kann er den Elfer packen?

Die Kampfansage leuchtet orange. Feuerorange, um genau zu sein: Colorcode U 94. Die Jungs in der Lackiererei können also schon mal den richtigen Farbton anrühren. Jede Wette: Demnächst werden vermehrt aufgemotzte BMW in Feuerorange nicht nur durchs Ruhrgebiet rollen. Denn die Fans der weiß-blauen Marke haben einen neuen Götzen, einen neuen König von Bayern, einen absoluten Ober-3er. Mit dem M3 GTS bringt BMW einen Gegner des Porsche 911 GT3 RS in Stellung. Leichter, schneller, teurer, auffälliger, in jeder Beziehung extremer – das ist die Masche, mit der die Stuttgarter die Elfer-Idee auf die Spitze treiben und mit der jetzt auch BMW seinen 3er zum straßentauglichen Rennwagen hochdopt. Wer bei 450 PS den Zufall verantwortlich macht, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Fakt ist: Der BMW hat exakt die gleiche Leistung wie der Porsche und befeuert damit nicht nur die Hinterräder, sondern auch den Stammtisch.

Überblick: Alle News und Tests zum Porsche 911 GT3

Was ist denn nun schneller? Front- oder Heckmotor? V8 oder Boxer-Sechszylinder? Doppelkupplung oder Handschaltung? M3 oder 911? Ein Kampf der Systeme. Das System BMW setzt auf eine Hubverlängerung der acht Zylinder, sodass aus dem Vierliter- ein 4,4-Liter-Motor wird. Dazu kommen veredelte Motorinnereien, ergänzt durch bessere Aerodynamik und Leichtbau. Außerdem liegt die Karosserie tiefer, trägt Gewindefahrwerk und verfügt über einen starr verschraubten Hinterachsträger, Überrollkäfig statt Rücksitzen sowie breitere Räder. Einem waschechten Renntourenwagen kommt der M3 GTS ziemlich nah, und spätestens wenn der Startknopf gedrückt wird, dürften Porsche-Fahrer die Ohren spitzen. Was für ein Sound! Im Stand wummert, röhrt und dröhnt der Achtzylinder derart voluminös, dass er den Porsche übertönt. Eingeschüchtert schnattert der Boxer vor sich hin. Untermalt vom Rasseln des Einmassenschwungrads, klingt er dünn und kaputt. Zum Glück kann der Elfer auch anders.

Überblick: Alle News und Test zum BMW M3

Aber der Reihe nach. Entschlossen stürmt der scharfgemachte M3 auf die Piste und liegt, wie ein Wettbewerbsauto liegen muss: satt, ruhig, neutral und mit präzisem Lenkverhalten. Auch ohne elektronische Unterstützung bleibt das Geschoss beherrschbar. Gut so. Fast 137.000 Euro wirft man schließlich ungern in die Botanik. Allerdings könnten fortgeschrittene Lenkradartisten die mangelhafte Beweglichkeit des GTS kritisieren. Von einem hilfreichen Eindrehen in Kurven durch Lastwechsel keine Spur. Im Grenzbereich neigt der BMW zum Untersteuern, was bei automobilen Grenzgängern etwa so beliebt ist wie bei Sumo-Ringern das Kunstturnen. Sein sechszylindriger Vorgänger – der M3 CSL von 2003 (E46) – hat ihm nicht nur ein Mindergewicht von über 100 Kilo voraus, sondern auch die fast profillosen Cup-Reifen. Damit war der CSL auf einigen Strecken sogar schneller als der damalige 911 GT3 (996) – eine Sensation. An die möchte BMW heute natürlich mit seinem Sportgerät anknüpfen.

Blitzschnell wechselt das Getrag-Doppelkupplungsgetriebe (DKG) die sieben Gänge – perfekt für Straße und Piste. Die gegenüber dem Serien-M3 deutlich vergrößerte Festsattelbremse wirkt äußerst bissig und standfest. Doch die Leichtigkeit einer puren Pistensau geht dem BMW leider ab. Mit einem Leergewicht von 1538 Kilo ist er fast 140 Kilo schwerer als der Porsche. BMW prahlt mit einem großen Anteil Handarbeit, doch wer genau schaut, entdeckt am GTS Details aus dem normalen Großserien-3er wie Innenraumleuchten im vergitterten Fond, Schlitze für Gepäckträger im Kohlefaserdach und funktionslose Lenkradtasten. All das fördert den Eindruck, dass es sich bei diesem Super-M3 um ein Modell aus dem Tuning-Katalog handelt. Trotz Leichtbaus fühlt er sich in Kurven einen Tick zu schwerfällig an. Am Motor liegt das nicht. Im Gegenteil: Wirkt bereits der normale M3 stellenweise übermotorisiert, hat sich diese Tendenz weiter verstärkt. Beim Beschleunigen aus Kurven kriegt er seine Kraft nur mühsam auf den Boden. Schwänzelnd schießt er auf die Geraden und setzt seine 450 PS weniger effektiv in Vortrieb um, als das der Porsche kann.

Auf dem Handlingparcours ist der BMW M3 GTS chancenlos

Keine Chance auf derm Handlingkurs: Der Porsche fährt dem BMW davon.

Keine Chance auf derm Handlingkurs: Der Porsche fährt dem BMW davon.

Der stemmt sich nämlich unnachahmlich auf seine 325er-Hinterreifen und drückt sich mit schierer Urgewalt von Kurve zu Kurve. Im Elfer kann der Pilot noch später bremsen, anschließend fällt der RS willig in jede Biegung, liegt noch satter und lässt sich superpräzise dirigieren. Und dann dieser Sound: Ein Heldentenor ist nichts dagegen. Die Entschädigung fürs maue Standgas-Geräusch erfolgt ab 4000 U/min. Dann öffnet der kurzhubige 3,8-Liter-Boxer (der normale Carrera S hat mehr Hub, weniger Bohrung) alle Schleusen und bläst wie ein Fanfarenchor zur Attacke auf den bayrischen Burgherrn. Mit Erfolg. Die AUTO BILD-Handlingstrecke umkreist der Porsche fast zwei Sekunden schneller als der BMW. Mit anderen Worten: Der GTS hat keine Chance. Selbst mit den konsequenteren Cup-Reifen würde er den schärfsten aller 911 mit Saugmotor nicht kriegen. Ganz klar: Der GT3 RS ist näher am Renn- als am Straßen-Elfer. Kaum Dämmung, dafür aber riesige Räder, die ein permanentes Grundrauschen schaffen, das auf Dauer Ohrstöpsel unvermeidbar macht.

Weitere Details zu Porsche 911 GT3 RS und BMW M3 GTS finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten BMW Porsche
Motor V8, vorn längs Sechszylinder-Boxer, hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 4361 cm³ 3797 cm³
kW (PS) bei 1/min 331 (450)/8300 331 (450)/7900
Nm bei 1/min 440/3750 430/6750
Vmax 305 km/h 310 km/h
Getriebe Siebengang-DKG Sechsgang manuell
Antrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Reifenhersteller Pirelli P Zero Corsa Michelin Pilot Sport Cup
Testwagenbereifung 255/35 – 285/30 ZR 19 Y 245/35 – 325/30 ZR 19 Y
Radgröße 9,0 – 10,0 x 19" 9,0 – 12,0 x 19"
Abgas CO2 295 g/km 309 g/km
Verbrauch* 18,4/9,3/12,7 l 19,4/9,6/13,2 l
Tankinhalt 63 l/Super plus 67 l/Super plus
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 75 dB (A)
Kofferraumvolumen 430 l 105 l
Preis (wird bewertet) 136.850 Euro 162.138 Euro**
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** inklusive Keramikbremsanlage für 8711 € und Leichtbauschalensitze für 4701 €
Messwerte BMW Porsche
Beschleunigung
0–100 km/h 4,6 s 3,7 s
0–130 km/h 6,8 s 5,7 s
0–200 km/h 14,3 s 12,3 s
Elastizität
60–100 km/h 3,4/4,4 s (4./5. Gang) 4,0/5,3 s (4./5. Gang)
80–120 km/h 4,3/5,0 s (5./6. Gang) 5,1/7,0 s (5./6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1538/342 kg 1400/280 kg
Gewichtsverteilung v./h. 52/48 % 38/62 %
Wendekreis links/rechts 11,5/11,9 m 11,2/11,2 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 34,3 m 32,2 m
aus 100 km/h warm 32,8 m 32,0 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 68 dB (A) 68 dB (A)
bei 100 km/h 73 dB (A) 75 dB (A)
bei 130 km/h 76 dB (A) 79 dB (A)
Testverbrauch – CO2 14,5 l SP – 343 g/km 14,1 l SP – 333 g/km
Reichweite 430 km 470 km
Jörg Maltzan

Jörg Maltzan

Fazit

Meine Freunde waren völlig aus dem Häuschen: "Du hast den absoluten Traumjob", meinten sie angesichts der Testkandidaten. Stimmt! M3 GTS wie 911 GT3 RS markieren eine einsame Spitze beim Bau supersportlicher Autos. Mehr Fahrspaß findet sich ganz selten. Beim Faszinationspotenzial kriegen beide von mir eine Eins plus. Und doch gibt es Unterschiede. Am sichtbarsten ist der Preisvorteil für den BMW. Rund 25.000 Euro günstiger als der Porsche, bietet er fast dessen Fahrleistungen. Aber eben nur fast. In vielen Nuancen bleibt der Elfer das dynamischere, konsequentere, schnellere Auto. 

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Kommentare zum Artikel (57)

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otto
15.08.2010, 12:39Uhr

@ E39: zum Thema Konzeptvergleich: der 3er kann locker so schnell sein als ein GT3. Der 996 GT3 wurde vom CSL richtig platt gemacht (7:50 für den CSL (sorry hatte mich vertan keine 7:40) vs 8:03 für den GT3). Allerdings hat sich Porsche seit dem konsequent der Weiterentwicklung des GT3 gewidmet. Man hat den Eindruck dass BMW mittlerweile zu sportliche Autos etwas peinlich sind.

otto
15.08.2010, 12:29Uhr

@E39: Du hast recht, der R8 ist nicht so die Sportskanone. Aber: wo ist denn der Fortschritt von BMW, wenn der GTS NUR ähnlich schnell ist wie der CSL (damals war die 7:40 eine echte Sensation)? Oder noch schlimmer langsamer? Freude am Rückschritt? Ich habe den Eindruck das BMW das Thema echte Sportwagen in letzter Zeit nicht mehr so ernst angeht wie früher ("schwerer M3", X5 M etc.)

Bluce
13.08.2010, 11:42Uhr

Das E-Coupe müsste wenn schon, dann eher mit einem fiktivem 5er-Coupe verglichen werden.

Alle 4 Fahrzeuge sind im übrigen KEINE direkte Konkurrenz des M3 GTS und können daher auch nicht mit ihm verglichen werden... das wäre überspitzt gesagt so, als würde ich einen SLS GT3 gegen einen normalen M3 antreten lassen und mich dann beeindruckt zeigen, weil dieser den M3 "deklassiert".

Bluce
13.08.2010, 11:42Uhr

C-Klasse - schau dir mal die Durchzugswerte an, von "deklassieren" kann hier keine Rede sein und insbesondere hier punktet der Benz ggü. dem M3 ordentlich. Auf einem engen Rundkurz mag das auf Grund der Präzission des 3er anders aussehen - Spass machen aber beide und mit Sicherheit auch die Audis.

E-KlasseCoupe ist eben KEINE direkte Konkurrenz des BMW M3 - er baut zwar auf einer verlängerten Version der C-Klasse Plattform auf, will mit der C-Klasse aber sonst auf Grund der Ausstattung und Dämmung etc. nichts weiter zu tun haben.

Bluce
13.08.2010, 11:40Uhr

@E39
"Trotzdem ist faszinierend was BMW aus dem Großserien 3er macht und die direkte Konkurrenz deklassiert (AudiA4/A5,Mercedes C-Klasse/E Coupe) BMW zeigt damit auch die sehr guten Ausgangsgene der 3er Reihe."

Zum Vergleich mit dem M3 (direkte Konkurrenz):
A4/A5 - wundert mich nicht und ich denke die Gründe wurden hier auf den AB Kommentaren schon zur genüge diskutiert.

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