GLC Coupé vs. BMW X4

BMW X4/Mercedes GLC: Test

— 11.07.2016

Schräges Heck, großer Spaß?

Manche nennen sie Unsinn, andere die schärfste Mode auf Rädern. SUV-Coupés spalten das Fahrerlager. Mercedes GLC Coupé den BMW X4 im Vergleich.

Manche Dinge sind so überflüssig wie Erdbeer-Eis im Januar oder eine Fußball-WM in der Wüste. In diese Kategorie Nonsens fallen SUV-Coupés. Wir sollten sie Matsch-Quatsch nennen – diese modischen Hochsitze, die erst hoch- und dann wieder tiefergelegt werden. Aber bitte, wenn genug Käufer dafür viel Geld ausgeben – der Erfolg gibt dem BMW X6 und dem kleineren X4 recht. Klar, dass Mercedes da mitverdienen will. Ab November wird das GLC Coupé die Showrooms in Autoboutiquen verwandeln. Dann geht es mehr um Look als Leistung, um Prestige statt PS. Na schön, dann rollen wir den neuen Stern mit dem BMW X4 über den Catwalk.

Das Mercedes SUV-Coupé zelebriert den Macho-Look

Video: GLC Coupé vs BMW X4 (2016)

Duell der SUV-Coupés

Das beginnt mit einem Blick auf die Maße. Das GLC Coupé streckt sich länger (acht Zentimeter) und duckt sich flacher als der brave GLC – in diesen Proportionen steckt das Geheimnis seines Auftritts. Gedrungener, kraftvoller steht der Mercedes da, der X4 wirkt dagegen kastiger, aufrechter. Damit betreten wir das weite Feld des Geschmacks, der sicher heiß diskutiert wird. Nur so viel: Der GLC greift geschickt die neue, seitlich eingezogene Dachform der Mercedes-Coupés auf, der nach vorn geneigte Stern auf der großen Klappe spaltet die Fanlager. Was ist nun schicker – so was oder der hohe Bürzel am BMW X4? Das Filigrane, Leichte kommt bei Coupés ja gerade aus der Mode, die SUV-Coupés tragen maßgeblich dazu bei. Dort dominiert der Macho-Stil. Die Blechburg soll noch trutziger, noch stärker aussehen. Newcomer Mercedes treibt die optische Aufrüstung weiter voran. Verdunkeltes Glas ist Pflicht, der Testwagen trägt breite genoppte Trittbretter, die beim Aussteigen jedes Mal die Hose verschmutzen.
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In Sachen Qualität besteht beim X4 durchaus Handlungsbedarf

Etwas lässig verarbeitet: Wer über 50.000 Euro für einen X4 ausgibt, erwartet zu Recht höchste Qualität.

Egal, sieht fett aus. Ebenso das 20-Zoll-Rad von AMG, unter Entwicklern "das Optik-Rad" genannt, weil es so satt in den Radhäusern steht. Dass als Resultat der Abrollkomfort leidet – was soll’s, wer schön sein will, muss büßen. Ein spezieller Michelin-Reifen rettet zumindest die Zahnkronen vorm Zerfall. Bei solcher Optik-Dominanz erscheint es fast überflüssig, die eher unwichtigen Alltagsqualitäten der beiden Schlammsportler zu checken. Beide übernehmen Technik, Cockpit und Sitze von GLC und X3. Das sichert klare Bedienung, bequemen Einstieg, genug Platz vorne und beim BMW leider auch die luschige Verarbeitung. Wer über 50.000 Euro für ein Luxus-Auto ausgibt, mag keine schief eingepassten Lüftungseinsätze oder Handschuhfachdeckel. Dazu kommt: Die Sicht durch die schmalen Heckfensterchen ist erbärmlich, erst mit der Rückfahrkamera (bei Mercedes Serie, bei BMW 420 Euro extra) gelingt es, beim Einparken nicht ganze Häuser zu übersehen. Der BMW quält seine Passagiere hinten zudem mit einer tiefen froschartigen Sitzhaltung und einem harten Wulst in Steißhöhe. Dafür hat sein Kofferraum das praktischere Format und eine rückenfreundlich niedrige Ladekante. Anders herum beim GLC: Dort taugt der Fond mehr als das Ladeabteil.
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Mit hohem technischen Aufwand gelingt es GLC Coupé wie X4, den Nachteil von hohem Schwerpunkt und schicken flachen Reifenquerschnitten auszugleichen. So erhalten schon die schwächsten 2,0-Liter-Benziner (211 PS und 184 PS stark) serienmäßig Allrad und Automatik, um bei jedem Antritt, in jeder Kurve besten Grip zu haben. Mercedes spendiert ab der Basisversion zudem die Direktlenkung (15.1 statt 16.1 übersetzt) und das Sportfahrwerk mit 15 Millimeter Tieferlegung. So sinkt der Schwerpunkt weiter ab. Ergebnis: hmmh, ja, ähh, fährt sich etwas handlicher als ein GLC. War aber auch nicht schwer.

Beide Testkandidaten haben eine gute Abstimmung

Zwei Dickschiffe in Fahrt: Die Physik überlisten GLC Coupé und X4 nicht, Kurven können sie trotzdem.

Adaptive Dämpfer (Option) gleichen bei beiden zusätzlich Wanken aus. Trotzdem lässt sich die Physik nie austricksen. Da schieben samt Fahrer gut 1,9 Tonnen Richtung Kurvenrand, mit dem agilen Handling eines 4er oder C-Coupés können diese Dickschiffe nicht mithalten. Nein, diese Showtalente taugen mehr fürs flotte Geradeausfahren. Die nötige Dynamik garantieren im ersten Vergleich untypische Turbo-Benziner. Ihre Lader schaufeln knapp über Leerlauf ordentlich Drehmoment zusammen, die Sprintwerte wie 7,3 Sekunden bis Tempo 100 im GLC stellen gute Zeugnisse aus. Aber wie klingen die Motoren denn? Im X4 eher nach Beamter statt BMW, im Mercedes mischt ein Sportauspuff (ein weiteres Extra) zumindest ein künstliches Röhren nach innen. Die kernige Diesel-Folklore und sattes Drehmoment passen besser. Oder gleich ein Sechszylinder-Selbstzünder, den Mercedes später wieder als Reihenmotor (mit 258 PS) bringt. BMW ist da schon weiter und kommt im X4 35d auf 313 PS.

So ähnlich die Nobel-Deutschen wirken, gleich sind sie nicht. Die Sportsitze im X4 packen den Körper fester ein, die Achtstufenautomatik arbeitet immer ruckfrei, wo der Mercedes mit seinen neun Stufen manchmal noch haspelt. Bei Mercedes darf es eben immer etwas mehr sein. Das Coupé kostet gut 5000 Euro mehr als der "normale" GLC und liegt 945 Euro überm X4. Dafür gibt es serienmäßig das größere Siebenzoll-Display, Kollisionswarner, den Diamantgrill. Und bald auch ein günstiges Einsteigermodell. Doch ob sich Kunden für den 200d mit Heckantrieb interessieren? Vielleicht – wenn Trittbretter dran sind.

GLC Coupé vs. BMW X4



Technische Daten BMW X4 xDrive20i:Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn längs • Hubraum: 1997 cm³ • Leistung: 135 kW (184 PS) bei 5000/min • max. Drehmoment: 270 Nm bei 1250/min • Vmax: 212 km/h • 0–100 km/h: 8,1 s • Antrieb: Allradantrieb, Achtstufenautomatik • Tankinhalt: 67 l • L/B/H: 4671/1881–2089/1624 mm • Kofferraum: 500–1400 l • Leergewicht: 1815 kg • EU-Mix: 7,2 l Super/100 km • Abgas CO2: 168 g/km • Preis: ab 48.500 Euro

Technischen Daten Mercedes GLC 250 Coupé: • Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn längs • Hubraum: 1991 cm³ • Leistung: 155 kW (211 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment: 350 Nm bei 1200/min • Vmax: 222 km/h • 0–100 km/h: 7,3 s • Antrieb: Allradantrieb, Neunstufenautomatik • Tankinhalt: 66 l • L/B/H 4732/1890–2096/1602 mm • Kofferraum: 500–1400 l • Leergewicht: 1785 kg • EU-Mix: 6,9 l Super/100 km • Abgas CO2: 159 g/km • Preis: ab 49.445 Euro
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Mercedes strickt die Masche der SUV-Coupés noch dicker: Der flache GLC ist bulliger, extrovertierter und teurer als der X4. Dass er mehr Platz bietet, gerät zur Nebensache. Die Basisbenziner passen nicht zu diesen Bullen, die Diesel ziehen und klingen besser.

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