BMW-Werk in Leipzig eingeweiht

BMW-Werk in Leipzig eingeweiht BMW-Werk in Leipzig eingeweiht

BMW-Werk in Leipzig eingeweiht

— 13.05.2005

Ein Haus wie ein Auto

Die Kulturarchitektin Zaha Hadid hat in Leipzig eine futuristische Fabrik für BMW gebaut. Jetzt wurde das Werk offiziell eingeweiht.

Chaotisch, schön – und funktional

Unter vielen Jungarchitekten besitzt Zaha Hadid den Status einer Kultfigur, denn sie gilt als Baumeisterin des Irrationalen. Architektur, die Kunst der Organisation tektonischer Kräfte, wird für sie zum Experiment mit Erscheinungsformen der Instabilität. Gebäude lösen sich in übereinandergeworfene Mikadostäbe auf, getreu ihrem Leitspruch: "Chaos ist Freiheit".

Jetzt hat die 1950 in Bagdad geborene Baukünstlerin ihr ehrgeizigstes Projekt realisiert. Ausgerechnet sie, der es schon so oft versagt blieb, ihre bis an die Grenze der Unlesbarkeit vordringenden Reißbrettarbeiten in die Realität umzusetzen, hat eine Fabrik gebaut. Ausgerechnet für ein Unternehmen der Präzisionstechnik – für BMW.

Die Werksleitung rechnet mit einem Ansturm von Schaulustigen, denn wieder einmal unterscheidet sich Hadids Entwurf von allem bisher Gesehenen. Nicht nur, daß er mit überkippenden Wänden und nicht nutzbaren Gebäudenasen auftrumpft. Das ganze Haus mit allen seinen Elementen scheint unaufhörlich "in Fahrt" zu sein. Schräg gestellte wuchtige Stützen, schlanke, nach vorn drängende Wandscheiben, Kaskaden von Terrassen, Ebenen und Fahrbahnen vermitteln das Bild einer sich selbst ständig überholenden Motorik und Dynamik. Ein Haus wie ein Auto – und damit so etwas wie die späte Erfüllung einer Traumvorstellung "fordistischer" Architekten der zwanziger Jahre.

Am einfachsten wäre es, eine solche Baugestaltung als Spielerei, als aufgemotzte "Eventmaschine", als PR-Gag des Unternehmens abzutun. Aber das 50 Millionen Euro fast "günstige" Zentralgebäude der 1,3 Milliarden Euro teuren Fabrikanlage erfüllt laut Werksleitung die allerhöchsten Anforderungen der Rationalität. Jede Einzelheit des Hauses sei bis ins Kleinste an den optimierten technischen Abläufen des Autobaus orientiert.

Es gibt weder Stockwerke noch Büros

Es beginnt mit der funktionalen Grundstruktur. Erstmals folgt sie nicht dem Bild des Förderbands, das alle Arbeitsgänge hintereinanderschaltet, sondern zentriert das gesamte Werk auf eine Mitte. Hier sitzen die Betriebsleitung und die "geistigen Arbeiter", hier konzentrieren sich die Computer auf den Schreibtischen und die Kochtöpfe der Kantine.

Von hier aus ist es gleich weit zu den Tätigkeitsbereichen der Montage, der Lackiererei - und hier präsentieren sich zugleich auch schon die Fabrikate: In magisches Blaulicht getaucht gleiten die Wagen im Zeitlupentempo von acht Meter pro Minute auf lautlosen Fahrbändern wie Kabinen einer Geisterbahn an den Schreibtischen vorbei, vollführen Kurven und Geradeausfahrten und verschwinden irgendwo in der Decke.

Als ähnlich "funktional" erweist sich die soziale Vernetzung sämtlicher Arbeitsbereiche. Es gibt weder "Stockwerke" noch "Büros". Das ganze Werk weitet sich zum Großraum, zum Haus ohne Wände. Jeder der bisher 2700 Mitarbeiter geht an jedem Arbeitsplatz vorbei, Blaukittel und Weißkittel, Sekretärin und Lackierer, manchmal nur getrennt durch eine hüfthohe Brüstung.

Die stufenförmig angelegten Ebenen sind durch sanft ansteigende Treppen oder Rampen verbunden. Das funktioniert natürlich nur, weil die Entwicklungsabteilung in Bayern bleibt, weil lärmschluckende Materialien und Module eingesetzt sind, weil es in diesem Werk kaum Emissionen gibt. Nur den weiten, wilden Raum.

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