BMW X5 II: Gebrauchtwagentest

BMW X5 II: Gebrauchtwagentest

— 22.06.2015

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Der BMW X5 ist extrem wertstabil. Doch wer einen kaufen will, sollte unten gucken. Denn die Allradler aus München fallen durch Ölverlust bei der Hauptuntersuchung auf. Ist der Luxusliner dennoch eine gute Wahl?

220 mm Bodenfreiheit, ein wirksamer Allradantrieb
und ein abschaltbares ESP bringen den BMW X5 II
auf losem Untergrund erstaunlich weit voran.

Doppelt so oft wie andere Autos fällt der BMW X5 der zweiten Generation bei der anstehenden Hauptuntersuchung durch Ölverlust auf. Bei unserer Leserbefragung zu diesem Fahrzeugtyp ergibt sich ein ähnliches Bild: Acht Prozent der X5-Fahrer bemängeln Ölverlus­te. Das ist schon eine relativ ho­he Quote bei einem derzeit ma­ximal acht Jahre alten 60.000-Euro-Oberklasse-Gefährt. Zumal die Beseitigung solcher Ölver­luste an Motor und Antriebsaggregaten zeitaufwendig und damit teuer ist. Ölverlust ist auch nicht damit entschuldbar, dass es sich beim BMW X5 trotz deut­schen Markennamens nicht um ein Made-in-Germany-Produkt handelt, sondern eigentlich um einen Amerikaner. BMW lässt den X5 bereits seit der ersten Ge­neration im BMW-Werk im US-Bundesstaat South Carolina fer­tigen. Also seit 1998; die Nummer 2 seit 2007.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

BMW setzt im X5 auf einen sahnig laufenden Reihensechszylinder.

So etwas trübt ein wenig die Bilanz, die ansonsten äußerst positiv ausfällt. Denn der X5 macht seinen Besitzern nur in Ausnahmefällen echten Ärger durch Pannen und Startversager. Eine Ausnahme: Eine Standhei­zung erhöht – wie bei heutigen Fahrzeugen mit ausufernder Elektronik nicht unüblich – die Ausfallquote, denn oft ist dann der Innenraum schön warm, aber der Motor bleibt anschlie­ßend stumm, weil nicht mehr genügend Batteriesaft für den Anlasser übrig ist. Ein X5 II auf dem Pannen­streifen ist ein noch selteneres Bild. Wenn überhaupt, dann handelt es sich um einen der ra­ren Fälle mit gerissener Steuer­kette im Sechszylinder-Diesel. Das kann ab 150.000 Kilometern passie­ren, aber es gibt auch zahlreiche Leser, die über 250.000 km mit dem ersten Steuerkettensatz zurückgelegt haben. Den Kettentrieb vorsorglich zu erneuern, ist keine gute Idee, denn das Erneuern des dreiteiligen Kettentriebs kostet beim X5 einen deutlich vierstelligen Betrag. Wenn eine gelängte Kette bei offener Haube schon Tackeroder Rasselgeräusche macht, ist das ein Warnsignal. Neben dem Ölverlust gibt es noch einen zweiten Prüfpunkt, der für Ärger bei einer anstehenden Hauptuntersuchung sorgen kann: die Vorderradaufhängung.

Nichts für Rückengeplagte: horizontal geteilte Heckklappe für den 620 bis 1750 Liter großen Laderaum.

Auch beim X5 II findet sich das BMW-typische Problem vorzeitig verschlissener Traggelenke und Stabilisatorenlager. Peinlicher Verarbeitungsmangel bei Autos bis Baujahr 2010: Wasser in den Rückleuchten, wodurch diese ausfallen können. Das liegt an eingesparten Dichtungen, die BMW durch billigere Dichtmasse ersetzt hat. Die Händler können aber eine Dichtung nachrüsten. Den BMW-Vertragswerkstätten geben die X5-Besitzer sehr gute Noten: 89 Prozent sind zufrieden mit der Arbeitsleistung der Mechatroniker, obwohl als durchschnittlicher Preis für eine große Inspektion über 650 Euro genannt werden.

Der Unterhalt ist extrem kostspielig

Fürstliche Beinfreiheit ist typisch für den BMW X5. Aber nur wenige X5 in Deutschland haben die 3. Sitzreihe.

Der größte Kritikpunkt betrifft eigentlich gar nicht den X5 selbst, sondern die Unterhaltskosten. Vor allem die exorbitanten Versicherungsprämien stoßen den Besitzern sauer auf, gerade bei den beliebten Dieselmodellen: Haftpflichtklasse 24, Vollkasko 31 – das ist kaum weniger, als man für einen Ferrari berappen muss. Warum schlagen die Assekuranzen so zu? Die Statistik sagt, dass der X5 bei Dieben sehr beliebt ist, zudem bei eiligen Vielfahrern, die viele teure Unfälle verursachen; dazu kommen noch teure Unfälle im Zugbetrieb, denn der X5 ist wegen seiner Anhängelast (2,7 bis 3,5 Tonnen) ein beliebtes Zugfahrzeug. Aber zu vielen Fahrern geht beim Gespannfahren und Rangieren offenbar das Talent aus. Einmal BMW-Fahrer, immer BMW-Fahrer? Fast sieht es so aus. Jedenfalls bei den Besitzern des X5. Ganze 70 Prozent wollen der Marke treu bleiben und wechseln auf den 2013 eingeführten X5 der dritten Generation. Nur zehn Prozent haben sich bereits entschieden die Marke zu wechseln. Einsamer Favorit dieser Wechselwilligen: der Porsche Cayenne. Und damit sparen Sie sogar Versicherung.

BMW X5 im autobild.de-Gebrauchtwagenmarkt

Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Der BMW X5 ist auch als Gebrauchtwagen teuer in Anschaffung und Unterhalt, aber dafür ein verlässliches Vielzweckauto. Wegen möglichem Ölverlust und verschleißgefährdeter Vorderachse sollte man auf einer frischen HU-Plakette bestehen.

Stichworte:

Allradantrieb SUV

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