BMW-Motorsportdirektor Theissen im Interview

BMW-Motorsportdirektor Theissen im Interview

BMW-Motorsportdirektor Theissen im Interview

— 09.09.2002

"Ralf fährt sehr unspektakulär"

BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen sagt im WamS-Interview, was er von seinem Fahrer Ralf Schumacher hält. Und von ihm erwartet.

Auch die Fahrer kriegen ihr Fettt weg

WELT am SONNTAG: Herr Theissen, was schätzen Sie persönlich an Ralf Schumacher? Mario Theissen: Ralf ist schnell, intelligent, technisch versiert, pflegt ein offenes Wort, ist kritikfähig und hat Humor. Das weiß ich alles zu schätzen, auch wenn seine Späße neulich dazu führten, dass ich eine Geburtstagstorte im Gesicht hatte.

Was das Fahrerische betrifft: Inwiefern hat sich Ralf in den vergangenen Jahren verbessert? Wo sehen Sie noch Schwächen? Ein lernfähiger Rennfahrer verbessert sich kontinuierlich. Das ist auch bei Ralf der Fall. Er ist in vielerlei Hinsicht unspektakulärer als beispielsweise Juan Pablo Montoya unterwegs. Das muss nicht immer falsch sein. In den Ergebnissen liegen beide gleichauf.

Kritik an Schumacher kommt vor allem von den Williams-Verantwortlichen. Wie ist es zu verstehen, dass ihm immer wieder vorgeworfen wird, verglichen mit Montoya zu wenig mit dem Team zu arbeiten? Natürlich gibt es Kritik im Team. Natürlich schließt diese Kritik auch die Fahrer ein. Was dieses spezielle Thema angeht, sehe ich allerdings keinen nennenswerten Unterschied in der Arbeit beider Fahrer mit ihren Ingenieuren. Darüber hinaus gibt es nach jedem Test-, Trainings- und Renntag eine gemeinsame Technikbesprechung, in der beide Fahrer und ihre jeweiligen Ingenieure zusammensitzen, alle Daten analysieren und die nächsten Schritte miteinander festlegen.

"Wir erwarten konstant gute Leistungen"

Soll Ralf Schumacher weggemobbt werden? Das ist abwegig.

Ralf soll mehr Geld verdienen als Montoya. Schürt das die Missstimmung? In der Formel 1 handelt jeder Fahrer mit seinem Teamchef seinen ganz persönlichen Vertrag aus. Wie viel dabei heraus kommt, hängt sicher von den Leistungen des Fahrers ab, aber auch von der Situation, in der die Verhandlungen stattfinden. Das ist ganz wie im richtigen Leben. Kein Grund für Missstimmung, kein Grund für Klagen, eher eine sportliche Auseinandersetzung zwischen Teamchef und Fahrer auf geschäftlicher Ebene.

Ihr BMW-Kollege Gerhard Berger kritisierte öffentlich Ralfs mangelnde Konstanz. In den letzten beiden Jahren ist Ralf tatsächlich in der ersten Saisonhälfte stärker gefahren als in der zweiten. 2002 habe ich das bisher nicht feststellen können. Natürlich erwarten wir von beiden Fahrern eine konstant starke Leistung. Der Fahrer ist neben Motor, Chassis und Reifen einer der Schlüsselfaktoren für den Erfolg. Wer um die Weltmeisterschaft mitfahren will, darf sich in keinem Bereich eine Schwäche erlauben.

Was unterscheidet Ralf von seinem Bruder? Nach meiner Beobachtung hat Michael gerade in den Bereichen um das eigentliche Fahren herum mit langjähriger und systematischer Arbeit seine Ausnahmestellung begründet. Hier kann jeder von ihm lernen. Ich habe einmal den Spruch eines Konkurrenten gelesen: "Gebt mir nur das gleiche Auto, und ich fahre so schnell wie Michael Schumacher." Der hat eindeutig nicht kapiert, worum es geht.

Würde Ralf in Michaels Ferrari Weltmeister werden? Sehr gut möglich.

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