Vergleich: BMW X4 vs. Porsche Macan

BMW X4/Porsche Macan: SUVs im Vergleich

— 18.03.2014

Neue deutsche Trend-Typen

Was ist nur dran an BMW X4 und Porsche Macan? Ihre Größe, Leistung bis zum Abwinken und dahinter ein starkes Markenimage. Dennoch trennt die beiden Deutschen mehr, als man ahnt.

Sie sind fast auf den Zentimeter gleich groß, zielen auf dieselben Kunden und betreten fast nebeneinander die Bühne. Trotzdem werden der neue BMW X4 und der Porsche Macan sich anfangs kaum auf die Füße treten, so durchsichtig fädeln die Marken sie in eigene Nischen hinein: hier der Schöne, dort der Sportler. Was nur funktioniert, weil SUVs sich rund um den Globus gerade verkaufen wie verrückt. Und das bei Preisen ab 45.600 Euro – wo andere um Erfolg und Kunden bangen, vergleichen wir erstmals zwei garantierte Gewinner.

Technisch basiert der X4 auf dem X3

Video: Porsche Macan vs. BMW X4

Die neuen SUVs im Vergleich

Beginnen wir mit den Unterschieden. Der neue Macan, ab 15. März 2014 bei den Händlern, steht da wie ein großer, breiter Fels, den Millionen Stunden im Windkanal glatt geschliffen haben. Die umlaufende Haube, ein teures Alubauteil, lässt die Front wuchtiger erscheinen, das Heck strotzt vor Mut zur prallen, faltenfreien Fläche. Dieses SUV steht einfach schwer und stark da – mit 1940 Kilogramm und bis zu 400 PS. Dem X4 haben seine Schöpfer mehr Drama ins Blech gebügelt. Gleich zwei Sicken in der Flanke betonen die Keilform, die Abrisskante  steht wie beim großen Bruder X6 so provokant ab wie einem Hahn die Schwanzfedern. Den eleganten Dachschwung, mit dem höchstem Punkt überm Fahrerkopf, hätten viele Autos gern, die sich Coupés schimpfen und keine sind. Eine gelungene Show, die übertüncht, dass der X4 den gesamten Vorderbau bis zur Fensterkante der Vordertür vom facegelifteten X3 übernimmt. Ebenso die Einrichtung, in der jetzt mehr Klavierlack glänzt und das Radio Professional aufpreisfrei mitfährt. Nett, aber exklusiver Luxus sieht anders aus. Man sitzt vorn zwei Zentimeter tiefer als im Technikspender X3, hinten drei Zentimeter, weil die Sitzbank trickreich so weit nach unten wanderte, bis die Oberschenkel in der Luft hängen.
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Beim Design geht Porsche den konventionellen Weg

Konventionelles SUV: Der Macan macht mit seiner Dachlinie ganz klar weniger auf Coupé.

Immerhin gibt es drei Fond-Plätze, das haben die Entwickler aus Kundenbeschwerden am großen Vorbild X6 gelernt. Neues Murren wollten sie sich wohl sparen: Durch das schmale Rückfenster des X4 sieht der Fahrer beim Einparken so schlecht, dass der Parkpieper hinten gleich Serie ist. Verkehrte Welt: Denn der Porsche ist hinten praktischer. Längere Sitzfläche, mehr Kofferraum (maximal 1500 Liter) und größere Türausschnitte – der Macan macht mit seiner Dachlinie weniger auf Coupé, setzt stattdessen auf Markenimage und Familienähnlichkeit. Gleichteile sind hier ein Muss! Der Drehzahlmesser liegt in der Mitte, das Zündschloss natürlich links. Und auch die mächtige Mittelkonsole kennen wir von Carrera bis Cayenne. Wer im Macan-Kaufvertrag bei den Extras viele Häkchen setzt, der erntet dort ein endloses Feld voller Knöpfe. Hier nur ein kurzer Auszug: Offroad-Taste, Sport-Programm, Sport plus, Dämpfereinstellung, ESP aus, Start-Stopp-System aus und schließlich die Luftfederung, die sonst keiner in dieser Klasse bietet. Porsche verwendet viel Mühe darauf, die hohen Preise mit angeblicher Einzigartigkeit des Macan zu rechtfertigen. Er sei der "Sportwagen unter den SUVs" – als Titel so unsinnig wie "Schnellster der Elefanten".
Alle News und Tests zum Porsche Macan

Als ob Macan-Besitzer, wo sie schon nicht ins Gelände fahren, nun auf die Rennstrecken pilgerten. Tun sie nicht. Deshalb wird der 258 PS starke Diesel, der als Einziger im Alltag mit halbwegs erträglichem Verbrauch unter zehn Litern auskommen dürfte, auch der wichtigste Motor auf dem Heimat-Markt. Ausgerechnet beim Antriebsprogramm für Deutschland hat der X4 manchmal die Nase vor dem Macan. Bei den einzigen direkt vergleichbaren Aggregaten, dem Dreiliter-Diesel mit 258 PS, kommt der BMW etwas besser aus den Schuhen (5,8 Sekunden bis Tempo 100) und verbraucht laut Norm zwei Zehntelliter weniger.

Im Motorenprogramm ist noch Luft nach oben

Haube auf: Beim Motorenprogramm hat der X4 zunächst die Nase vorn – der Macan wird nachziehen.

Zudem bringen die Bayern vom Start weg einen Image-Burner: den 313 PS starken Top-Diesel mit Doppelturbo. Wetten, dass die Schwaben das nicht auf sich sitzen lassen? Die passende Antwort kommt so sicher, wie Audi sie mit den 313 PS im SQ5 schon anbietet. Zum Verkaufsstart schöpfen sie mit den starken Turbobenzinern vor allem auf den Übersee-Märkten erst mal den Rahm der Erstkunden ab. Dagegen erscheint das X4-Programm für Aufsteiger freundlicher, beginnt die Preisliste doch bei 45.600 Euro für den Zweiliter-Diesel mit 190 PS. Das sind gut 4000 Euro mehr als für einen gleich motorisierten X3, dafür gehören im SUV-Coupé unter anderem 18-Zoll-Räder, Xenonlicht, Parkpieper und die automatisch öffnende Heckklappe zur Serienausstattung. Rechnet man diese Extras raus, beträgt der Mehrpreis gut 1000 Euro. Da wir bei Preisen sind, schnell noch ein Vergleich mit dem Macan: Nimmt man die direkten Diesel-Konkurrenten mit 258 PS, dann kostet der BMW 2830 Euro weniger als der Macan. Kunden schröpfen können also beide. Fest steht auch, dass die Angebote aufeinander zuwachsen. Beim X4 folgen mit Sicherheit stärkere Motoren, bis hin zum X4 M mit 431 PS ist alles denkbar.

Und Porsche kann noch so sehr auf die Sporttrommel hauen, die kleinen sparsameren Vierzylinder folgen irgendwann garantiert. Gut möglich, dass die beiden Schönlinge sich bald noch kräftig auf die Füße treten werden.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Zwei SUVs zum Vorzeigen: teuer, stark und chic gemacht. Der X4 spielt das engere, günstigere Coupé, der Macan eher den Vollwert-Viersitzer. Porsches Sportkombi, solange es keinen echten gibt. Wer einen will: lange Lieferfrist einplanen!

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