Testfahrt im BMW X3 3.0i

BMW X3 3.0i BMW X3 3.0i

BMW X3 3.0i

— 10.12.2003

Ein Hoch auf den Dreier

BMW öffnet das nächste Kapitel der Akte X: Der X3 soll die Lücke zwischen X5 und 3er touring schließen. Fahrdynamisch gelingt ihm das perfekt, aber was hat BMW im Innenraum gemacht ...?

Fahrspaß auf Kosten des Verbrauchs

Das ist er: Oliver Martens, 36, ledig, Architekt in Düsseldorf, begeisterter Freeclimber und Mountainbiker. So oder so ähnlich stellt sich BMW seine Kunden für den neuen X3 vor. Folgerichtig ersetzen die Münchener den Buchstaben U im Kunstwort SUV durch ein A. Der X3 ist also ein Sport Activity Vehicle statt der sonst üblichen Sport Utility Vehicle.

Ein SAV also. Während der größere X5 seinen Fahrer wie ein gut gefütterter Wintermantel mit Pelzkragen einhüllt, sitzt der X3 wie eine Lederjacke: sportlich-eng und und passgenau für einen wie Oliver Martens. Er wird ihn wohl kaufen, den 40.300 Euro teuren Lifestyle-Wagen von BMW. Der Preis für den 3.0i (231 PS) und den 3.0-Diesel (204 PS) ist identisch.

Doch nur für "Wenn schon, denn schon"-Menschen dürfte die Anschaffung des Dreiliter-Benziners in Frage kommen. Ein Testverbrauch von knapp 13 Liter Super plus führt in jeder Kostendiskussion zu einstimmigem Kopfschütteln. Heftiges Nicken gibt es dafür in Sachen Fahrspaß. Der Reihensechszylinder passt sehr gut zum dynamischen Anspruch des X3.

Tückische Lastwechsel sind ihm fremd

Das Aggregat ist sehr drehfreudig und schmeichelt dem Ohr. So seidig läuft kein Vau-Sechser. Besonders durch die gleichmäßige Leistungsabgabe harmoniert der Dreiliter perfekt mit der Fünfgangautomatik. Nicht nur die Kraftentfaltung erinnert stark an den 330i, sondern auch das Fahrverhalten.

Respekt, Respekt: Lenkung und Fahrwerk sind für zügiges Fortkommen perfekt abgestimmt. Schnelle Wechselkurven sowie 90-Grad-Kehren bewältigt der X3 so leichtfüßig und souverän wie eine Sportlimousine. Der Geradeauslauf ist spürbar besser als beim X5. Tückische Lastwechsel sind ihm trotz der hohen Karosserie fremd. Das Eigenlenkverhalten ist minimal. Bei Annäherung an die Haftgrenze folgt er leicht untersteuernd den Vorderrädern.

Vor allem auf nasser Straße und unbefestigten Wegen verbessert der Allradantrieb natürlich das Fahrverhalten spürbar. Eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung verteilt die Antriebskraft zwischen Vorder- und Hinterachse blitzschnell und wirkt so wie eine mechanische Längssperre. Außerdem wird durch elektronischen Bremseingriff die Traktion an jeder Achse optimiert. Das X-Drive genannte System funktioniert so gut, dass es keine durchdrehenden Räder gibt.

Sobald an einem Rad Schlupf droht, wandert mehr Kraft an die anderen Ecken. Das bedeutet mehr Sicherheit und Fahrdynamik. Ein Hoch auf diesen Dreier. Nur auf der Autobahn kann er schon mal nerven. Selbst ohne das optionale Sportfahrwerk (130 Euro) leitet der X3 die typischen Querfugen im Beton sehr direkt an die Insassen weiter. Da hätte etwas mehr Feinabstimmung von Federn und Dämpfern gut getan.

Im Interieur enttäuscht der X3

Insgesamt fährt der X3 wie ein hoch gelegter 330xi touring. Oder ein geschrumpfter X5. Je nach Sichtweise. BMW öffnet mit seinem SAV-Pionier eine Marktlücke, die es bisher nicht gab. Sein Credo: Schnell fahren, schick sitzen, schön aussehen. Die erste Forderung erfüllt er bestens, doch an schick und schön sind leider Abstriche zu machen. Vor allem im Interieur enttäuscht der X3. Kunststofftürgriffe sowie Radioblende sind aus billig wirkendem Hartplastik. Grobporig spannt sich die Verkleidung über den Armaturenträger. Der Becherhalter ist wackelig. Versetzte Linien zeugen von Verarbeitungsmängeln. Das alles passt zu einem Kleinwagen, nicht aber zu einem 40.000-Euro-BMW.

Auch ergonomisch waren BMW-Fahrerplätze schon mal besser gestaltet. Drehzahlmesser und Tacho sind in drei Ebenen gegliedert und leuchten nachts orange. Das mag trendy sein; der Ablesbarkeit kommt diese Form- und Farbgebung nicht zugute. Der Sitzkomfort dagegen geht in Ordnung. Vorn gibt es breite Armauflagen für Fahrer und Beifahrer in den Türen. Die hohe Sitzposition erleichtert die Übersicht beim Einparken. Und auch im Fond sitzt man gut, die Kopf- und Kniefreiheit des 1,67 Meter hohen X3 reicht für große Personen aus. Der Kofferraum schluckt bis zu 1560 Liter Gepäck. Dennoch ist das Raumgefühl kaum besser als in einem Kombi.

Obwohl BMW-Chefdesigner Chris Bangle auf stilistische Spitzen à la Siebener verzichtet, ist auch der X3 äußerlich nicht frei von Diskussionsstoff. Große, schwarze Kunststoff-Stoßfänger dominieren Front und Heck. Von vorn schaut er deshalb etwas hochbeinig aus. Hinten sorgen Dachspoiler, zweigeteilte Rückleuchten und eine Vielzahl von Linien für unruhige Optik. Und in den wuchtigen Radkästen wirken sogar die aufpreispflichtigen 18-Zoll-Räder (600 Euro) eher klein.

Kosten und Ausstattungen

Eine rundum stimmige Formensprache sieht anders aus. Markenbewusste Großstädter wie Oliver Martens werden darum wohl tief in die Tasche greifen, um mit ihrem X3 den gewünschten urbanen Lebensstil auszudrücken. 50.000 Euro und mehr sind nach dem Studium der langen Sonderausstattungsliste schnell addiert.

Technische Daten und Testwerte

X wie Express. Beschleunigung (0 auf 100 km/h: 8,1 Sekunden) und Elastizität (80 bis 120 km/h: 5,5 Sekunden) bestätigen die sportlichen Ansprüche des BMW X3.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan Mut zur Lücke. BMW beweist ihn und bringt einen neuen Typus: SAV statt SUV, kompakt statt klotzig. Wer braucht so was? Ich bin überzeugt: Der X3 wird seine Käufer und vor allem Käuferinnen finden. Viel Bodenfreiheit und Platz, hohe Sitzposition sowie dynamische Fahreigenschaften liegen im Trend. Besonders im letzten Punkt kann BMWs kleiner Offroader voll überzeugen. Ähnlich dynamisch ist nur ein Porsche Cayenne. Sechszylinder-Fahrspaß und überragendes Handling setzen Maßstäbe, die schwer zu überbieten sind. Details und Qualitätseindruck bieten aber noch reichlich Raum für Verbesserungen. Und auch bei der Zuladung sollten sie nachlegen.

Kommentar und Leserurteil

Kommentar von Testchef Jürgen von Gosen Billig-Plastik zum Premium-Preis Der AUTO BILD-Qualitätsreport brachte es an den Tag: Nichts ist mehr so, wie es war. Qualität made in Germany ist auf dem Rückzug. Immerhin schaffte es BMW als beste deutsche Marke auf Rang fünf. Und nun das: Bei Materialanmutung und Haptik wiederholt BMW den Fehler, den Mercedes-Benz einst bei der M-Klasse machte. Speziell im Interieur wirkt er billig. Zu billig. Ein Luxus-Offroader mit Premium-Anspruch muss in diesen Punkten besser sein. Merke: Dieser Wagen kostet 40.000 Euro! Die Spar-Kommissare bei BMW haben hier offensichtlich die Oberhand bekommen. Sicher erfüllt das Material seinen Zweck und wird auch den Sicherheitsanforderungen genügen. Nur: Das Auge fährt mit, und Handanlegen ist bei diesem Armaturenträger wahrlich keine Freude. Die paar Euro mehr für ein hübsches Cockpit müssen einfach drin sein. Erst recht bei einem BMW.

Wie gefällt Ihnen der BMW X3? Testwerte sind harte Fakten. Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen aber nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den BMW X3. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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