BMW Z4 Coupé

BMW Z4 Coupé BMW Z4 Coupé

BMW Z4 Coupé

— 07.10.2005

Zugemacht

Endlich! Dieser BMW macht auch optisch wieder an. Wobei das Z4 Coupé nicht nur Showcar ist. Ab Frühjahr 2006 ist der Hingucker zu kaufen.

Knackige Proportionen und neue Dachkontur

Ein wirklich hübscher neuer BMW – wie lange ist das her? Eben. Beim Z4 Coupé begeistert dagegen nicht nur die Form, da stimmt sogar der Sound: das sonore Leerlaufröhren, das satte Teillastbrabbeln und das stereophone Vollgasbellen, das allen Alpha-Männchen in Hörweite direkt ins automobile Lustzentrum kriecht. Leider reicht der Platz heute nur zum kurzen 50-Meter-Sprint, denn fotografiert wird in einer denkmalgeschützten Halle, die mit superglitschigen Holzbohlen gepflastert ist.

Keine Frage – das Z4 Coupé macht was her. Knackige Proportionen, eine neue Dachkontur und dunkle 19-Zöller sorgen für einen imposanten Auftritt, der statt Regenwetters ein Blitzlichtgewitter verdient hätte. Der vordergründigste Showeffekt betrifft den Lack, eine matte Mischung aus Ofenrohr-Silber und Platinschmuck-Grau. "Die Reaktion auf der IAA war überwältigend. Deshalb wollen wir diese Lösung möglichst schnell in Serie bringen", verspricht der federführende Designer Adrian van Hooydonk. "Bei den Motorrädern ist der matte Lack bereits Realität, doch für Autos gelten verschärfte Anforderungen, zum Beispiel in puncto Steinschlagschutz."

Bis zur A-Säule ist das Coupé mit dem Roadster baugleich – doch dann geht die Post ab. Das Dach wölbt sich viel eleganter über dem Cockpit als das von zahllosen Spriegeln zerklüftete Stoffverdeck. Der Fugenverlauf der Heckklappe ist schlichtweg genial, denn die Stilisten modellierten das komplexe Bauteil entlang bestehender Linien. Die schildförmige Heckscheibe schließt bündig mit dem Blech ab; ein Scheibenwischer ist ebensowenig vorgesehen wie ein Spoiler. Die Abrißkante, die parallel zum dritten Bremslicht in den Deckel integriert wurde, erinnert nicht von ungefähr an den 6er.

Ein Shooting Brake kam nicht in Frage

Nachteile? Die Sicht nach hinten hängt stark vom Blickwinkel ab, die Ladekante ist hoch, der im BMW-Emblem versteckte Öffnungstaster dürfte schnell verschmutzen, und das Gepäckraumvolumen hat bescheidene Ausmaße. "Weil das Z3 Coupé sehr stark polarisierte, haben wir beim Z4 Coupé von Anfang an einen anderen Weg gewählt", verrät van Hooydonk. "Ein Shooting Brake, also eine Art Kombi-Heck, kam nicht in Frage. Statt dessen entschieden wir uns für ein scharf geschnittenes Fastback, das besser zu den Basisproportionen des Z4 paßt." Warum zeigt die Studie noch nicht das anstehende Facelift? "Alles zu seiner Zeit", lautet die Antwort.

So schön wie das Z4 Coupé von außen aussieht, so gediegen wirkt auch das runderneuerte Interieur. Vor allem die Werkstoffwahl überzeugt: Leder statt billigem Plastik, Alu- und Eloxteile statt gebürstetem Stahl, hochwertige Blenden und Applikationen statt schnöder Massenware. Alles, was man anfaßt, ist edel und mit viel Liebe verarbeitet. Die Sitze mit den geflochtenen Mittelbahnen, das Lenkrad mit den metallischen Speichen, die Schalter und Hebel, die Klinken und Griffe – erfüllt sich hier die Hoffnung auf ein spätes Wunder, oder geht es nur um unbezahlbare Premium-Träume?

"Natürlich kosten diese Sachen Geld", gibt der Stilist unumwunden zu. "Aber nicht jedes gelungene Detail ist notwendigerweise teuer. Die Zweifarbigkeit des Cockpits hat zum Beispiel überhaupt keinen Effekt auf das Budget. Und die wirklich exklusiven Extras wie das fast komplett belederte Armaturenbrett müßte man über die Individual GmbH anbieten." Das einzig Fatale an dieser kostbaren Kuschelecke sind die indiskutablen Platzverhältnisse. Die hintere Trennwand mit dem integrierten Rollo beschneidet nicht nur den Längsverstellbereich der Sitze, sondern auch die Lehnenneigung.

In 5,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100

Das tief ins Gesicht gezogene Dach zieht dort einen Scheitel, wo es fast schon weh tut. Und in der nobel austapezierten Pedalgruft müssen sich lange Beine aufgrund der durchhängenden Armaturenbrett-Unterkante unzumutbar einschränken. Fazit: Wer die 1,80 Meter-Marke überragt, sollte sich lieber einen Audi TT kaufen – der ist innen eine ganze Nummer größer. Abgesehen von dieser Einschränkung ist den Münchnern mit der Coupé-Studie ein rundum ausgewogenes Auto gelungen, das sich von allen Seiten sehen lassen kann.

Über die Cockpit-Architektur kann man geteilter Ansicht sein, doch die hochwertigen Oberflächen stehen außer Diskussion – ähnliches würden wir uns auch für das Serienmodell wünschen. Nur die in tiefen Höhlen kauernden Rundinstrumente, die aus Kostengründen vom X3 übernommen wurden, passen eher in einen Lieferwagen als in ein Sportcoupé. Adrian van Hooydonk nickt: "Auch wir haben dazugelernt – lassen Sie sich ganz einfach von den Modellpflegemaßnahmen überraschen ..."

Zum Abschied darf der 265 PS starke 3,0-Liter-Reihensechszylinder noch ein letztes Ständchen geben. Theoretisch könnte der 24-Ventiler den Zweisitzer in 5,7 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen und 250 km/h schnell machen. Doch diesmal geht es nicht um Zehntelsekunden beim Spurt, sondern um Millimeter beim Rangieren: Der Lastwagen, der das schimmernde Einzelstück zum Cargo-Jet nach Tokio bringen soll, wartet schon.

Autor: Georg Kacher

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