BMW X3 und X5

BMW X3 und X5

— 28.10.2003

SUV, SUVer, SAV

Ein paar Zentimeter mehr oder weniger machen die sich bemerkbar? Die X-Modelle von BMW: jetzt in gro und klein(er).

Mit xDrive vom SUV zum SAV

Und wieder eine neue Marktnische: Zwischen die kompakte SUV-Klasse la RAV4 und die ausgewachsenen SUV im X5-Format platziert BMW den neuen X3. Viel billiger als der grere Bruder ist er nicht bestellt man alle der zahlreichen Extras mit, ist die 60.000-Euro-Schwelle schnell berschritten. Aber der X3 bietet auch nicht viel weniger.

Die Fahrleistungen sind sogar etwas besser als bei den entsprechenden X5-Versionen. Besonders viel Wert legt BMW darauf, dass der X3 kein gewhnliches SUV (Sport Utility Vehicle) ist, sondern ein SAV (Sport Activity Vehicle). Diese Aktivitt lebt der X3-Fahrer vor allem auf der Strae aus: Die Gelndetauglichkeit stand nicht im Vordergrund, weil sie nach Ansicht von BMW von der ins Visier genommenen Kuferschicht ohnehin nicht bentigt wird.

Folgerichtig hat der X3 ebenso wie der X5 keine Gelndeuntersetzung und lsst es bei den Vortriebshilfen mit einer elektronischen Schlupfregelung per Bremseneingriff bewenden: Erst wenn die Antriebsrder deutlich einseitig durchzudrehen beginnen, greift die Elektronik ein und bremst sie herunter; so kommt wieder Kraft zu den gut greifenden Rdern. Eine berzeugende Vorstellung, die das neue xDrive-Allradsystem da abliefert.

Kurze berhnge, kaum Seitenneigung

Ausreichende Radlast vorausgesetzt, ist auch beim brsken Anfahren an Steigungen auf losem Untergrund kein Schlupf an den Hinterrdern feststellbar. Denn die schlaue Steuerelektronik reagiert nicht nur sehr schnell, sondern schliet die Kraft verteilende Lamellenkupplung beim Anfahren schon vorsorglich vollstndig, sie teilt also der Vorderachse 50 Prozent der Antriebskraft zu. So kommt man aus dem Stand prima von der Stelle.

Zwar betrgt die Steigfhigkeit beim Automatikmodell nur 50 Prozent, doch dank der Drehmomentverstrkung im Wandler kann man auch an derlei steilen Anstiegen noch recht problemlos anfahren. Die Karosseriewerte sind ebenfalls befriedigend fr ein Fahrzeug dieser Kategorie: 200 Millimeter Bodenfreiheit, 500 Millimeter Wattiefe, Bschungswinkel vorne 26 Grad, hinten 24 Grad dank kurzer berhnge.

Mit der Achsverschrnkung ist es allerdings nicht so weit her: 190 Millimeter (Index 68 Prozent) betrgt sie nach unserer vorlufigen Messung. Klar das Fahrwerk ist eben primr auf Straenbetrieb ausgelegt. Und dort berzeugt die an den 3er BMW angelehnte Radaufhngung auch voll und ganz: Verblffend zackig folgt der X3 den Befehlen der direkt ausgelegten Servolenkung (Servotronic: 230 Euro extra), lstig trges Untersteuern beim Einlenken unterbleibt. Die Karosserie baut in schnell gefahrenen Kurven kaum Seitenneigung auf; so wedelt der X3 flott und sicher ber gewundene Bergstraen.

X3: Sechsgangschaltung serienmig

Auf rutschig-feuchtem Asphalt ist die stabilisierende Wirkung des xDrive-Antriebs festzustellen das Fahrverhalten bleibt lange angenehm neutral, die sportlich abgestimmte Fahrhilfe DSC muss nur selten eingreifen. Zu diesem sportlichen Fahrwerk passt der Motor. Fr die ersten Testfahrten stand uns nur der strkste Motor zu Verfgung der Dreiliter-Benziner mit 231 PS. Daneben gibt es zum selben Preis den Dreiliter-Turbodiesel mit 204 PS und einen kleineren Benziner (2,5 Liter, 192 PS, 38.100 Euro mit Schaltgetriebe).

Alle drei Versionen haben serienmig Sechsgangschaltung; die Automatik kostet 2000 Euro Aufpreis. Und die passt gut zum groen Benziner: Spontan wechselt sie beim Durchtreten des Gaspedals die Fahrstufe; der Sechszylinder beginnt dann kernig zu rhren und schiebt krftig an. Auch wenn man nicht den Sport-Modus der Automatik vorwhlt, dreht der vibrationsfreie Reihenmotor behnde bis an den roten Bereich, ehe er ruckfrei die nchste Stufe einlegt.

Durchzug aus niedrigen Tourenzahlen ist weniger die Strke des Triebwerks. Das offenbart sich, wenn man das Getriebe im Handschaltmodus fhrt und manuell einen hohen Gang vorgibt. Dafr luft der Motor bei ruhiger Fahrweise und niedrigen Drehzahlen sehr leise und angenehm. Das passt zum komfortablen Innenraum: Die Sitze sind bequem und geben ordentlichen Halt, auch groe Fahrer haben genug Bewegungsfreiheit. Auf der Rckbank sind Erwachsene gut untergebracht und haben ausreichend Beinraum subjektiv kaum weniger als im X5.

Sportpaket fr 2000 Euro Aufpreis

Etwas knapper als im greren Bruder fllt der Kofferraum aus. Im "Keller" des Ladeabteils sitzen die Batterie und die Absenkmechanik des darunter hngenden Not-Ersatzrades. Pfiffiges Extra: Die unten mit abwaschbarem Kunststoff bezogene Abdeckung lsst sich wenden falls schmutziges Ladegut zu transportieren ist. Ebenfalls gut gelst: die einfach und variabel in seitliche Schienen einsetzbaren Verzurrsen (Extra) und das serienmige, in das Laderaumrollo integrierte Schutznetz.

Keine Bestnoten kann der Federungskomfort ernten. Schon das Serienfahrwerk ist sportlich straff abgestimmt, kleine Unebenheiten dringen deutlich durch. Grere Bodenwellen pariert die Federung aber gut. Wem das immer noch zu weich ist, der kann fr 130 Euro Aufpreis das Sportfahrwerk bestellen. Fr 2000 Euro wird daraus das so genannte Sportpaket, das 18-Zoll-Rder, Sportsitze und weitere sportliche Details auen und innen umfasst. Es ist die Voraussetzung fr den Wegfall der Tempo-Begrenzung bei 210 km/h: 224 luft der X3 3.0i dann nach Werksangabe. Die meisten BMW-Fans werdens wohl bestellen.

Technische Daten X3 3.0i Automatik Reihensechszlinder Benzin, vorne lngs vier Ventile/Zyl. Hubraum 2979 cm3 Leistung 170 kW (231 PS) bei 5900/min max. Drehmoment 300 Nm bei 3500/min Allrad permanent, elektronisch geregelte Lamellenkupplung (v:h 0:10050:50) 5-Gang-Automatik Einzelradaufhngung vorn und hinten innen belftete Scheibenbremsen vorn und hinten Reifen 235/55 R 17 Lnge/Breite/Hhe 4565/1853/1674 mm Radstand 2795 mm Leergewicht/Zuladung 1765/515 kg Kofferraum 4801560 Liter Tank 67 Liter 0100 km/h in 8,1 Sekunden Hchstgeschwindigkeit 210 (224) km/h Preis 42.300 Euro

X5: Kosmetik fr freie linke Spur

Die neue Nase mit der riesigen BMW-Niere fllt auf. Wenn der schwarze X5 im Rckspiegel auftaucht, machen die anderen sofort Platz. Zu Recht, denn hier kommt ein berdurchschnittlich gut motorisiertes Auto. BMW hat am X5 zum Modelljahr 2004 nicht nur etwas Kosmetik betrieben, sondern ging ans Eingemachte.

Neben der neuen Frontpartie hat sich vor allem unter dem Blech einiges gendert. Der Diesel (3.0d) bekam eine Common-Rail-Einspritzanlage der zweiten Generation, die bei unverndertem Hubraum die Leistung von 184 auf 218 PS und das maximale Drehmoment von 410 auf 500 Nm anhebt. Der 4.4i hat jetzt die neueste Ausfhrung des V8-Motors aus der 7er- und 5er-Baureihe unter der Haube, die Leistung kletterte von 286 auf 320 PS, das Maximal-Drehmoment bleibt bei 440 Nm. Nur den 3.0i-Motor (231 PS, 300 Nm) hat BMW so gelassen, wie er war.

Ein neues Sechsgang-Automatikgetriebe gibts beim 4.4i serienmig, beim 3.0i (serienmig Fnfgang-Schaltgetriebe) und 3.0d (serienmig neues Sechsgang- Schaltgetriebe) fr 2000 Euro Aufpreis. Der xDrive-Allradantrieb wie im X3 ersetzt in allen Versionen das bisherige Zentraldifferenzial.

3.0d strmt los wie ein Sportwagen

In der Praxis ist vor allem der Diesel kaum wiederzuerkennen. Sobald der Drehzahlmesser die Marke von 1800 Touren berschritten hat, strmt der X5 3.0d los wie ein Sportwagen. Die Automatik schaltet schnell und komfortabel, ihre sechs Gnge sind perfekt auf den Motor abgestimmt. Alle anderen Diesel-Gelndewagen in dieser Klasse haben gegen den X5 keine Chance mehr, selbst mit dem viel teureren Mercedes-Benz ML 400 CDI mit V8-Diesel kann der BMW jetzt mithalten.

Noch souverner und lssiger spurtet der 4.4i von der Stelle. Wirklich schneller als mit dem Diesel ist man aber im Alltag nicht unterwegs. Und an der Tankstelle kommt das dicke Ende knapp 17 Liter auf 100 Kilometer bei flotter Fahrweise. Sei's drum: Der groe Benziner ist eine Fahrmaschine. Nie hat BMW die Kletterfhigkeiten des Allradlers betont. Den "Gerll, Schlamm, und wie komme ich da blo durch?"-Test jedenfalls besteht er mit Bravour.

Grund auch bei der groen X-Variante: xDrive. Bei schneller Fahrt wird Unter- oder bersteuern reduziert, der X5 reagiert nahezu neutral. Das System arbeitet schnell wie ein Wimpernschlag, stabilisiert das Auto und schiebt den Grenzbereich deutlich nach oben. Heit: Der neue X5 fhrt noch einmal ein ganzes Stck agiler als bisher. Dynamischer fhrt momentan kein SUV der Welt. Den 34-Mehr-PS sei Dank.

4.4i gibt erst bei 240 km/h auf

Auf der Autobahn wandert die Tachonadel jetzt bis 240 km/h (vorher 206), und aus dem Stand beschleunigt der X5 4.4i laut Werk in sieben Sekunden auf 100 km/h. Auch wenn er das mit der optionalen 19-Zoll-Bereifung nicht ganz schafft, sind das eher Sportwagen- als SUV-Werte.

Antrieb und Motor harmonieren also hervorragend mit der bulligen Erscheinung des X5, der mit 4.4i-Triebwerk dem Porsche Cayenne S bedrohlich aufs Blech rckt. Und damit die Auenwelt mitbekommt, dass hier der frische X5 anrollt, hat BMW auch das Blechkleid berarbeitet. Die Niere hat jetzt ein wellenfrmiges Profil und glnzt bei den Achtzylindern titanfarben. Dazu gibt es einen zweigeteilten Lufteinlass und eine neu geformte Motorhaube.

Dass Aussehen und Fahrleistungen auf der Strae wichtiger sind als im Steinbruch, liegt auf der Hand. Denn so aufgefrischt, werden zeigefreudige Besserverdiener auch knftig gerne zum X5 greifen. Und natrlich der Landadel, der einen Pferdeanhnger standesgem von der nassen Wiese ziehen muss. Da sind die 2650 Euro Aufpreis (62.250) gegenber dem alten X5 4.4i gut angelegt.

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