BMW M4 MotoGP Pace Car: Fahrbericht

BMW M4 MotoGP Pace Car (2015): Fahrbericht

— 08.06.2015

Wasser marsch im BMW M4!

Dieser BMW M4 ist das Pace Car der MotoGP und hat dank Wassereinspritzung einige Extra-PS. Wie sich der Wasserkraft-M4 fährt, klärt der Fahrbericht!

Die Autofahrer in Europa haben keinerlei Lust auf alternative Antriebe, wollen aber trotzdem ebenso sportlich wie sparsam unterwegs sein. BMW holt deshalb eine Uralt-Technik aus der Motorsportschublade, haucht ihr neues Leben ein und will diese in den nächsten Jahren in Serie bringen. Wie sich das Ganze fährt, haben wir im Pace Car der Moto GP schon einmal gestestet.
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Nicht verwirren lassen: In dem Behälter befindet sich kein Wischwasser, sondern Wasser für die Einspritzung.

©Uwe Fischer

Der rabenschwarze BMW M4 im Darth-Vader-Look und mit LED-Orgie an Front sowie auf dem Dach versteckt unter dem Kofferraumboden einen fünf Liter großen Wassertank. "Im normalen Fahrbetrieb müsste der Tank bei rund jedem fünften Tankstopp mit destilliertem Wasser gefüllt werden", erklärt Franciscus van Meel, Chef der BMW M GmbH. "Die Wassereinspritzung ist ein System zur Leistungssteigerung und Verbrauchsminimierung von Verbrennungsmotoren. Erstmals setzen wir diese Technologie im BMW M4 MotoGP Safety Car der Saison 2015 ein." Keine Zusatzbatterie, kein 48-Volt-Booster, kein Zusatzkraftpaket – schlicht Wasser.

BMW M4 MotoGP Safety Car: 2015

BMW M4 MotoGP Safety Car BMW M4 Motor Wassereinspritzung: Technsiche Illustration
Auf dem beschaulichen Salzburgring zeigt sich jedoch schnell, dass Wasser weit mehr kann, als nur Feuer oder Durst löschen. Es geht im nachgeschärften BMW M4 aus der Boxengasse heraus noch ganz normal mit Normaldampf bis zur schnellen Rechts-Links-Schikane und dann weiter bis zur Nockstein Kurve. Beim Herausbeschleunigen heißt es für den doppelt aufgeladenen Reihensechszylinder mit seinen drei Litern Hubraum dann jedoch erstmals spürbar "Wasser marsch".

In hohen Drehzahlbereichen ist der M4 elastischer

Sportliches Cockpit, nah an der Serienversion des M4. Carbon überall.

©Uwe Fischer

"Das Wasser wird ab 5500 U/min in den Ansaugtrakt eingesprüht", erklärt van Meel, "die Temperatur wird so gesenkt und der Motor dreht freier und leichter hoch, mit 0,2 bar mehr Ladedruck." Heißt: Die Wassereinspritzung durch drei kleine Düsen in den Luftsammler sorgt ebenso wie der Ladeluftkühler für eine niedrigere Abgastemperatur und somit ein letztlich potenteres Gemisch für die anstehende Verbrennung. Nicht, dass dem 431 PS starke Serien-M4 sonst die Schwächlichkeit allzu breit auf der Brust stehen würde, doch gerade in den hohen Drehzahlbereichen geht er nunmehr nennenswert elastischer zur Sache. Kein wilder Boost, kein brachialer Schub, aber eben das gewisse Etwas mehr an Leistung und Drehfreude.

BMW M4/Ford Mustang/Lexus RC F: Vergleich

BMW M4 Ford Mustang GT Lexus RC F TVD BMW M4 Ford Mustang GT Lexus RC F TVD BMW M4 Ford Mustang GT Lexus RC F TVD
"Die Wassereinspritzung bringt zehn Prozent mehr Leistung", sagt van Meel, "je nach Einstellung der Motorsteuerung und des Ladedrucks auch mehr." Bedeutet, dass die 431 Serien-PS locker auf 500 PS zu bringen wären, und damit hätte der BMW M4 sein schmerzhaftes Leistungsdefizit zum Hauptkonkurrenten Mercedes C 63 AMG ausgeglichen. Der Schwabe ist mit dem modifizierten V8-Triebwerk des AMG GT derzeit 510 PS und 700 Nm stark und dreht dem Bayern eine schmerzhafte Nase. Doch es geht nicht nur um das reine Leistungsplus. Die Wassereinspritzung wirkt zudem der Klopfneigung des Motors entgegen, die dadurch entsteht, dass Kraftstoff unkontrolliert verbrennt.

Bei gleicher Leistung acht Prozent weniger Verbrauch

Zehn Prozent mehr Leistung bringt die Wassereinspritzung beim M4.

©Uwe Fischer

Ehemals wurde Renn- und Rallyefahrzeugen per Wasserzuführung ein kraftvoller Odem eingehaucht. Auch Fahrzeughersteller wie Saab oder Fiat experimentierten bei Saab 99 und Uno Turbo i.e. einst mit der Wassertechnik zur Temperatursenkung der Turboluftzufuhr. "Bleibt die Motorleistung bei einem Fahrzeug gleich, würde sich der Verbrauch um bis zu acht Prozent minimieren", sagt M-Chef Franciscus van Meel. Zudem könnte man Kraftstoffe mit einer niedrigeren Oktanzahl fahren. Die Wassereinspritzung als Öko-Komponente in den Markt zu bringen, würde diese wohl endgültig zum Rohrkrepierer machen und wieder in verstaubte Schubladen schicken.

Wahrscheinlicher scheint, dass die M GmbH dem normalem BMW M3/M4 im Rahmen einer Sonderedition per Wasserstrahl eine Leistungsspritze verabreichen möchte. Schließlich kommt bald auch der neue Audi RS4. Und auch der dürfte ebenfalls deutlich mehr als 450 PS haben. Da kommt den Garchinger M-Tüftlern die Wiederbelebung der technischen Innovation gerade recht.

Autor: Stefan Grundhoff

Fotos: Uwe Fischer

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