Vier Sport-SUVs im Vergleich

BMW X4 M40i Jaguar F-Pace S Mercedes-AMG GLC 43

BMW X4/Jaguar F-Pace/Mercedes GLC/Porsche Macan: Test

— 24.11.2016

Schnelle Sport-SUVs im Vergleich

Die Sportversionen von X4, F-Pace, GLC und Macan fallen auf – optisch und akustisch. Was sie sonst noch draufhaben, klärt der Vergleichstest.

Sportliche Dekoration scheint eine ganz wichtige Sache zu sein. Nicht umsonst sieht man am Wochenende Leute jeden Alters in knallbunten Hexaethylen-Shirts, hautengen Lycra-Hosen und dicker GPS-Sportuhr mit Herzflimmeranzeige am Handgelenk beim Bäcker anstehen – obwohl es anschließend nur per Auto zurück zum Frühstückstisch geht. Sportlich dekoriert gehen auch unsere Testkandidaten BMW X4 M40i, Jaguar F-Pace S, Mercedes-AMG GLC 43 und Porsche Macan GTS auf Käuferfang. Und hier ist die ganze Deko nicht nur banale Schminke.

Mit seinem Klappenauspuff fällt der BMW X4 auf

Klangstark: Im "Sport"-Modus lässt es der BMW X4 M40i aus seinen Endrohren odentlich scheppern.

Alle vier haben es faustdick unter ihren mit Powerdomes und Lichtkanten verzierten Motorhauben: vier melodiös trompetende Dreiliter-Sechszylinder-Benziner mit mächtig Ladedruck wollen mit satter Leistung beeindrucken, aber auch mit fein abgestimmtem Motorsound. Das kann man als spätpubertäre Angeberei abtun, es trifft aber ganz offensichtlich den Nerv zahlreicher Fans klassischer Hubkolbenmotoren. In Zurückhaltung üben sich die vier aufgebrezelten Kandidaten auch akustisch nicht. Alle machen sie von der Möglichkeit Gebrauch, die EU-Geräuschgrenzwerte mit Hilfe eines elektrisch einstellbaren Klappenauspuffs zu umgehen. Ganz legal und ziemlich laut, wenn man die entsprechenden Tasten oder Menüs anwählt. Der BMW X4 in seiner neuen Sportversion M40i ist da beispielhaft: Er startet immerhin halbwegs nachbarschonend, röhrt und sprotzelt aber im "Sport"-Programm schon recht auffallend. Sonst ist er trotz der Spoileroptik ein überraschend alltagstauglicher Geselle mit verträglicher Lenkung, nicht zu engen Sportsitzen und halbwegs komfortablem Fahrwerk.
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Beim Motor geht der Jaguar F-Pace einen Sonderweg

Spontan leistungsbereit: Der Kompressor-V6 des F-Pace stellt seine 380 PS unmittelbar zur Verfügung.

Den Fahreindruck beherrscht jedoch ganz klar sein Motor. Der zieht auch ohne Drehzahlorgien im unteren Drehzahlbereich mächtig an und arbeitet gut mit der Automatik zusammen. Der einzige Reihensechser im Feld klingt vor allem ab 4000 Touren faszinierend nach Rennsport und geht auch entsprechend gut. Allerdings stets erst nach einer spürbaren Turboverzögerung – nicht nur beim Anfahren, sondern selbst beim Gasgeben bei 3000 Touren. Viel spontaner zieht der Motor des Jaguar los. Kein Wunder, denn als Einziger bemüht der Brite keinen Abgasturbolader zur Aufladung, sondern einen per Riemen vom Motor selbst angetriebenen Kompressor. Ergebnis: Beim F-Pace muss man nie nach dem Gasgeben auf den Ladedruck warten; er ist einfach da. Und deshalb fühlt sich der Dreiliter-V6 eher wie ein 4,5 Liter großer Sauger an. Einzigartig auch die Geräuschkulisse: Der Jag mit dem schlichten Zusatz S säuselt bei sanfter Fahrweise dezent, trompetet aber beim Gasgeben umso kerniger los. Dazu mischt sich im Hintergrund das helle Sirren des Kompressors. Ein schaurig-schöner Genuss für Motorenliebhaber.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Beim Fahren fordert der Jaguar etwas mehr Hingabe vom Fahrer als der BMW. Denn die F-Pace-Lenkung erfordert mehr sportliche Haltekräfte in Kurven, das Fahrwerk teilt auf kurzen Unebenheiten herbe Stöße aus – passend zu den reichlich straffen Sitzen. Immerhin sind diese nicht zu körpernah geschnitten, wie auch der Jaguar überhaupt viel Raum bietet, sogar besonders viel im Kofferraum. Anders als die Konkurrenz trägt der Brite keine wilde Spoiler und Schürzen. Die Außendekoration beschränkt sich auf matte Zierrahmen.
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Mercedes untermauert seinen Anspruch optisch am stärksten

Hoppla, jetzt komm' ich: Der Mercedes trägt volles AMG-Ornat und damit besonders dick auf.

Besonders dick trägt der Mercedes auf. AMG-Frontspoiler plus AMG-Heckschürze mit akuter Bordstein-Berührungsgefahr, feuerrote Sicherheitsgurte und überdimensionale Vierfach-Auspuffblenden bedienen die Hoppla-jetzt-komm-ich-Attitüde. Abfinden muss man sich auch mit dem wulstigen Sportlenkrad. Dafür überrascht der AMG-GLC mit seinem Federungskomfort. Das ist keine rasende Hoppelkiste, sondern ein sauber abgestimmter Reisewagen, der trotz Superquerschnittsreifen sogar kurze Unebenheiten passabel abfedert. Dabei helfen auch die bequemen Sportsitze. Zunächst etwas enttäuschend hohl klingt der Mercedes-V6, der trotz großspuriger 43er-Typbezeichnung auch nur drei Liter Hubraum hat wie die anderen. Erst wenn die Maschine per Gaspedal etwas gefordert wird, trompetet der Sechszylinder dafür umso heftiger los. Er reagiert deutlich spontaner auf Gaspedalbewegungen und mit weniger Turboverzögerung als der BMW-Motor. Das führt dazu, dass der Mercedes schon aus dem Stand recht spontan lossprintet und dann wie entfesselt voranstürmt. Die Automatik bleibt gern etwas länger in den kleineren Gängen, was natürlich den Verbrauch hochtreibt. Der liegt im Test bei zugegeben vorwiegend sehr zügiger Fahrweise bei 14,4 Liter/ 100 km. Man kann mit diesen Autos aber auch mit 10,5 bis 11 Litern auskommen, wenn man es verhaltener angehen lässt.
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Der Macan GTS erzielt die besten Fahrleistungen im Test

Der Porsche unter den SUVs: In 4,7 Sekunden stürmt der Macan GTS auf Tempo 100 und schafft 256 km/h.

Nochmals 0,2 Liter/100 km mehr als der Mercedes nahm im Test der Porsche zu sich; er entschädigt dafür mit den knapp besten Fahrleistungen dieses Quartetts. Als Einziger ist der Porsche nicht auf 250 km/h limitiert. Doch davonfahren kann der Macan den anderen deshalb nicht wirklich. Denn er benötigt ab 240 km/h viiiel Anlauf für jeden zusätzlichen Tempozuwachs, genau wie die drei Konkurrenten auch. Die Abregelung bei 250 km/h muss man dort also nicht wirklich bedauern. Der Macan GTS röhrt dafür bereits ohne Tempoexzesse stets kräftig, bei geöffneten Auspuffklappen heftig. Dramatischen Schub entwickelt der Porsche-V6 nach dem Gasgeben aber stets erst nach einer störenden Turbopause, die selbst bei 4000 Touren noch gut spürbar ist. Einen geschliffeneren Eindruck macht das Fahrwerk. Der Porsche lässt sich mühelos und ohne Anstrengung schnell fahren. Lenkung und Fahrwerksabstimmung wirken unaufgeregt und überraschend komfortabel. Sehr angenehm sind auch die bequemen Sportsitze. Autofahrern mit klassischer Denke kommt zudem die Bedienung nahezu aller Funktionen per sichtbarer Tasten statt versteckter Untermenüs entgegen.
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Weitere Details zu den vier sportlichen SUVs finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv

Schnelle Sport-SUV im Vergleich

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: BMW X4 M40i, Jaguar F-Pace S, Mercedes-AMG GLC 43 und Porsche Macan GTS (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

07.10.2016

Preis:

1,00 €

Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Die Punktewertung geht so knapp aus, dass der Geschmack entscheidet. Der teure, aber komfortable und mit ordentlich Bodenfreiheit gesegnete Porsche sammelt die meisten, der BMW verliert allein wegen seines Coupéhecks etliche Punkte.

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