BMW X5 im Gebrauchtwagentest

Sitze im gebrauchten BMW X5 Cockpit im gebrauchten BMW X5

BMW X5 im Gebrauchtwagentest

— 26.11.2010

Solider Selbstzünder

US-Produktion gleich Pfusch am Bau? Dieses populäre Vorurteil trifft auf einige Typen zu, nicht aber auf den BMW X5. Der Checker findet einen Dreiliter-Diesel, der trotz hoher Laufleistung noch voll im Saft steht.

Kinder, wie die Zeit rennt – ist es wirklich schon fast drei Jahre her, dass ich dem BMW X5 eine Checker-Folge widmete? In der Tat, es ist. Deshalb erfolgt hiermit eine Neuauflage. Wieder geht es um einen 2003er X5. Abermals ist es ein 3.0d, die begehrteste Variante. Nun schaut mich nicht gleich an, als ob mir nichts anderes mehr einfällt. Die Entscheidung ist wohlbedacht. Denn der X5 der ersten Generation ist nach wie vor höchst begehrt, was für ein breites Interesse innerhalb unserer Leserschaft spricht. Außerdem haben sich seine Gebrauchtpreise seit 2007 naturgemäß erheblich reduziert, die typspezifischen Mängel weiter verbreitet.

Gebrauchtwagenbörse: Gebrauchte BMW X5 im Überblick

Die teuren Pirelli-Reifen sind ein Hinweis darauf, dass der Vorbesitzer nicht an wichtigen Investitionen gespart haben wird.

Also geht es – anders als damals – nicht mehr um die Frage, was ein Vierjähriger mit 66.000 Kilometern für 27.000 Euro taugt, sondern ein Siebenjähriger mit 214.000 auf der Uhr für knapp 13.000 Euro. Sicherlich, es geht noch billiger: Die Untergrenze der X5-Diesel-Offerten liegt bereits im hohen vierstelligen Bereich. Doch das, was sich für 9900 oder ähnlich wenige Euros feilbietet, steht meist in Italien – oder zustandsmäßig außerhalb meiner Mindestanforderungen. Dieser Kandidat hier für 12.980 Euro (inklusive Umsatzsteuer) bringt laut Anzeigentext eher mit, was ich mir vorstelle. Erste Hand, Scheckheft lückenlos bei BMW – da lässt sich sogar die hohe Laufleistung von 213.596 km einigermaßen gelassen hinnehmen.

Spontane Probefahrt: kein Problem

Automatik, Leder schwarz, praktisch Vollausstattung: Auch diese Faktoren sprechen für den Wagen. Wie der überaus nette Händler, der offenbar dem arabischen Raum entstammt und mich sofort mit meinem Namen anspricht (respektive mit dem, den ich zur Tarnung verwende). Er bedauert, dass der X5 noch nicht aufbereitet sei, eine Probefahrt dürfe ich aber selbstverständlich gern unternehmen. In einer Stunde? Abgemacht. Bis gleich. Vor Ort bestätigt sich der kultivierte, seriöse Eindruck, den ich fernmündlich gewonnen hatte, rundum – bezüglich des Händlers und des X5 gleichermaßen.

Keine Dellen oder Kratzer

Mir wird das gewissenhaft geführte Wartungsheft vorgelegt, dann der Fahrzeugbrief. Kleiner Schönheitsfehler in Letzterem: Das Auto diente vor dem vermeintlichen Erstbesitz kurz als Dienstwagen der BMW-Niederlassung, ist also genau genommen zweiter Hand. Das Lackbild lässt sich unter der Schmutzschicht nur erahnen. Immerhin: Ich entdecke weder Dellen noch Kratzer, vor allem nirgends ein Indiz für eine teilweise Nachlackierung. Ebenso positiv fallen die Reifen auf. Weil sie noch recht frisch sind? Ja, das auch. Insbesondere aber, weil die teuren Pirelli Scorpion ein sicherer Hinweis darauf sind, dass dieser X5 mit zunehmendem Alter nicht zum Sparopfer wurde.

Keine Verschleißerscheinungen

Qualität hat ihren Preis: Es gibt zwar auch billigere Angebote, aber dieser X5 kann dafür rundum überzeugen.

Andersrum ausgedrückt: Rollt ein Auto auf Nankang, Roadstone oder ähnlich zweifelhaften Billigschwarten, ist mein Misstrauen geweckt. Denn dann hat es häufig auch an manch unentbehrlicher Investition gemangelt. Apropos Investition: Der X5-Anbieter erzählt mir beiläufig, aber sehr glaubhaft, er hätte den Wagen erst am Vortag von der ortsansässigen Mercedes-Niederlassung gekauft – wo ihn der Vorbesitzer gerade für eine neue GL-Klasse in Zahlung gegeben hatte. Na bitte. Die Probefahrt rundet das Bild schließlich ab. Selbst die Komponenten, die bereits bei manch deutlich weniger gelaufenem X5 Verschleiß zeigen, funktionieren perfekt.

Robuster Typ

Die Vorderachse ist straff, die Automatik schaltet, wie sie soll – nicht ruppig oder mit sämigem Gängeeinschleifen, was (gerade bei häufigem Anhängerbetrieb) ja für ein nahes Ende des Getriebes spricht, sondern knackig-direkt. Unterm Strich ist der BMW X5 der Generation eins (ab 5/2000, Diesel ab 4/01, Facelift 10/03) ein erfreulich robuster Typ – und dieses Exemplar ein besonders positives Beispiel. Deshalb ist sein Kurs absolut realistisch. Und unterm Strich interessanter als der vieler anderer X5, die bei ähnlichen Laufleistungen mit vierstelligen Preisen locken. Fazit: Der in Amerika gebaute X5 zeigt klar, dass BMW aus Qualitätsmacken früher gestarteter US-Produkte lernte – siehe Z3, aber auch Mercedes' ML-Klasse. Der X5 ist sogar robuster als einige seiner deutschen Pkw-Markenbrüder. Deshalb kann er bei gutem Pflegezustand besten Gewissens empfohlen werden.

Autor: Wolfgang Blaube

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