BMW X1 vs. VW Tiguan

BMW X1/VW Tiguan: Test

— 10.10.2016

Zwei Diesel-SUVs in der Vollfettstufe

Die stärksten Diesel in den kompakten SUVs von BMW und VW machen so richtig Alarm. Wir haben X1 und Tiguan getestet.

Bestimmt waren Sie schon mal in den Bergen. Möglicherweise haben Sie dort auch frische Milch getrunken. Nicht die aus dem Supermarkt. Die vom Bauern, direkt ab Kuh gezapft, stark gekühlt und sofort in einen kleinen Ausschank mit Kreidetafel davor verfrachtet. Sooo lecker! Warum? Weil das wahrscheinlich "fünfprozentige" Rohmilch war. Fünf Prozent Fett! DAS trägt Geschmack, ab hier wird's erst so richtig köstlich.

Die beiden Selbstzünder wuchern mit ihrer Kraft

Ordentlich Schmackes unter der Haube: Die zwei Liter großen Diesel verwöhnen mit sattem Drehmoment.

Wer auch beim SUV-Fahren auf mächtig und vollwertig steht, muss nicht bis in die Alpen reisen. Vollfett gibt es auch aus Wolfsburg. Beispiel: Tiguan TDI in seiner sahnigsten Form. Das heißt dann 2.0 TDI SCR und hat den Bums von 500 Newtonmetern. Wir haben uns einen ordentlichen Schluck von diesem 240 PS starken Super-SUV gegönnt. Zum Geschmacksabgleich naschen wir aber auch noch von einer Sorte aus Bayern. München schenkt uns den 231 PS starken BMW X1 xDrive25d ein. Der X1 hat ebenfalls einen besonders dicken Diesel unter der Haube und holt aus einem Zweilitermotor 450 Newtonmeter Drehmoment. Welches kompakte Kracher-SUV uns am Ende besser schmeckt, klärt hier ein harter Vergleich nach Punkten.

Vollfettstufe verlangt leider auch an der Kasse vollen Einsatz

Teures SUV-Vergnügen: Im vollen Testornat gehen X1 und Tiguan stramm auf die 50.000-Euro-Marke zu.

Wer einen großen Schluck nehmen will, muss leider auch richtig fett zahlen: Einen Tiguan 2.0 TDI mit 240 PS gibt VW nicht unter 42.700 Euro her. Kommen noch wertvolle Ausstattungsoptionen wie der aktive Spurhalteassistent, das große Navi-Radio-Paket oder die Anhängerkupplung hinzu, kratzt der VW-SUV oberhalb der 45.000-Euro-Marke – guten Appetit! Auch BMW verschenkt in dieser Leistungsliga nichts. Der X1 kostet ab 42.800 Euro, kommt wie der VW dann zwar mit Automatik und Allradantrieb – jedoch ohne vollständige Assistenzversorgung oder umfangreiche Multimediaausstattung. Das große Navigationssystem inklusive zuverlässiger Echtzeitstauanzeige sowie Onlinevernetzung kostet 3590 Euro, das komplette Paket praktischer Assistenten (inklusive aktivem Lenkeingriff des Spurhalteassistenten) schlägt mit rund 2000 Euro zu Buche. Bei solchen Preisen sollten sich die Probanden ab jetzt keine Schwächen mehr erlauben.

Tun sie im Großen und Ganzen auch nicht. Der BMW X1 fährt besonders komfortabel. Zwar hört man immer mal wieder das dumpfe Knurren des Dieselmotors heraus, auch die breiten Reifen nimmt man durch stetiges Rauschen wahr – insgesamt ist der Lärmpegel jedoch niedrig. Die Sitze stützen hervorragend, dank vielfacher Verstellung findet man schnell eine angenehme Haltung.

Im BMW lässt es sich zumindest vorne gut reisen

Licht und Schatten: Reisen mit dem X1 ist ein Genuss, aber der Geradeauslauf ist unverbindlich eckig.

Auf Tastendruck "öffnen" die Stoßdämpfer, dann reagiert die Federung besonders weich und mit langen Hubbewegungen auf Bodenwellen. Allerdings: Unter Beladung kommt das so justierte Fahrwerk an seine Grenzen, deftig rumst der BMW dann in die Anschlaggummis. Erst die Stellung "Sport" des variablen Fahrwerks entspannt die Lage. Der Motor zieht linear durch, die Schaltung (acht Stufen!) sortiert eifrig und nahezu unmerklich. Heißt unterm Strich: Reisen mit dem X1 ist ein Genuss. Bis auf Kleinigkeiten: Sensible Piloten werden sich an der elektrischen Lenkung reiben. Die reagiert aus der Mitte unsauber, stellt nach dem Einlenken künstlich zurück, der Geradeauslauf bei hohem Tempo gerät unverbindlich eckig. Sie vermittelt zudem ein unnötig hektisches Handling – nach zackigen Richtungswechseln folgt ein unnötig nervöses Abkippen der Karosserie nach außen.
Alle News und Tests zum BMW X1

Den dynamischeren Eindruck hinterlässt der Tiguan

Vorteil Tiguan: Der Motor des Wolfsburgers wirkt lebendiger als die Maschine des Münchners.

In diesem Punkt gibt es am VW Tiguan rein gar nichts zu mäkeln. Rückmeldung, Kraftbedarf und Übersetzung der Lenkung passen tadellos zusammen, insgesamt wirkt der Tiguan sehr handlich und vertrauenerweckend. Wie der BMW federt auch der VW sehr komfortabel. Die Unterschiede zum BMW: Die großen Reifen prallen etwas störrischer auf Querfugen, und insgesamt sind die kürzeren Federn etwas strammer gewickelt. Der Motor wirkt lebendiger und kräftiger. Zwar lässt das Zusammenspiel aus TDI und Siebenstufen-DSG beim Kick-down immer etwas (zu lange) auf sich warten – doch ist der 2.0 erst einmal am Zug, gibt's kein Halten mehr. Bis deutlich über Tempo 200 drückt der TDI dann unerbittlich – ein großer Spaß. Den auch Mitreisende genießen können. Im Vergleich zum BMW X1 hat der Tiguan nämlich mehr Platz – ein mächtig fetter Pluspunkt.
Alle News und Tests zum VW Tiguan

Fahrzeugdaten BMW VW
Modell X1 xDrive25d Tiguan 2.0 BiTDI 4Motion
Motor Vierzylinder, Biturbo Vierzylinder, Biturbo
Einbaulage vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Zahnriemen
Hubraum 1995 cm³ 1968 cm³
kW (PS) bei 1/min 170 (231)/4400 176 (240)/4000
Nm bei 1/min 450/1500 500/1750
Vmax 235 km/h 228 km/h
Getriebe Achtstufenautomatik Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/50 R 18 W 255/40 R 20 Y
Reifentyp Pirelli P Zero Continental SportContact 5
Radgröße 7,5 x 18'' 8 x 20''
Abgas CO2 132 g/km 167 g/km
Verbrauch* 5,8/4,6/5,0 l 7,4/5,8/6,4 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 8,4 l/100 km 9,1 l/100 km
Testrunde*** 6,3 l/100 km 7,2 l/100 km
Sparverbrauch**** 5,1 l/100 km 5,8 l/100 km
Tankinhalt 61 l/Diesel 60 l/Diesel
SCR-Kat/AdBlue-Tank -/- Serie/12 l
Kältemittel R134a R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 68 dB (A) 68 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 2000/750 kg 2500/750 kg
Kofferraumvolumen 505–1550 l 615-1655 l
Länge/Breite/Höhe 4439/1821–2060/1598 mm 4486/1839–2099/1673 mm
Testwagenpreis 47.980 Euro 46.480 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte BMW VW
Beschleunigung
0–50 km/h 2,5 s 2,1 s
0–100 6,9 s 6,4 s
0–130 km/h 11,1 s 10,7 s
0–160 km/h 16,9 s 17,3 s
0–200 km/h 30,5 s 36,1 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 3,8 s 3,7 s
80–120 km/h 4,6 s 4,8 s
Leergewicht/Zuladung 1677/493 kg 1792/548 kg
Gewichtsverteilung v./h. 57/43 % 57/43 %
Wendekreis links/rechts 11,3/11,4 m 11,3/11,3 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,6 m 35,1 m
aus 100 km/h warm 35,2 m 35,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 58 dB (A) 56 dB (A)
bei 100 km/h 67 dB (A) 65 dB (A)
bei 130 km/h 70 dB (A) 70 dB (A)
Testverbrauch - CO2 6,3 l - 168 g/km 7,2 l – 191 g/km
Reichweite 960 km 830 km

Fette Diesel-SUV im Vergleich

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: BMW X1 xDrive 25d unf VW Tiguan 2.0 BiTDI 4Motion (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

07.10.2016

Preis:

1,00 €

Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Der BMW X1: ein teures, doch rundum gutes Auto mit mächtig Zug an der Kette. Der VW Tiguan: ein ebenso gutes, dabei aber größeres, besser ausgestattetes und sogar noch lebendigeres Auto. So gewinnt das Wolfsburger SUV den Test – mit fettem Abstand.

Stichworte:

Kompakt-SUV

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