BMW X3 2.0i/ Jeep Patriot 2.4 Sport/ VW Tiguan 1.4 TSI — 11.02.2008
Erleben die Deutschen ihr blaues Wunder?
Neuer Jeep Patriot gegen BMW X3 und Tiguan: Der Ami ist extrem günstig – aber ist er auch gut genug für verwöhnte deutsche SUV-Käufer? Zum ersten Vergleich starten die kleinen Benziner.
Diese Farbe kann einfach kein Zufall sein: Der
Jeep erstrahlt in einem derart durchdringenden Himmelblau, dass jede Postkarten-Idylle dagegen verblasst. Ziemlich grau sehen daneben auch
BMW X3 und
VW Tiguan aus – bei einem Blick in die Preisliste. Denn den kantigen Patriot gibt es in der Ausstattungslinie Sport mit 2,4-Liter-Motor und 170 PS schon für 24.490 Euro.
BMW verlangt für einen X3 mit Zweiliter und 150 PS dagegen satte 34.900 Euro – also gut 10.000 Euro mehr als der Ami. Und der Tiguan mit 1,4-Liter und 150 PS kostet in unserer Testversion mit 18-Zöllern und Sportfahrwerk auch schon 28.330 Euro. Alles nur blauer Dunst? Oder graue Theorie?
Das Raubein unter den Vierfüßlern: der Jeep Patriot
Ein blaues Wunder? Auf jeden Fall eine kantige Angelegenheit, dieser Patriot.
Mal sehen, jedenfalls ist der Patriot ein Typ mit Charakter. Kantig, markig, eckig, fällt er auf im Straßengewühl. Und klein ist er auch nicht – sein Platzangebot entspricht ziemlich genau dem des BMW. Allerdings ist die Atmosphäre eine andere als im X3. Typisch für den Jeep sind die kleinen, schmalen Fenster und die betont rustikale Inneneinrichtung. Das kantige Design im Lego-Stil geht grundsätzlich in Ordnung, aber das viele grobe Hartplastik ist wirklich nicht schön anzuschauen. Vorn sitzt man im
Patriot angenehm, auch wenn die Auflage der Sitze zu kurz ist. Und auf der schwammig gepolsterten Bank im Fond ist es etwa so gemütlich wie auf dem Sofa von Oma. Doch der Eindruck täuscht: Der Jeep ist kein verschlafener Typ, sondern geht kernig zur Sache. Raubeinig wie ein Cowboy beim Saloon-Besuch benimmt sich der Motor: Der 2,4-Liter-Vierzylinder leistet kräftige 170 PS und sorgt für anständige Fahrleistungen – er braucht dafür aber hohe Drehzahlen, und dabei wird es laut und ruppig. Im direkten Vergleich mit X3 und Tiguan fährt sich der Jeep schwerfällig, fast störrisch. Es riecht nach Arbeit hier, nicht nach Vergnügen. Knochige, zähe Schaltung, gefühllose und bei schnellen Ausweichmanövern verhärtende Lenkung – ein herber Typ. Aber er bleibt stets sicher in der Spur, das ESP regelt brutal. Ein Ärgernis sind die Bremsen mit ihrem ausgeprägten Fading. Die Wirkung lässt mit warmer Anlage deutlich nach.
Für knuspriges Fahrvergnügen: der BMW X3
Einfach knusprig: Der X3 ist der Dynamiker des Trios.
Der BMW – auch im vergangenen Jahr wieder das meistverkaufte
SUV bei uns – kann gerade das alles viel besser. Nach wie vor gibt es in dieser Klasse keinen anderen Typ mit vergleichbarer Agilität und ähnlich knusprigem Fahrverhalten. Direkte, präzise Lenkung, Sahne-Schaltung, hervorragende Bremsen, feinfühliges ESP – ein Leckerbissen für alle, die so etwas mögen. Und die werden sich dann auch nicht an der für unseren Geschmack zu humorlosen Federung stören. Das hohe Niveau des Fahrwerks kann der Zweiliter-Benziner mit seinen 150 PS dann nicht ganz halten. Der Vierzylinder ist zwar ein kultivierter Motor, muss hier jedoch ein 1,8 Tonnen schweres SUV bewegen. Und da wird es für die maximal 200 Nm, die auch erst bei 3750 Touren anliegen, schon mal knapp. Also sprinten Jeep und
VW dem BMW mühelos davon. Und der Tiguan hat auch noch den kräftigeren Durchzug. Bitter für einen BMW, oder? Aber es kommt auch auf den Standpunkt des Betrachters an: Langsam ist der
X3 deshalb noch lange nicht, er rennt ja auf der Autobahn fast 200 km/h und läuft angenehm leise. Für den fetten Mehrpreis gegenüber dem Jeep bietet der BMW sonst noch eine tadellose Verarbeitung, eine umfangreiche Ausstattung und sehr gute Sitze mit einer bequemen Sitzposition im Fond. Wie stets ist aber die Zuladung recht gering – der X3 darf gerade mal 430 Kilo einpacken, die beiden anderen über 500.
Fast perfekt: der VW Tiguan
War der BMW bisher der Bestseller, wird sich diesen Titel jetzt wohl der VW greifen. Denn der
Tiguan hat einfach keine Schwächen. Nur Nörgler werden vielleicht am (zu unauffälligen) Design herummäkeln, die sachlichen Gründe aber sprechen eine deutliche Sprache. Der VW ist mit Abstand am geräumigsten und dazu mit seiner verschiebbaren Rückbank auch noch variabel. Die Sitze vorn und hinten sind ausgeprochen bequem, die Verarbeitung ist tadellos und die Ausstattung umfangreich. Und der von uns bisher hochgelobte, von Kompressor und Turbolader aufgeladene 1,4-TSI-Motor beweist einmal mehr sein Talent. Ein kleines Kraftpaket ist er, quicklebendig, wach und vergleichsweise sparsam –
er bietet im Vergleich die besten Fahrleistungen und mit 8,7 Litern auch den niedrigsten Verbrauch. Obwohl er mit seinen 150 PS im 1,7-Tonnen-Tiguan natürlich mehr zu tun hat als etwa im
Golf und ab und zu etwas angestrengt klingt, ist er mit diesem Auftritt eine ernsthafte Alternative zum Diesel. Der Test-Tiguan kam auf 18-Zöllern (1470 Euro) und mit Sport-Fahrwerk (160 Euro). Beides tut ihm gut. Er fuhr erstaunlich handlich und leichtfüßig und war dem BMW damit dicht auf der Spur. Ähnlich präzise Lenkung, exakte Schaltung, sauber abgestimmtes ESP. Gerade von solchem Feinschliff ist der Jeep meilenweit entfernt, ein ganzer Ozean liegt dazwischen. Und deshalb bleibt ein blaues Wunder auch aus.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke
Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Der
Jeep Patriot ist ein charmanter Typ, sehr sympathisch. Ein Fall für Fans. Dem Feinschliff und der Perfektion der beiden Deutschen kann und will er nicht viel entgegensetzen. Deren Duell entscheidet der geräumige und variable VW Tiguan mit seinem tollen TSI-Motor für sich. Der BMW X3 glänzt wie immer mit seiner Agilität.
| FAHRZEUGDATEN |
BMW |
JEEP |
VW |
| Motor Bauart/Zylinder |
Vierzylinder, |
Vierzylinder, |
R4, kompr. Turbo, |
| Einbaulage |
vorn längs |
vorn quer |
vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen |
4 pro Zylinder/2 |
4 pro Zylinder/2 |
4 pro Zylinder/2 |
| Nockenwellenantrieb |
Kette |
Kette |
Kette |
| Hubraum |
1995 cm³ |
2359 cm³ |
1390 cm³ |
| kW (PS) bei U/min |
110 (150)/6200 |
125 (170)/6000 |
110 (150)/5800 |
| Nm bei U/min |
200/3750 |
220/4500 |
240/1750 |
| Höchstgeschwindigkeit |
198 km/h |
180 km/h |
192 km/h |
| Getriebe |
Sechsgang manuell |
Fünfgang manuell |
Sechsgang manuell |
| Antrieb |
Allradantrieb |
Allradantrieb |
Allradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten |
Scheiben/Scheiben |
Scheiben/Scheiben |
Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung |
235/55 R17 H |
215/60 R17 H |
235/50 R18 V |
| Radgröße |
8 x 17“ |
6,5 x 17“ |
7 x 18“ |
| Abgas COπ |
215 g/km |
206 g/km |
199 g/km |
| Verbrauch* |
12,6/6,9/9,0 Liter |
11,3/7,2/8,7 Liter |
10,6/7,0/8,4 Liter |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte |
67 Liter/Super plus |
51 Liter/Normal |
64 Liter/Super |
| Vorbeifahrgeräusch |
72dB (A) |
74 dB (A) |
74 dB (A) |
| Anhängelast gebr./ungebr. |
1600/720 kg |
1500/450 kg |
2000/750 kg |
| Kofferraumvolumen |
480–1560 Liter |
320–1471 Liter |
470–1510 Liter |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 Kilometer |
| MESSWERTE |
BMW |
JEEP |
VW |
| Beschleunigung 0–50 km/h |
3,8 s |
3,3 s |
3,3 s |
| 0–100 km/h |
11,6 s |
10,3 s |
9,8 s |
| 0–130 km/h |
19,4 s |
16,3 s |
16,3 s |
| Elastizität 60–100 km/h |
10,6 s (4. Gang) |
11,4 s (4. Gang) |
8,1 s (4. Gang) |
| 80–120 km/h |
19,3 s (6. Gang) |
20,8 s (5. Gang) |
14,8 s (6. Gang) |
| Leergewicht/Zuladung |
1770/430 kg |
1498/512 kg |
1666/504 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. |
50/50 % |
56/44 % |
57/43 % |
| Wendekreis links/rechts |
11,7/11,7 m |
11,3/11,3 m |
11,8/12,0 m |
| Bremsweg aus 100 km/h kalt |
36,0 m |
38,0 m |
37,2 m |
| aus 100 km/h warm |
36,3 m |
39,3 m |
37,5 m |
| Innengeräusch bei 50 km/h |
59 dB (A) |
60 dB (A) |
59 dB (A) |
| bei 100 km/h |
66 dB (A) |
67 dB (A) |
67 dB (A) |
| bei 130 km/h |
69 dB (A) |
71 dB (A) |
70 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 |
9,6 Liter – 229 g/km |
9,6 Liter – 227 g/km |
8,7 Liter – 206 g/km |
| Reichweite |
690 km |
530 km |
730 km |
| KOSTEN/GARANTIEN |
BMW |
JEEP |
VW |
| Abgasnorm |
Euro 4 |
Euro 4 |
Euro 4 |
| Steuer pro Jahr |
135 Euro |
162 Euro |
94 Euro |
| Typklassen HPF/VK/TK |
21/19/25 |
23/23/20 |
18/17/21 |
| Werkstattintervalle |
nach Anzeige/2 Jahre |
12 000 km/1 Jahr |
nach Anzeige/2 Jahre |
| Kosten Ölwechsel/Inspektion |
120/500 Euro |
170/280 Euro |
210/500 Euro |
| Garantie/Gewährleistung |
Gewährleistung |
Garantie |
Garantie |
| Technik/km-Begrenzung |
2 Jahre/ohne |
2 Jahre/ohne |
2 Jahre/ohne |
| Garantie gegen Durchrostung |
12 Jahre |
7 Jahre |
12 Jahre |
| Mobilitätsgarantie |
5 Jahre |
2 Jahre |
unbegrenzt |
| PREISE/AUSSTATTUNG |
BMW |
JEEP |
VW |
| Modell |
X3 2.0i |
Patriot 2.4 Sport |
Tiguan 1.4 TSI Trend & Fun |
| Airbags Fahrer/Beif./Seiten vorn |
S/S/S |
S/S/N |
S/S/S |
| Kopfairbags vorn/hinten |
S/S |
S/S |
S/S |
| ESP (DSC) |
S |
S |
S |
| Xenon-Scheinwerfer |
1060 Euro ** |
N |
1270 Euro |
| Klimaanlage/-automatik |
S/550 € |
S/N |
S/315 € |
| CD Radio |
S |
S |
S |
| Sitzheizung vorn |
370 Euro |
N |
395 Euro ** |
| Automatikgetriebe |
N |
N |
N |
| Metalliclackierung |
790 Euro |
490 Euro |
500 Euro |
| Preis |
34.900 Euro |
24.490 Euro |
28.330 Euro * |
| S = Serie, N = nicht lieferbar; * inklusive 1470 Euro für 18“-Bereifung und inklusive160 Euro für Sportfahrwerk; ** Paketpreise |
| Die Wertung |
Punkte max. |
VW |
BMW |
JEEP |
| KAROSSERIE |
| Platzangebot |
30 |
26 |
23 |
23 |
| Kofferraum/Variabilität |
20 |
9 |
7 |
6 |
| Zuladung (Anhängelast) |
20 |
10 |
5 |
8 |
| Sitze/Sitzposition |
30 |
27 |
27 |
23 |
| Raumgefühl/Rundumsicht |
20 |
15 |
16 |
14 |
| Ausstattung/Bedienbarkeit |
30 |
27 |
26 |
22 |
| Sicherheitsausstattung |
30 |
19 |
22 |
15 |
| Qualitätseindruck/Materialien |
20 |
17 |
18 |
14 |
| Zwischenergebnis |
200 |
150 |
144 |
125 |
| ANTRIEB/FAHRWERK |
| Motoreigenschaften |
20 |
17 |
15 |
14 |
| Fahrleistung |
40 |
30 |
25 |
24 |
| Geländewertung |
10 |
5 |
5 |
5 |
| Fahrverhalten |
30 |
28 |
29 |
25 |
| Fahrgeräusche |
10 |
5 |
7 |
4 |
| Fahrkomfort |
20 |
17 |
16 |
15 |
| Getriebe/Schaltung |
20 |
18 |
19 |
16 |
| Lenkung/Wendekreis |
20 |
18 |
19 |
14 |
| Bremsen |
30 |
18 |
22 |
14 |
| Zwischenergebnis |
200 |
156 |
157 |
131 |
| KOSTEN |
| Steuer/Versicherung |
20 |
19 |
15 |
9 |
| Verbrauch/Umwelt |
40 |
31 |
26 |
28 |
| Garantie |
20 |
11 |
9 |
6 |
| Wartung |
20 |
16 |
17 |
13 |
| Aufpreisgestaltung |
10 |
7 |
6 |
5 |
| Wiederverkauf* |
10 |
10 |
10 |
7 |
| Preis |
80 |
59 |
42 |
68 |
| Zwischenergebnis |
200 |
153 |
125 |
136 |
| * ermittelt von Bähr&Fess Forecasts/ Saarbrücken |
| Gesamtpunktzahl |
600 |
459 |
426 |
392 |
| Platzierung |
|
1.* |
2. |
3. |
| Preis-Leistungs-Sieger |