Volvo XC40 vs. BMW X1

BMW X1 Volvo XC40 Volvo XC40

BMW X1/Volvo XC40: Test

— 12.12.2017

Der neue XC40 fordert den X1 heraus

Mit dem XC40 gibt est endlich ein kompaktes SUV von Volvo. Wir machen den Vergleich mit dem BMW X1. Wird es eng für den noblen Deutschen?

Was heißt hier klein? Am Steuer des neuen XC40 geht dir einiges durch den Kopf, diese Frage aber nicht. Ich sitze standesgemäß erhöht, das große Display, duftende Ledersitze und teure Extras ringsum signalisieren eindeutig „Volvo“. Der Diesel vorne knurrt wieder seine rustikale Melodie, und vermutlich wird gleich irgendeine Leuchte anspringen und warnen: Elch voraus! Was also sollte an diesem SUV klein wirken? Um das herauszufinden, fährt zum ersten Vergleich der BMW X1 mit.

Der XC40 bietet nur eingeschränktes Transporttalent

Kein Lastesel: Der XC40 schluckt maximal 1336 Liter und darf nur dabei nur Kilo schleppen – das ist wenig.

Der Platzhirsch bei den noblen Kompakten duckt sein Dach zwar fünf Zentimeter tiefer, kommt ansonsten aber im gleichen Format: großer Name, kleiner Hochsitz – da fährt das Image der größeren X3 oder XC60 mit. Aber nicht deren erwachsene Weite. Auf seinen breiten, festen Sitzen bietet der Volvo zwar genug Platz für die vierköpfige Familie. Und auch auf der Rückbank reißen selbst Große die Urlaubsfahrt entspannt herunter. Doch beim Einladen ist Schluss mit lustig, denn der Kofferraum ist zwar variabel, mit einem Boden, der sich zum Raumteiler aufstellt, aber deutlich kleiner (460–1336 Liter) als die Konkurrenz. Der BMW packt mit 505 bis 1550 Liter eine Tasche mehr. Und der Volvo erlaubt auch nur 426 Kilo Zuladung – die sind beim Skiurlaub schnell erreicht. Schade, weil der kantige Schwede kein Schickimicki sein will, sondern ein edler Lastesel. Übersichtlich nach vorne, aufgeräumt bis in die großen Ablagen, da fehlt nur der umlegbare Beifahrersitz für langes Zeugs.
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Beim Antrieb gehen beide Testkadidaten den selben Weg

Antriebs-Eintracht: Beide SUVs setzen auf einen Zweiliter-Diesel mit 190 PS, Allrad und Automatik.

An den typischen Volvo-Look auf der Mittelkonsole hat man sich bald gewöhnt, an die Bedienung des aufrechten Touchscreens weniger. Da macht BMW dem Volvo vor, wie Finger und Augen möglichst wenig abgelenkt werden: Drehregler, Festtasten und Untermenüs sind so ergonomisch durchdacht, wie der XC40 gerne wäre. Beim Antrieb starten die Edel-SUVs auf Augenhöhe. Ihre Zweiliter-Diesel leisten 190 PS mit AdBlue-Einspritzung, Allrad und Achtstufenautomatik – in dieser Klasse die Garantie für schlupffreies und flottes Vorankommen. Der X1 rennt etwas lebendiger, immerhin schleppt der Volvo vier Zentner mehr mit sich herum. Woher dieses unzeitgemäße Übergewicht? "Die CMA-Plattform, die wir gemeinsam mit Geely entwickelt haben, erlaubt keinen Leichtbau", gesteht ein Entwickler. Alu war bei der knappen Kalkulation nicht drin, da schimmert bei Volvo schmerzhaft der Rotstift durch.

Der Diesel bleibt in dieser Klasse erste Wahl, bis ein laufruhiger Benzinerhybrid es ab 2019 vielleicht leiser hinbekommt. Denn Leisetreter sind weder X1 noch XC40, da dämmt Audi das Nageln aus dem Motorraum effektiver. Dafür stimmt der Verbrauch: Laut Bordcomputer kommt der Volvo im Alltag mi t knapp sieben Litern aus.

Für sportliche Fahrer ist der BMW X1 die erste Wahl

Klare Sache: Den dynamischeren Wagen findet der Fahrer im BMW X1 – er ist allerdings straff abgestimmt.

Einmal in Schwung, fährt sich der X1 als 20d so rund und geschmeidig wie ein lange geschliffener Kieselstein. Die Lenkung kaschiert mit gleichmäßigem Ansprechen sehr bemüht die Masse des 1625-Kilo-Brockens, mit der verstellbaren Dämpfung (500 Euro Aufpreis) legt das Fahrwerk zumindest in "Comfort" die harte Sperrigkeit ab, die sich über 19-Zoll-Räder einschleicht. Kleiner Tipp: 18 Zoll wählen – aber das ist bei SUV-Käufern so aussichtsreich, als wollte man Frauen empfehlen, zur Party auf Pumps zu verzichten. Mit der leichtfüßigen Gangart des BMW hält der Volvo nicht ganz mit. Die softe Lenkung arbeitet so weich wie ein Griff ins Wattekissen, beim schnellen Ausweichen vermissen wir die BMW-Präzision. Bei flotter Gangart legt sich der Brocken in Kurven kräftig zur Seite, während die 19-Zoll-Räder immer wieder zu rumpelig abrollen. Alles Kleinigkeiten, sicher, aber sie ergeben unterm Strich ein schweres, sattes Fahrgefühl, das die Kilos nicht so behände wegzaubert wie der BMW.
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An der Kasse hat der Münchner die Nase vorn

Preisvorteil BMW: Der XC40 D4 kostet ab 44.800 Euro – der X1 xDrive20d ist knapp 2000 günstiger zu haben.

Der Volvo möchte seine Insassen lieber mit der unauffälligen Automatik von der Welt draußen entrücken und in Sicherheit wiegen. So erkennt das automatische Bremssystem nicht nur Autos, sondern auch Fußgänger und, Achtung: Elche! Sehr viel wahrscheinlicher sind unerwünschte Begegnungen mit Linksabbiegern, Gegen- und Querverkehr – und auch da stoppt der XC40 gegen Aufpreis automatisch, statt nur zu warnen. Eine beeindruckende Armada von Assistenten, doch vermutlich werden beheizte Ledersitze, das große Display und die Dachreling (alles serienmäßig) die Käufer stärker beeindrucken als das Warner-Gepiepe. Der D4-Diesel kostet beim Lieferstart im März 2018 ab 44.800 Euro, während der X1 als 20d Advantage bei 42.900 Euro beginnt. Dann sind automatische Heckklappe und Zwei-Zonen-Klimaautomatik (Volvo nur Ein-Zonen) schon an Bord.

Günstiger wird der XC40 ab Juni 2018: Ein 150-PS-Diesel, der 190-PS-Benziner und vor allem der 156-PS-Basisbenziner mit drei (!) Zylindern senken den Einstiegspreis auf bis zu 31.350 Euro. 2019 folgt eine milde Hybridversion, 2020 ein reiner Stromer. Auch BMW plant ähnliche Elektro-Sparer. Sie schenken sich also nicht viel, oder anders gesagt: Die Schweden steigen mit dem XC40 selbstbewusst auf deutschem Nobel-Niveau ein. An diesem SUV ist tatsächlich nichts klein. Gar nichts.

Technische Daten BMW X1 xDrive20d Steptronic: • Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum: 1995 cm³ • Leistung: 140 kW (190 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment: 400 Nm bei 1750/min • Antrieb: Allradantrieb, Achtstufenautomatik • L/B/H: 4439/1821/1598 mm • Leergewicht: 1625 kg • Kofferraum: 505–1550 l • 0–100 km/h: 7,6 s • Vmax: 219 km/h • Verbrauch: 4,9 l Diesel • Abgas CO2: 129 g/km • Preis: ab 42.900 Euro.

Technische Daten Volvo XC40 D4 AWD: • Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum: 1969 cm³ • Leistung: 140 kW (190 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment: 400 Nm bei 1750/min • Antrieb: Allradantrieb, Achtstufenautomatik • L/B/H: 4425/1863/1652 mm • Leergewicht: 1824 kg • Kofferraum: 460–1336 l • 0–100 km/h: 7,9 s • Vmax: 210 km/h • Verbrauch: 5,0 l Diesel • Abgas CO2: 133 g/km • Preis: ab 44.800 Eur.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Der XC40 wird den Erfolg der Volvo-SUVs eine Klasse tiefer fortsetzen: Er ist anders als die Deutschen, komfortabel und unterm Strich eindeutig ein Volvo. Ein starker Gegner für BMW – und für den Tiguan.

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