Bologna Motor Show 2008

Toyota Yaris Toyota Avensis

Bologna Motor Show 2008

— 03.12.2008

Update! Auto à la Bolognese

Die Automärkte stecken in der Krise, die meisten Hersteller tischen auf der Bologna Motor Show ein bekanntes Menü auf. Wirklich neu? Zum Beispiel Mazda3, VW Golf Plus und Toyota Avensis. Ein Messe-Rundgang.

Der Tisch ist gedeckt, doch der Appetit mag nicht so recht aufkommen. Die erste europäische Autoshow mitten in der Krise zeigt alle Anzeichen einer aufkommenden Krankheit – sie heißt Ratlosigkeit. Wie geht es weiter? Die Hallen der Bologna Motor Show sind am ersten Pressetag nur mäßig gefüllt. Journalisten durchqueren die Hallen mit einer gewissen Appetitlosigkeit. Das ist das Spiegelbild des italienischen Marktes, der momentan mit schwerer Grippe danieder liegt. Minus 29,5 Prozent im November, 138.353 Zulassungen gegenüber 196.125 im November 2007. Das schlechteste Ergebnis seit 1993. Nun war diese Messe nie die Oscar-Verleihung unter den Autoshows, Prunk und Glamour strahlte sie nie aus. Doch hier und heute spürt man, dass etwas Grundlegendes falsch läuft. Die Zeichen stehen nicht auf Party, sondern auf Überleben. Die sexy Hostessen versuchen den Frust wegzulächeln, ab und zu dringt laute Musik durch die Hallen, doch die Fassade bröckelt.

Trotz Krise bietet Bologna automobile Leckerbissen

Breitere Hüften, aber trotzdem 15 Kilo abgespeckt: Der neue Mazda3 tritt künftig gegen den Golf an.

Dabei bietet Bologna in diesem Jahr durchaus ein paar automobile Leckerbissen. Allen voran Mazda. Die Japaner haben sich entschieden, ihr wichtigstes europäisches Modell hier erstmals der Weltöffentlichkeit vorzustellen. Der neue Mazda3 Fünftürer war dann auch der Erste, der hier die Hüllen fallen ließ. Optisch orientiert sich der Golf-Konkurrent an dem Vorgänger. Etwas länger ist er geworden (plus fünf Zentimeter), etwas ausgestellter seine Backen, etwas konturierter die Seitenlinie. Und er soll abgespeckt haben. Bis zu 15 Kilo je nach Modell, mit einer noch radikaleren Diät wird erst der Nachfolger aufwarten. Da diese Dreier-Generation noch gemeinsam mit Ford (Focus) und Volvo (C30) entwickelt wurde, war das Potential zum abspecken nicht so groß, erklärt Design-Chef Laurens van den Acker, bei der nächsten Generation fallen dann konsequenter die Pfunde. Mit vier Motoren startet der Mazda3 gemeinsam mit dem Stufenheck im April/Mai 2009. Die Preise sollen bei rund 17.000 Euro beginnen. Etwas später wird Mazda einen neuen Zweiliter-Vierzylinder mit 150 PS und neuer Benzin-Direkteinspritzung nachreichen. Der wird dann erstmals auch eine Start-Stopp-Automatik an Bord haben.

Impressionen der Mazda3-Premiere gibt's im AUTO BILD-Blog

Auch der schicke Insignia kann kaum über die massiven Probleme bei Opel hinwegtäuschen.

Wir machen einen Abstecher in die nächste Halle. Opel. Wäre man gehässig, könnte hier auch stehen: Totalausverkauf wegen Geschäftsaufgabe. Die Stimmung ist irgendwie düster, wer sollte auch frohlocken angesichts der heutigen Mitteilung, dass Mutter GM nun doch sagenhafte 35 Milliarden Dollar zum Überleben benötigt. Der neue Insignia, der hier im Mittelpunkt steht, kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass Opel ein massives Problem hat. Immerhin rollt die angeschlagene GM-Tochter dann doch noch eine Weltneuheit auf die Bühne: den Zafira ecoFLEX Turbo. Dahinter steckt die aufgeladene Turbo-Version des Erdgas-Modells. Mit 150 PS soll sie 60 Prozent mehr Leistung bei nur sechs Gramm höherem CO2-Ausstoß bringen – Opel verspricht 5,3 Kilo Erdgas Verbrauch auf 100 Kilometer, was einer Emission von 144 g/km entspricht. Reichweite 370 Kilometer, zusätzlich sorgt ein 14-Liter-Benzintank für weitere 150 Kilometer Reichweite. Start: Januar 2009.

VW belebt den Golf Plus neu

Bar jeder finanziellen Sorgen tischt Toyota gleich ein paar Erfrischungen auf. Der neue Avensis steht hier – als Kombi und Stufenheck, vom Knirps Aygo gibt's ein schwerlich zu erkennendes Facelift, ebenso vom Yaris und vom RAV4. Kleine Designer-Kniffe, die geschickt den Grauschleier wegwischen. VW kehrt mit dem neuen Golf Plus zum Tatort Bologna zurück. Das Hochdachmodell des Bestsellers wurde hier vor vier Jahren enthüllt, und jetzt feiert auch der Nachfolger hier seine Premiere. Der Golf für die reifere Generation ist für VW enorm wichtig. Zu Zeiten, als der Kombi noch nicht auf dem Markt war, erreichte der Plus einen Anteil von mehr als 50 Prozent. Drei Monate nach dem Kompakt-Modell kommt der Raumgleiter mit Front und Heck im Stil des erfolgreichen Bruders, dazu die neuen Common-Rail-Diesel sowie aktuelle Komfort- und Assistenzsysteme. Fünf Benziner und vier Diesel gehen im Frühjahr 2009 an den Start, das normale Automatik-Getriebe entfällt komplett, es wird zukünftig nur noch das stufenlose DSG-Getriebe angeboten. Die Preise dürften bei rund 18.000 Euro starten.

Scirocco als R-Version mit 270 PS

VW zeigt den derzeit stärksten Scirocco als Studie R mit 270 Turbo-PS.

Zweites Bologna-Bonbon ist die R-Version des Scirocco. Denn auch in diesen Zeiten muss ein wenig Spaß sein. Offiziell ist das Power-Coupé zwar noch eine Studie, aber trotz aller Umweltbedenken – da sind sich alle sicher – wird das wilde Tier aus dem Käfer gelassen. Die R-Version basiert auf dem beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring so erfolgreichen Wettkampf-Scirocco, übernimmt viele Designelemente, hat aber statt 325 PS nur 270 unter der Haube. Diese werden per Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen auf die Straße losgelassen. Fürs Umweltgewissen bietet VW für den erstmals ab Werk eine Umrüstung für Flüssiggas an. Der Golf BiFuel bekommt einen modifizierten 1,6-Liter-Motor mit 98 PS, der auf Knopfdruck zwischen Benzin und Flüssiggas wechseln kann. VW verspricht im Benzinbetrieb einen Verbrauch von 7,1 Liter, entsprechend einen CO2-Ausstoß von 169 g/km. Wechselt man auf LPG, sind es 9,2 Liter vom deutlich billigen Gastreibstoff fällig, die CO2-Emissionen liegen dann bei 149 g/km.

Ein Turbo setzt den Erdgas-Passat unter Druck

Tankt Benzin oder Flüssiggas: Mit dem neuen Golf BiFuel bietet VW erstmals eine Umrüstung ab Werk an.

Auch mit dem Passat TSI EcoFuel fährt VW auf der grünen Welle. Der große Golf-Bruder bekommt den ersten Erdgas-Turbo. Für Sparspaß sorgt nun ein Lader, der den Vierzylinder im CNG-Betrieb Beine macht. 150 PS sollen die Limousine in 9,7 Sekunden auf 100 km/h treiben, 210 km/h Spitze werden angegeben. Der CO2-Ausstoß von nur 119 g/km macht zudem Appetit auf mehr. Ob dieser Hunger bei der nächsten Messe gestillt werden kann, ist eher fraglich. Dann zieht die Karawane nämlich nach Detroit. Ein Kollege unkte schon: "Da nehmt Euch mal lieber eine Taschenlampe mit – wer weiß, wie viele Lichter dann noch brennen."

Autor: Tomas Hirschberger

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