Test BMW X3 3.0i

BMW X3 3.0i BMW X3 3.0i

BMW X3 3.0i

— 09.02.2004

Ein teurer Sport(ler)

BMW prescht vor: Der X3 soll vor allem in Europa neue Käuferschichten zu BMW bringen. Die müssen jedoch hohe Preise zahlen.

Preis klettert schnell auf über 50.000 Euro

Eine Lücke, noch dazu eine für den Hersteller lukrative, auf dem heutigen Automobilmarkt zu finden, scheint fast unmöglich. Aber wer sie entdeckt hat, den belohnt die Aussicht auf Erfolg – zumindest so lange, bis die Konkurrenz nachgezogen hat. BMW glaubt, eine solche Lücke gefunden zu haben: Einen sportlichen Luxus-Gelände-Allradler im Kompaktformat hat es bislang nicht gegeben. Sicher, wer die BMW-Brille einmal abnimmt, sieht schnell, dass etwa ein Land Rover Freelander 2.5 V6 oder sogar ein Hyundai Santa Fe 2.7 V6 objektiv betrachtet gar nicht so weit vom BMW X3 entfernt liegen. Sie sind gleich groß und haben auch einen Sechszylinder unter der Haube.

Aber beim Preis hören die Gemeinsamkeiten sofort auf, denn hier schlägt BMW gnadenlos zu: 40.300 Euro kostet der X3 3.0i mit 231 PS starkem Sechszylinder-Benziner in der Grundausstattung. Mit Automatikgetriebe, Ledersitzen, Xenon-Licht und Navigationssystem klettert der Preis blitzschnell auf mehr als 50.000 Euro. Der Abstand zum stattlicheren X5 ist kaum der Rede wert: Zehn Zentimeter weniger Außenlänge bringen eine Ersparnis von gerade mal 3650 Euro bei gleicher Motorisierung.

Das Platzangebot des X3 ist nicht berauschend, entspricht aber fast dem des größeren Bruders. Selbst hinten finden Erwachsene beim X3 ausreichend Knieraum vor. Nur bei Innenbreite und Sitzhöhe gibt sich der neue Kleine bescheidener.

Beim Handling macht ihm keiner was vor

Äußerlich wirkt der kleinere Bruder deutlich weniger wuchtig, ja fast schon leichtfüßig. Die Testwaage bestätigt den optischen Eindruck. Sie bescheinigt dem X3 rund 300 Kilogramm weniger bei gleicher Motorisierung. Mit 1860 Kilo Leergewicht ist der X3 zwar nicht gerade leicht wie eine Daunenfeder, aber die fehlenden Pfunde machen sich beim Fahren schnell bemerkbar. Mehr noch als mit den reinen Fahrleistungen überzeugt dieser BMW durch sein überaus agiles Fahrverhalten. So gut wie nichts spürt man von der typischen Trägheit traditioneller Geländewagen. Das kann man nun als positiv oder negativ empfinden.

Fakt ist, kein anderer geländetauglicher Allradler lässt sich derart sportlich bewegen wie dieser BMW. Dem dynamischen Anspruch der Marke macht er damit alle Ehre, wenn er folgsam und scheinbar ohne jede Anstrengung um enge Kurven wirbelt. Mit der leichtgängigen und feinfühlig abgestimmten Servolenkung gibt man instinktiv den richtigen Kurs vor. Da brauchen sich selbst sportliche Pkw-Fahrer kaum umzugewöhnen.

Die Kehrseite des wieselflinken Handlings: Wer durch den Kauf eines SUV bewusst die gemütliche, unhektische Alternative zum sportlichen Pkw sucht, wird sie im X3 kaum finden. Nur die erhöhte Sitzposition gegenüber dem Pkw schafft einen kleinen, aber doch bemerkenswerten Unterschied: Man fährt mit mehr Übersicht im Straßenverkehr, man sieht weiter voraus.

Griff in die Trickkiste der Allradtechnik

Um diese dynamischen Fahreigenschaften zu erreichen, genügt ein sauber abgestimmtes Fahrwerk und ein vergleichsweise geringes Gewicht allein nicht. BMW hat tief in die Trickkiste der Allradtechnik gegriffen, um zusätzliche Reserven zu mobilisieren. Durch einen variablen Allradantrieb wollte BMW den X3 in neue Dimensionen der Fahrdynamik vorstoßen lassen.

Ein Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung zu Vorder- und Hinterachse ist an sich nichts Neues. Die Techniker in Graz, wo der X3 bei Magna-Steyr gebaut wird, und in München kombinierten aber neu. Kernstück des X3-Allradantriebs ist eine Ölbad-Lamellenkupplung. Die Motorkraft wird über eine Kardanwelle direkt auf die Hinterachse übertragen. Zur Vorderachse gelangt die Kraft über besagte Lamellenkupplung.

Auch das ist beileibe nicht neu. Neu sind die ausgefuchste Betätigung und die Regeltechnik dieser Kupplung. BMW wollte den bisherigen Nachteil solcher Systeme umgehen: Das recht träge, oft zu langsame Einrücken des Allradantriebs. Bei Allradlern mit solchen Systemen dreht meist erst die primär angetriebene Achse durch, ehe endlich die zweite Achse zu Hilfe kommt.

Allradkupplung greift dem ESP vor

Beim X3 passiert das nicht. Die Elektronik nimmt beispielsweise schon ein verstärktes Gasgeben des Fahrers zum Anlass, den Frontantrieb zusätzlich zu beteiligen. Da müssen die Hinterräder noch gar nicht durchdrehen. In der Praxis ist das System zumindest auf der Straße auch mit bösem Willen kaum zu überlisten. Selbst der zackig reagierende Benziner-Sechszylinder antwortet einen Wimpernschlag langsamer auf das Niederdrücken des Gaspedals als der Allradantrieb.

Beim ebenfalls lieferbaren Turbodiesel, der prinzipbedingt viel langsamer reagiert, hat der Allradrechner naturgemäß noch weniger Zeitprobleme. Der X3 fährt auch auf Nässe oder Schnee energisch aus dem Stand an, ohne zu zucken, ohne zu rucken. Ein blitzschneller Computer und ein schneller Elektromotor, der die Lamellenkupplung des Allradantriebs öffnet und schließt, machen es möglich.

Doch diese Allradkupplung kann noch mehr. BMW benutzt sie, um in Kurven einen ausbrechenden X3 feinfühlig wieder abzufangen – und macht so einen unschönen ESP-Eingriff oftmals unnötig. Deshalb geht der X3 schneller in den Kurven.

Optionales Sportpaket macht wenig Sinn

Im Geländebetrieb mit weichem Boden oder Tiefschnee zeigt sich das System dagegen in einigen wenigen Situationen überfordert. Zwar kommt der BMW auch hier ordentlich aus dem Stand los, weil der Allradantrieb sofort nach dem Gasgeben aktiviert ist. Nach einigen Metern versucht der Rechner aber immer mal wieder, den zusätzlichen Frontantrieb einzusparen und lockert die zentrale Kupplung, um den X3 nicht zu steif wirken zu lassen.

Ist der Untergrund aber an dieser Stelle noch sehr weich, dann gräbt sich die stets angetriebene Hinterachse blitzschnell in die Tiefe, worauf der Rechner wieder vollen Allradantrieb befiehlt – manchmal aber zu spät. Der BMW steht dann und kommt nur mühsam wieder aus den Startlöchern. Dies scheint BMW jedoch bewusst in Kauf genommen zu haben. Der Vorteil einer solchen zurückhaltenden Allrad-Auslegung ist, dass es so gut wie nie zu Verspannungen im Antriebsstrang kommt oder gar Abstriche bei Komfort und Fahrdynamik gemacht werden müssen.

Den Antriebskomfort des X3 kann man allerdings auf der Straße nur genießen, wenn man auf das 2000 Euro teure Sportpaket verzichtet. Nur dann zeigt der X3 eine Feder-Dämpferabstimmung, die gekonnt einen tadellosen Federungskomfort mit hervorragendem Fahrverhalten kombiniert. Bestellt man das Sportpaket mit, bleibt nur das gute Fahrverhalten. Der gute Federungskomfort dagegen geht auf kurzen Unebenheiten wie Autobahn-Querfugen oder Kanaldeckeln fast vollständig verloren. Das Sportpaket brauchen nur Fahrer, die unbedingt die letzten 14 km/h Höchstgeschwindigkeit auskosten wollen. Ohne Sportpaket, das keine Tieferlegung umfasst, wird der X3 bei echten 210 km/h abgeregelt. Da für dieses Tempo jedoch reichlich Anlauf nötig ist, ärgert man sich in der Praxis nur selten über den sanften Abregler.

Kosten und Ausstattungen

Schaut man nun wieder durch die BMW-Brille, haben die Bayern mit dem X3 tatsächlich eine Lücke geschlossen – die zwischen 3er touring und X5. In Wahrheit wird der X3 aber zumindest in Europa dem X5 eine Menge Käufer wegschnappen. Denn hier zählt: Der Kleine ist das neuere Auto, das mehr Aufmerksamkeit erregt. Und 3650 Euro sind zwar nicht viel, aber immerhin auch Geld, das man einsparen kann, indem man X3 statt X5 wählt. Schließlich bekommt man ja auch kaum weniger – objektiv jedenfalls.

Fazit, Technische Daten und Testwerte

Fazit Respekt: BMW hat es geschafft, auch in diesem Segment einen echten BMW zu bauen. Der neue X3 ragt mit unnachahmlichem Temperament und spielerischer Agilität aus dem Bereich der Gelände-Allradler hervor. Der Fahreindruck passt bestens zum von BMW gepflegten Markenimage. Wer jedoch gehofft hat, der kleinere X3 würde auch vom Preis her unterhalb des X5 eine neue Klasse schaffen, der wird bitter enttäuscht. In der Praxis kosten beide um die 50.000 Euro, bei gleicher Motorisierung. So ist der X3 vor allem eines – für BMW-Fans eine interessante Alternative zum X5.

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