BMW M5 (F10): Sitzprobe

Sitzprobe BMW M5 F10 (IAA 2011) Sitzprobe BMW M5 F10 (IAA 2011)

BMW M5 (F10): Sitzprobe

— 24.06.2011

M verpflichtet

Neuer Motor, neuer Look, neue Technik, neuer Preis – aber alte Liebe: autobild.de-Redakteur Jochen Knecht zu Besuch beim frisch vorgestellten BMW M5.

Amerikaner, die vor Begeisterung unter das Auto krabbeln, Franzosen die zärtlich über die M-Kiemen streicheln, Italiener die stundenlang über die Auspuffanlage diskutieren und Japaner, die akribisch die Radaufhängung dokumentieren. Wenn BMW eine neue Generation des BMW M5 ins Rampenlicht schiebt, ist das längst ein globales Ereignis. Mittendrin: ich. Mehr als nur ein bisschen verloren, zwischen all den M-Verrückten, die die M GmbH zur Premierennacht an den Nürburgring geladen hat. Ich kenne alle M5-Generationen persönlich – vom E28S, über den E34S, den E39S bis zum E60. Ein Vorteil meines Berufs, für den ich mir jetzt aber auch nichts kaufen kann.

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Fummeln für Fortgeschrittene: Der kleine Schalt-Nippel sagt dem Siebengang-DKG wo's langgeht.

Zehn Minuten später ist das Gewusel vergessen. Ich habe mich ins Cockpit des M5 vorgearbeitet. Und schon ist es wieder da, dieses Willkommen-zu-Hause-Gefühl. Die riesigen Sport-Sitze sind mit dem besten bespannt, was eine Kuhhaut zu bieten hat, überzeugen mit wunderbarem Seitenhalt und schaffen genau diesen Kompromiss aus biestiger Sportlichkeit und Kuschel-Komfort, auf den die M-Tüftler seit dem allerersten M5 so stolz sind. Ergonomie und Verarbeitung sind vorbildlich, auch wenn Umsteiger aus zivilen Fahrzeugen sicherlich den einen oder anderen Abend über der Bedienungsanleitung brüten werden, um wirklich alle Geheimnisse der Knöpfchen und Schalter zu ergründen, die da dekorativ um Lenkrad und Schalthebel drapiert sind. Wer's bunter mag, kann sich sein 560-PS-Spaßmobil aber auch direkt im Auto erklären lassen. Vom interaktiven Handbuch oder natürlich vom M-Kundenberater, der für knapp 103.000 Euro sicher gerne mal aus seiner Komfortzone kommt.

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Hobby-Schrauber operieren sich die M-Kiemen in jede BMW-Flanke, richtig was reißen kann man damit aber nur im Original.

©Max Kirchbauer/BMW

Ein Auto, das erklärt werden muss ist sicher nicht jedermanns Sache, keine Frage. Dem M5-Mythos tut das aber keinen Abbruch. Im Gegenteil. Die Vorzeige-Limousine der M-Ingenieure war schon immer extrem. Extrem sportlich, extrem luxuriös und extrem vollgepackt mit Technik. Traditionell interessiert die M-Gemeinde vor allem Ersteres. 560 PS und 680 Newtonmeter Drehmoment feuert der V8-Biturbo aus seinen 4,4 Liter großen Brennräumen und kann sich damit locker in jeder Boxengasse sehen lassen. Und bei Media Markt. 9,2-Zoll-Farbbildschirm, Head-up-Display, LED-Ambientebeleuchtung, Reifendruckanzeige, programmierbare Fahrprogramme, beleuchtete Knöpfe und Schalter – der M5 summt, brummt und blinkt, als habe bei der Liebesnacht zwischen Rennwagen und Familienlimousine auch eine Playstation ein paar Gene gespendet. Der elektronische Overkill? Noch lange nicht. Wer nach Abzug der 102.700 Euro noch finanzielle Luft auf dem Sparbuch hat, kann digital nachlegen. Nachtsichtsystem, Spurwechselwarnung, Rundum-Kameras, Internet-Nutzung sowie spezielle Apps für die Nutzung von Facebook und Twitter – der neue BMW M5 legt die Elektronik-Latte verdammt hoch.

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Und zum Glück nicht nur die. Wer den Münchner Lampenladen links liegen lässt, landet bei allerfeinster Sportwagentechnik, die die brutale Gewalt der zentralen V8-Pumpe verwaltet. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DKG) zum Beispiel, von dem im Cockpit nur rein betörend kurzer Schalt-Nippel zu sehen ist. Oder die dynamischen Dämpfer, die blitzschnell auf veränderte Bedingungen reagieren. Prunkstück des Fahrwerks ist aber das aktive Differenzial an der Hinterachse, das pausenlos die Antriebskraft zwischen den beiden Hinterrädern hin- und hersortiert. Eine serienmäßige Verbundbremsanlage (blaue Bremssättel) weist die 1870 Kilo schwere Fuhre bei Bedarf in ihre Schranken. Und der Bedarf besteht garantiert. 4,5 Sekunden dauert der Spurt bis 100 km/h, nach 13 Sekunden fällt die 200er-Marke. Ist das M Driver's Package gebucht, geht die wilde Hatz bis 290 km/h. Spätestens da hat dann keiner mehr Zeit, per Twitter die aktuelle Geschwindigkeit ins World Wide Web zu kabeln.

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Schluss mit der Schwärmerei, draußen kratzt sich schon ein südafrikanischer Milchbubi die manikürten Fingernägel am Metallic-Lack blutig. Er will auch mal rein und fuchtelt wild mit dem Smartphone. Darf er ja jetzt auch. Ich leg' mich derweil mit meinem amerikanischen Kumpel unter den BMW. Endrohre gucken.
Fotos: Max Kirchbauer/BMW

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