M5 gegen 911 Carrera S

BMW M5 gegen Porsche 911 Carrera S

— 15.11.2004

Wer ist sportlicher?

Zwei Autos, ein Ziel. Und das heit: Es lebe der Sport. BMW M5 und Porsche 911 prgen dieses Motto auf sehr unterschiedliche Art.

Das heie Ding gegen den Klassiker

Respekt. Ja, so knnte man es nennen. Respekt vor einer scheinbar harmlosen Limousine, der ich mich gerade nhere. Angeblich ein bses Auto. Name: M5. Auf Knopfdruck 507 PS. Formel 1 fr die Strae. Der schiere Wahnsinn. Kollege Branke hat ihn bereits gefahren und mich gewarnt. "Das Ding ist hei. Sieh dich vor!" Zunchst sehe ich nur groe Luftffnungen in der Frontschrze und vier fette Rohre am Heck. Ziemlich krawallig, das Ganze. Eine neue Freundin mchte ich damit jedenfalls nicht abholen. Aber vermutlich soll der Linksfahrer erkennen, wer a) hinter ihm vorbei will und b) wenige Sekunden spter vor ihm am Horizont verschwindet.

Ganz anders gibt sich der neue 911, nach wie vor Inbegriff des klassischen deutschen Sportwagens. Und unverkennbar ein Porsche. Zwei Striche reichen, um ihn, wie einst den Kfer, zu symbolisieren. Im Heck die geballte Kraft: 355 PS aus 3,8 Litern. Doch Respekt will nicht so richtig aufkommen. Eher das Gefhl: Schn, da wir uns mal wieder sehen. Der 997, wie er intern heit, wirkt eher zurckhaltend als aggressiv, strahlt Vertrautheit aus. Besonders seine runden Scheinwerfer geben ihm nach den verunglckten Spiegeleiern wieder echtes Porsche-Profil.

Sich zwischen diesen beiden Sportlern zu entscheiden, fllt nicht leicht. Die Reize sind vielfltig. Aber zumindest gibt es keine finanziellen Aspekte. Dafr ist der Unterschied zu gering: 1024 Euro kostet der M5 mehr. Unwichtig in dieser Klasse, unwichtig bei Preisen von 85.176 und 86.200 Euro.

Technische Daten und Fahrleistungen

Unwirklich dagegen, was sich im Fnfer abspielt, werden alle technischen respektive elektronischen Register gezogen. Zwar klingt der V10 im Leerlauf eher wie ein Diesel-V8, doch wehe, der Gasfu juckt. Dann entwickelt sich der Alublock zum Renntriebwerk reinsten Wassers, faucht, brllt und dreht hoch bis zu infernalischen 8250 Touren. Dazu kommt das automatisierte Siebengang-Schaltgetriebe SMG. Das Tempo der Gangwechsel lt sich einstellen. Wer die Power-Taste (die Leistung steigt von 400 auf 507 PS) ein- und das DSC ausschaltet, tritt ein in eine andere Dimension der Fortbewegung: Tempo 200 ist nach nur 13,5 Sekunden erreicht.

Die Welt da drauen verzerrt, schemenhaft, irreal. Leben im Zeitraffer. Wir sind erst im vierten Gang. Ein kurzer Zug mit den Fingerspitzen, augenblicklich knallt der fnfte rein, so brutal, da es nochmals einen Schlag ins Kreuz gibt. DTM-Feeling. Akute Suchtgefahr. Ab 240 km/h folgen die Gnge sechs und sieben. Der M5 maschiert weiter, als gbe es keine Widerstnde. Leider doch. Urpltzlich schlgt die Elektronik zu, dreht bei 269 km/h (laut Tacho) unsanft den Sprit ab. Deutlich ist zu spren, wie der Wagen abgebremst wird.

Dabei knnte er locker auf ber 300 km/h gehen. Ich wette, es wird keinen M5-Kunden geben, der sich diese Bevormundung gefallen lt. Der Carrera-Fahrer ist frei davon. Sein Wagen zieht bei 270 km/h geschmeidig am M5 vorbei und hat noch Luft bis 293 km/h. Dabei liegt der Porsche jedoch nicht so souvern auf der Strae wie der BMW, der bei aller Sportlichkeit auch noch berraschend viel Komfort bietet.

Betriebskosten und Garantien

Der Carrera erfordert mehr Lenkkorrekturen, wirkt etwas nervser und ist zudem erheblich lauter. Im 997 merke ich, da ich knapp 300 fahre. Smtliche Unterhaltung, egal ob Radio oder Beifahrer, ist dann zwecklos. Genauso, wie Kurven auf ffentlichen Straen zu suchen, die zgig durchfahren werden drfen. Nicht existent. Wir nehmen die beiden Sportler daher mit auf das Contidrom-Testgelnde bei Hannover. Auf dem groen Handlingkurs kann das Fahrverhalten optimal getestet und spaeshalber auch mal das ESP abgeschaltet werden.

Mit dabei haben wir einen prominenten Nachwuchsdrifter, den Sohn von Ex-Formel-1-Star Keke Rosberg. Nico ist 19, erkmpfte sich diese Saison bereits den vierten Platz in der Formel-3-Euroserie und wird im kommenden Jahr die Serie GP2 bestreiten. Nico lt zuerst den Carrera um den Kurs fliegen, ist begeistert von der Handlichkeit und der Traktion des flachen Zweisitzers. Schaltung, Sitze, Lenkung, alles pat perfekt.

Lediglich die Knie leiden in den Kurven, rechts eine harte Kante, links die Memorytasten der elektrischen Sitzverstellung. Einmal kurz berhrt, prompt wird Nico Rosberg hinters Lenkrad gequetscht, mu anhalten und den Sitz neu einstellen. Nicht minder zgig geht der M5 um die Rennstrecke, mglich durch die schier unendlichen Leistungsreserven. Doch ist das Gewicht (fast 1,9 Tonnen) der Limousine genauso zu spren wie die Wankbewegungen beim Kurvenwechsel. Auto wie Fahrer fhlen sich wohler auf langen Strecken.

Bewertung und Fazit

Der M5 braucht Auslauf. Am besten die Autobahn Hamburg-Mnchen leer. Den BMW fr die Fahrt zum Bcker zu nutzen, hiee, ihn zu mibrauchen. Obwohl: Selbst Stadtverkehr und Tempo-30-Zonen machen diesem potenten V10 nichts aus. Auch der Sechszylinder-Boxer im Porsche nimmt niedrige Drehzahlen in keiner Weise krumm. Insgesamt ist der Carrera aber, bedingt durch seine viel kleineren Auenabmessungen, wendiger als der BMW.

Und der Zuffenhausener hat auch beim Thema Bremsen die Nase vorn. Denn als Hecktriebler lastet beim Verzgern so gut wie kein Motorgewicht auf der Vorderachse. Der Fnfer hat damit zu kmpfen, steht aus Tempo 100 dennoch nach sehr guten 36,4 Metern. Knapp eine halbe Wagenlnge spter als der Carrera. Dessen 34,5 Meter sind einfach sensationell. Auch davor habe ich Respekt.

Fazit Porsche gewinnt nach Punkten. Fhrt er deswegen uneingeschrnkt auf der Ideallinie? Keineswegs. Zwar ist den Zuffenhausenern mit dem Carrera S ein charakter- wie leistungsstarkes Auto gelungen, das sich handlich und schnell wie nie bewegen lt, doch bleiben einige Nachteile im Alltag: So ist er zu laut fr lange Strecken, bietet zuwenig Platz frs Gepck, lt sich nur mit zwei Personen fahren. Wem das aber nicht so wichtig ist, bekommt einen rassigen Sportwagen mit einem ber Jahrzehnte gereiften, nahezu unbertroffenen berholprestige. Der M5 dagegen ist eine Hochleistungslimousine mit Rennqualitten, die gleichzeitig den Platz und Komfort eines normalen Fnfer-BMW offeriert. Mit einem nicht zu unterschtzenden Understatement-Effekt.

Autor: Michael Specht

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