BMW M3 von Andreas Arthursson

BMW M3 (E30) von Andreas Arthursson BMW M3 (E30) von Andreas Arthursson

BMW M3 von Andreas Arthursson

— 06.09.2006

975 PS!

Wer für Viertelmeilen-Pisten als zu schnell eingestuft wird und noch bei 200 km/h fetteste Burnouts in die Straße brennt, kann sich über mangelnde Power wohl kaum beklagen. In Schweden gelten aber andere Gesetze. 1000 PS sind die Messlatte, an der sich zahlreiche Tuner und Bastler orientieren.

Mit qualmenden Mickey-Thompson-Slicks donnert der blaue BMW vorbei; ein hochdrehendes, reihensechszylindriges Kreischen, wie es nur Motoren der M GmbH beherrschen, beschallt dabei die grüne schwedische Landschaft. Etwas weiter hinten dokumentiert eine große Zeitanzeige den rollenden Wahnsinn in nüchternen Zahlen: 10,53 Sekunden bei 220 km/h für die Viertelmeile. Ein sichtbar zufriedener Besitzer steigt aus dem knisternd abkühlenden Geschoss. "Dafür, dass ich die ersten 200 Meter kaum Traktion hatte, ist die Zeit gar nicht schlecht", summiert Andreas Arthursson.

Am Morgen war der Schwede nicht ganz so gut gelaunt. Beim vorangegangenen Drag-Event wurde er der Strecke verwiesen, weil er über 240 km/h erreicht hatte. Normalerweise brauchen solch schnelle Dragster einen Brems-Fallschirm. Den will Andy aber nicht anbauen, schließlich soll sein M3 nach wie vor straßentauglich bleiben.

MOTOR


Raus aus dem M5, rauf mit der Leistung: Hier toben 975 Rennpferde.

Schon der Sound hat es angekündigt, ein Blick unter die Haube liefert die Bestätigung: Der kleine 200 PS starke Vierzylinder-Schreihals ist aus dem M3-Motorraum herausgenommen worden. Stattdessen sorgt nun das heisere 3,8 Liter große Aggregat aus dem 340-PS-M5 (E34) für Vortrieb. Andy und sein Kumpel Andreas Bäckström haben schon in der Vergangenheit für atemberaubende Leistungssteigerungen beim E30-BMW gesorgt, doch dieses Projekt hat ihnen ihr ganzes Aufladungs-Know-how abverlangt.

Ein mächtiger Precision-PT76-Lader setzt den deutschen Reihensechser gehörig unter Druck. Dazu sorgen das 60 Millimeter große Wastegate und ein 75-Millimeter-Blow-off-Ventil für angenehmes Arbeitsklima. Geschmiedete Pleuel und Kolben, überbreite Kühler sowie ein keramikbeschichteter Krümmer trotzen der brodelnden Hitze,

Zu schnell für die Viertelmeile – und dabei so unscheinbar!

die von 975 feurigen Rennpferden abgestrahlt wird. Schon mit handelsüblichem Super Plus und zivilen 1,5 Bar Ladedruck liegen 800 PS an, genug für den Alltag. Rennbenzin und 0,5 Bar rufen dann die zusätzliche Leistung ab. Ab 3500 Umdrehungen gibt es kein Halten mehr für die sonst als unglaublich griffig bekannten Mickey-Thompson-Slickreifen, das bayerische Coupé schlingert mit dem Heck wild über die Straße. Selbst der Tacho hinkt hoffnungslos hinterher. Die stressige Aufgabe der Kraftübertragung meistert ein Sechsgang-Schalter aus einem Chevrolet Camaro samt maßgeschneiderter Antriebswelle, Tilton-Zweischeiben-Kupplung und spezieller Kupplungsglocke.

CHASSIS

Kräftiger Stopper: Vier Kolben beißen auf 325-mm-Scheiben.

Bei so viel Leistung ein lebenswichtiges Muss: starke Bremsen. Kräftige Vierkolben-Stopper von Brembo mit 325-Millimeter-Scheiben bemühen sich an der Vorderachse, das Temperament des gedopten Nordlichts im Zaum zu halten. Hinter den 19 Zoll großen Hamann-Rädern sehen sie allerdings etwas schmächtig aus. Andy überlegt, im kommenden Winter auf 380 Millimeter große Discs umzurüsten. Er will nämlich auch weiterhin auf einen riesen-großen Verzögerungs-Fallschirm verzichten. Dazu saugen den BMW FK-Federn, eine hintere Domstrebe sowie der Suspension-Technologies- Stabilisator-Kit am Asphalt fest. Wegen des Motorumbaus muss Andy noch eine vordere Domstrebe einzeln anfertigen.

STYLING

Fast schon schüchtern

Ganz Racer: Sparco-Schalen halten fest, Ablenkung gibt's nicht.

kommt der im AMG-Blau lackierte 3er rüber, zumindest angesichts seiner Leistung. Andy ist aber beim Styling einen sehr dezenten Weg gegangen. Vorne schützt ein M3-Evo-2-Frontsplitter die Schnauze vor Auftrieb, hinten macht das ein nachgebauter M3-Evo-Carbonspoiler. Dazu wurden die Radläufe verbreitert, um ein geräumiges Zuhause für die 19-Zöller zu schaffen. Innen herrscht schlichte Wettbewerbs-Atmosphäre. Sparco-Schalen und eine leergeräumte Hinterbank samt Käfig steigern Fahrfreude und Stabilität gleichermaßen. So gewappnet kann man sich ungestört der 975-PS-Flutwelle hingeben.

Autor: Frank Wiesmann

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