BMW Z4 3.0i

BMW Z4 3.0 BMW Z4 3.0

BMW Z4 3.0i

— 21.03.2003

Aufstieg gelungen?

Auf Z3 folgt Z4 – eine Nummer größer, viel wuchtiger und deutlich teurer. Der Aufsteiger will jetzt in einer anderen Cabrio-Liga spielen.

Deutschlands Antwort auf Alfa Romeo

Gut möglich, dass Z4-Fahrer für das Design ihres Autos immer ein paar flockige Ausreden auf der Zunge tragen. Etwa so: "Was soll’s, Crinkle-Hemden sind doch aktuell." Oder: "Mein Auto ist gerade schlecht gebügelt." Vermutlich aber halten sie einfach den Mund. Rücken stattdessen wortlos den Schlüssel für eine Probefahrt heraus und wissen: Dann ist Ruhe.

Denn BMW hat ein derart fahraktives Gerät auf die 17-Zoll-Felgen gestellt, dass der Z4 dir mit jedem gefahrenen Kilometer die Meckerfalten aus dem Gesicht zieht. Das Fahrerlebnis versöhnt mit der für viele doch recht gewöhnungsbedürftigen Optik. Ein Sieg für Bauch-Beine-Po über den Kopf. Im Kern ist der Z4 streng nach dem Roadster-Reinheitsgebot gebaut: Motor vorn, Antrieb hinten, dazwischen gerade genug Platz fürs große Fahrgefühl und für ein meterbreites Grinsen.

Im aktuellen Topmodell jubelt BMWs Bester, der 3.0-Sechszylinder, dessen Sound für den Z4 nochmals kerniger komponiert wurde – Deutschlands Antwort auf Alfa Romeo. Früher haben wir die Ohren an alten Italienern geeicht, heute sollten wir unsere Kinder am Z4 großziehen. Und das Schönste daran: Der Reihensechser geht, wie er klingt. 250 km/h Spitze erscheinen für ein Softtop zunächst akademisch, sind aber (abgesehen vom Getöse an der Fensterdichtung) problemlos zu fahren.

Fahrwerk für Genießer

Der Z4, aufgestiegen vom MX-5-Format auf Boxster-Niveau, erobert neues Terrain, auch mit dem sequenziellen Getriebe SMG (1250 Euro extra). Die beiden lustvoll geformten Schaltpaddel am Lenkrad, von Roadster-Puristen zuerst argwöhnisch beguckt, steigern das sportliche Vergnügen ins Gierige, wenn der nächste Gang in Rekordzeit hineinschnalzt oder die Elektronik beim Herunterschalten die Zwischengas-Fanfare bläst. Gänsehaut garantiert. Automatik-Liebhaber aber sollten das SMG meiden, die Schaltrucke sind nicht wirklich komfortabel.

Ausreichend Komfort dagegen bietet das straffe Fahrwerk, mit dem sich sogar Modepüppchen und Saisonkennzeichen-Fahrer anfreunden können. Wer die großen Radhäuser dagegen mit 18-Zöllern füllen will, sollte gleich weichere Federn mit bestellen. Oder leiden lernen.

Lernen können wir auch beim Lenken: Dass endlich eine elektrische Lenkung die Straße genauso schön wiedergeben kann wie die bisherige mechanische – es gibt einfach kein elektrisches Kondom mehr zwischen Asphalt und Hand. So zirkelt der Roadster um die Kurven, sicher eingefangen vom DSC, das leichte Driftwinkel gestattet. Achtung: Wer die Elektronik ausschaltet, hat alle Hände voll zu tun – das Heck kommt blitzschnell.

Das Design polarisiert innen wie außen

Freuen wir uns über mehr Kofferraum (240 statt 165 Liter), mehr Platz für die Beine und darüber, dass Lange nun so viel Luft haben, dass sie den Kopf nicht mehr zwischen die Dachspriegel stecken müssen. Aber müssen wir wirklich übers Interieur reden? In einem Roadster, in dem es ums Fahren geht?

Eindeutig ja. Weil das Design, das drinnen genauso gewollt wirkt wie draußen und ähnlich polarisiert, zumindest mich richtig ärgert. Es gibt zu wenig Ablagen, die Fensterheber liegen fummelig hinterm Türöffner, die Klimaregler verschwinden fast im Fußraum. Und nur fürs Radioeinstellen fährt ein klobiger Bildschirm aus dem Cockpit – so selbstbewusste Aufsteiger wie der Z4 sollten Unterhaltung eleganter zelebrieren, finde ich.

Technische Daten

Die Werksangaben für den Sprint auf 100 km/h (5,9 Sekunden) hat der Z4 nicht erreicht, dafür glänzt er dank kurzer Übersetzung vor allem im Zwischenspurt mit sportlichen Werten.

Kosten- und Ausstattung

BMW spart: Schon die Kofferraum-Einbuchtung ist nur grundiert statt durchgängig lackiert. Die Qualität des Z4 entspricht nicht dem, was Käufer von einem 40.000-Euro-Sportwagen erwarten.





Fazit und Wertung

Fazit Der Z4 sieht aus, als würde BMW seine Autos neuerdings schon in der Design-Abteilung crashen. Wie gut muss der Roadster dann sein, wenn man beginnt, ihn zu mögen? Der Zweisitzer besticht durch seinen exzellenten Motor, die direkte Lenkung und sein sportliches Kurvenverhalten – hier haben Könner wieder ein intensives Auto abgestimmt, dessen Fahrerlebnis unter die Haut geht. Lenkung und DSC sind schlicht Spitze. Leider hat BMW versäumt, ein gutes Auto auch gut und schlicht zu verpacken. Vieles wirkt zu gewollt: so, als müsse der Z4 sein Können unbedingt vorzeigen. Trotzdem fange ich an, ihn zu mögen. Die Nase bis zur A-Säule habe ich schon verstanden ...

Autor: Joachim Staat

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