BMW "Floating Car Data"

BMW "Floating Car Data"

BMW "Floating Car Data"

— 08.11.2005

Smalltalk über Autos

Die heutigen Autos sind wahre Datenträger. Temperatur, Regenstärke, Helligkeit – diese Infos will BMW künftig intelligent vernetzen.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

"Diese feuchte Kälte macht meinem Rostschutz ganz schön zu schaffen." Nein, so hört es sich nicht an, wenn sich zwei Autos übers Wetter unterhalten. Dann schon eher so: "Achtung, ich hatte gerade mit Aquaplaning zu kämpfen – paß bloß auf, wenn Du hier vorbeikommst." Autos, die Informationen preisgeben? Gibt es längst. Bei BMW heißt das "Floating Car Data" (FCD).

Bislang waren die Gesprächsthemen allerdings auf Positionsdaten und Reisezeiten beschränkt. Via FCD erhält eine Verkehrszentrale beispielsweise wichtige Daten, um drohende Staus zu erkennen und Autos rechtzeitig davor zu warnen. Die Zukunft heißt XFCD, "Extended Floating Car Data". BMW stellt das System während des "12. International Congress On Intelligent Transporting Systems" auf einer speziellen Teststrecke vor.

Dort, im sogenannten "SBC-Park", wird folgender Fall gezeigt: Ein Fahrzeug gerät auf eine rutschige Oberfläche, verarbeitet in Sekundenschnelle die Information und warnt in Echtzeit das nachfolgende Auto. Dieselben Infos werden gleichzeitig auch an eine Verkehrszentrale übertragen, die sie dann statistisch weiterverarbeitet. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Das klingt nach aufwendiger Zukunftsmusik. "Für das neue Datenerfassungssystem muß keine zusätzliche Hardware im Fahrzeug eingebaut werden", sagt BMW, "XFCD funktioniert auf Basis der bestehenden Fahrzeugarchitektur und wird nur durch Softwareprogramme ergänzt." Heißt im Klartext: Da viele Autos auf unseren Straßen ohnehin schon fahrende Computer sind, ist der Schritt zur Vernetzung gar nicht mehr so groß.

Die Autos warnen sich gegenseitig

In einem modernen Auto liegen neben der Geschwindigkeit viele weitere Daten vor. Sind Fern- oder Nebellicht eingeschaltet? Was melden Außenthermometer und Klimaanlage, Regensensor und Navigationssystem? Mit diesen Werten kann direkt auf Verkehrs- und Gefahrensituationen wie Stau, starker Regen, Aquaplaning, Glatteis, Sichtbehinderung oder Nebel geschlossen werden.

Die Regelung der Dynamischen Stabilitätskontrolle (DSC) kann bei niedriger Außentemperatur, eingeschaltetem Scheibenwischer und langsamer Fahrgeschwindigkeit auf eine Rutschgefahr durch Eis oder Öl schließen. XFCD hat sogar die Möglichkeit, alle Meldungen an andere Fahrzeuge zu übertragen. Dadurch entstehen sogenannte "Ad-hoc-Netze": Ein Auto, das die Information gerade eben empfangen hat, kann sie auch sofort weitersenden. "Dadurch ist die Reichweite prinzipiell unbegrenzt", weiß BMW.

Im Prinzip ist diese Idee gar nicht mal so neu. Schon seit Jahrzehnten benutzen Lkw-Fahrer CB-Funkgeräte, um über eher bescheidene Distanzen Informationen auszutauschen. Dazu gehören nicht nur Wetterdaten – auch die Spritpreise an der nächsten Tankstelle oder Standorte von Radarfallen sind beliebte Gesprächsthemen unter den Truckern. Also alles andere als sinnloser Small Talk.

Autor: Michael Voß

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