BMW X5

BMW X5 BMW X5

BMW X5

— 12.02.2002

Start aus Box 5

Hightech-Hochstapler oder talentierter Tiefflieger? Der BMW X5 will Sportauto, Geländewagen und Kombi in einem sein.

BMWs "Sports Activity Vehicle"

Würden sie Helmut Kohl zutrauen, auch nur 100 Meter gegen Joschka Fischer zu laufen? Wohl kaum. Können Sie sich vorstellen, dass ein zwei Tonnen schwerer, hochbeiniger Allradler eine sportliche Limousine auf der Nordschleife des Nürburgrings versägt? Sicher auch nicht.

Der BMW X5 hätte bei diesem ungleichen Rennen gute Chancen, als Erster über die Ziellinie zu preschen. Behaupten jedenfalls seine Väter. Und was so fährt, darf auch gleich eine neue Autoklasse definieren: BMW nennt sie SAV. Heißt übersetzt so viel wie sportliches Aktivprogramm im Hochformat. Wohl wissend, dass die Mehrzahl der Geländewagen ohnehin nie im Schlamm badet, setzten die Bayern kompromisslos auf "Onroad"- Fahrspaß.

Wer den erleben will, steigt in eine ganz neue BMW-Welt ein - nein, besser auf. Die breiten Türen öffnen weit, die Sitzposition ist vorbildlich - und so hoch über der Straße wie bei keinem BMW zuvor. Schon ein merkwürdiges Gefühl, einen Wagen aus dem sportlichen Hause so zu erfahren. BMW-typisch das Cockpit, diesmal jedoch nicht fahrerorientiert, sondern gleichberechtigt in einer Ebene. Schon unser Vorserienmodell, gebaut wie alle X5 im US-Werk Spartanburg, war einwandfrei verarbeitet, die Materialien wirken gediegen, Holzeinlagen und Leder (Serie) sorgen für gediegenes Ambiente.

Das Raumgefühl, vorn wie hinten, ist spürbar besser als in einem Fünfer-Kombi, mit dem der X5 übrigens außer der Ähnlichkeit kaum etwas gemein hat. Eine Besonderheit ließ sich BMW mit der Heckklappe einfallen. Sie ist geteilt. Das Blechteil klappt nach unten, Rahmen mit Fenster schwingt nach oben. Die Amis lieben die Vielseitigkeit, nutzen die Pritsche auch als Tisch.

Motor und Fahrwerk

Pfiffig auch die zwei Schalter am Heck (und am Dachhimmel), mit denen sich die hinteren Sitzlehnen elektrisch senkrecht stellen lassen. Gut, wenn große, eckige Güter transportiert werden sollen. Netto sackt der US-Bayer 465 Liter ein, 1550 Liter nach Umklappen der geteilten Lehnen. Kritisch: die geringe Zuladung bei der US-Version. Die deutsche soll rund 100 kg mehr bekommen. Die Kofferraumabdeckung heraus- und hereinzufummeln nervt. Hier hätte man von BMW eine bessere Lösung erwartet, vor allem in dieser Luxusklasse.

Die von uns getestete Topversion (Preis: 111.000 Mark) ist unterwegs mit dem aus 540i und 740i bekannten 4,4-Liter-V8. Er leistet 286 PS und 440 Newtonmeter. Solche Urgewalten haben leichtes Spiel - selbst mit solch einem Brocken von Auto. Die reinen Fahrleistungen sind beeindruckend, souverän und stets untermalt von einem kernigen V8-Sound. Die Fünfgangautomatik arbeit dabei so präzise und sanft, manuell könnte man die Gänge nicht besser wechseln. Der Grenzbereich in den Kurven liegt weit über der Legalität des alltäglichen Straßenverkehrs, und das vollmundige Nordschleifen-Versprechen klingt auf einmal gar nicht mehr so abenteuerlich. Dabei ist es erstaunlich, welche Top-Manieren die Ingenieure ihrem hoch gelegten Allradkombi mit auf den Weg gegeben haben. Das typische Wankverhalten eines Jeep Grand Cherokee oder der Mercedes M-Klasse ist hier längst nicht so ausgeprägt.

Auch die Bremsleistung des X5 passt eher ins Reich der Limousinen: nur 39,5 Meter aus 100 km/h. Dafür hat er bei den klassischen Offroad-Disziplinen Defizite. Ihm fehlt das Reduktionsgetriebe für den Kriechgang, die Aufgabe mechanischer Sperren übernimmt die Elektronik. Doch für die Expedition in die hinterste Ecke des Himalajas sind eh andere Typen zuständig. So wird der X5 wohl meist in der Hauseinfahrt gut situierter Großstädter parken. Für den Wochenendausflug zum Bio-Bauernhof, für die Fahrt ins Theater oder für die schnelle Autobahnhatz von Bonn nach Berlin. Vielleicht mit Kohl am Steuer.

Bewertung und Fazit

Karosserie und Innenraum Wer denkt, der X5 sei nur ein hoch gelegter Fünfer-Kombi, irrt. Bullige Erscheinung von außen, gutes Raumgefühl innen, US-Modell mit zu geringer Zuladung.

Motor und Getriebe Ein Gedicht an Laufkultur und Leistungsentfaltung. Gewaltiger Antritt, tolle Elastizität und eine Topautomatik. Verbrauch für die Klasse gerade noch akzeptabel.

Fahrwerk und Sicherheit Der X5 trägt im Wesentlichen das Fahrwerk des Siebeners unter seiner Karosserie. Gutes Handling, außergewöhnlich sportliches Fahrverhalten.

Komfort Durch die sportliche Auslegung hat der X5 nicht den weichen Charakter anderer Luxus-Offroader. Bequeme Sitze, guter Bedienkomfort, Ausstattung luxuriös.

Preise und Kosten 111.000 Mark liegen nahe der Schmerzgrenze (und unserer Werteskala) - drei Punkte. Auch Unterhaltskosten des X5 überfordern Normalverdiener bei weitem.

Fazit Es mag schnellere Geländewagen geben, aber keinen, der sich so sportlich limousinenhaft fahren lässt. Wer dazu das hohe Sitzen liebt, kommt voll auf seine Kosten.

Technische Daten

Technik Motor 8-Zylinder • Hubraum 4398 cm3 • Leistung 210 kW (286 PS) • bei Drehzahl 5400/min • Drehmoment 440 Nm bei 3600/min • Getriebe 5-Stufen-Tiptronic • Antrieb permanenter Allrad • Bremsen (vo./hi.) Scheiben/Scheiben • Testwagenbereifung 255/55 R 18 H • Serienbereifung 235/65 R 17 H • Kofferraum 465/1550 Liter • Tankinhalt 92 Liter • Länge/Breite/Höhe 4667/1872/1707 mm • Wendekreis 12,1 m

Serienausstattung Fahrer-/Beifahrer-/Seitenairbags vorn • ABS • dynamische Stabilitätskontrolle • E-Fensterheber rundum • E-Außenspiegel beheizbar • ZV mit Fernbedienung • Automatikgetriebe • Klimaautomatik • Nebelscheinwerfer • Lederlenkrad

Extras Standheizung 2700 Mark • E-Schiebedach 2000 Mark • Navigationssystem 6700 Mark • Seitenairbags hinten 660 Mark • Xenonlicht 1640 Mark

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