Fahrbericht Borgward BX7

Borgward BX7 im Test: Fahrbericht

— 23.05.2016

Ganz schön deutsch, dieser Chinese!

In China gibt es ihn schon zu kaufen, zu uns kommt der neue Borgward 2017. AUTO BILD fuhr ihn schon. Erster Eindruck: Hier kommt ein Europäer.

Herr Borgward fährt noch keinen Borgward. Jedenfalls nicht im Alltag. Christian Borgward (49), Enkel des großen Carl F. W., kommt im VW Passat CC. Die Autos, die wie er heißen, sind hierzulande noch knapp: Nullserien-Modelle aus chinesischer Produktion, die Borgward – das Unternehmen, nicht der Mann – für Probe- und Abstimmungsfahrten nutzt. Christian Borgward steigt gern ein, auch wenn es der Beifahrersitz ist. Sein Vater war VW-Vorstand, er ist mit Prototypen aufgewachsen.

Schnelle Käufer fahren den Borgward ein Leben lang sorglos

Selbstbewusst: Die ersten 10.000 chinesischen Käufer bekommen eine lebenslange Garantie auf den BX7.

Und sagt, obwohl er von Beruf Kaufmann ist, Sätze wie diesen: "Nicht irritiert sein, bei 3500 Umdrehungen hat er einen ganz leichten Verschlucker. Liegt wohl an der Elektronik. Die Entwickler arbeiten gerade daran." Es ist der letzte Schliff, demnächst fahren die ersten Chinesen einen neuen Borgward. Wenn sie unter den allerersten 10.000 Käufern sind, bekommen sie eine einzigartige Garantie: lebenslang. Die ersten neuen Borgward sollen nicht in sechster Hand verfallen, sondern Klassiker werden. Sie trauen sich was, die Borgward-Leute und ihre chinesischen Kapitalgeber. Und sie bauen ein Auto, das so gar nicht chinesisch wirkt. Jedenfalls nicht so, wie es europäische Tester in der Vergangenheit erlitten haben. Nichts am Nullserien-Borgward wirkt improvisiert. Die Türen schließen mit sattem "Whapp", das Sitzleder fasst sich fest und solide an. Ebenmäßige Nähte, das Steppmuster in Rhombenform, wie es Oldtimer-Fans von der Isabella aus den Fünfzigern kennen. Die galt als Qualitätsauto. Die Machart des neuen SUV wirkt genauso seriös.
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Vorne wie hinten bietet der BX7 den Passagieren viel Platz

Auf allen Plätzen des Borgward sitzt es sich gut, in Reihe zwei haben es auch Große bequem.

Der BX7 ist ein geräumiges Auto, auch hinten, wie es sich die chinesischen Käufer wünschen. Ihre Chauffeure werden sich wohlfühlen auf straffen Sitzen mit weitem Verstellbereich, der Fond macht auch hoch gewachsene Aufsteiger froh. In beiden Reihen sitzt es sich relativ niedrig, zumindest wirkt es so: Die hohe Schulterlinie zitiert Borgward-Modelle von damals. Sonst gibt es keine Retro-Elemente, abgesehen vom silbernen Borgward-Rhombus auf dem Lenkrad. Auch die klassisch-klaren Rundinstrumente entstammen noch dem analogen Zeitalter, aber gleich daneben leuchtet der große 12,3-Zoll-Monitor für das komplette Vernetzungsprogramm. Die Bedienung scheint logisch zu funktionieren, doch der Spielwert ist vorerst begrenzt: Die Navigation sagt die Route auf Chinesisch an. Und der Concierge-Service, den Borgward in Europa anbieten will, geht erst 2017 ans Netz.

Das Fahrverhalten wird bis zum Serienstart noch justiert

Komfortabel: Der BX7 federt auf langen Wellen geschmeidig, die Karrosserie wirkt steif und solide.

Wer hier mit Christian Borgward unterwegs ist, braucht ohnehin kein Navi, denn die Fahrtroute führt durchs Umland der alten Borgward-Heimat Bremen. Autobahn, Landstraße, Kraterstrecken, Kurven. Es ist wenig, was dabei stört. Windgeräusche oder Knistern sind es nicht, die Karosserie wirkt steif und solide. Die Federung arbeitet – zumindest auf langen Unebenheiten – geschmeidig. "Das Ansprechen auf kurzen Wellen wird noch besser", sagt Christian Borgward. Und die Lenkung, die braucht noch mehr Feingefühl und Rückmeldung, oder? "Ja, das ist die China-Abstimmung. Für Europa wird das anders." Ebenso wie der Antrieb: Im Nullserien-Borgward sitzt ein Vierzylinder-Benziner mit 2,0 Liter Hubraum und Turbo. Braver Motor, zieht tapfer durch, klingt aber ein bisschen reizarm. Diesel mögen die Chinesen nicht. Weshalb Borgward ab Herbst 2017 mit E-Antrieb oder Plug-in-Hybrid nach Europa kommen will.

Und, auch das: Borgward wird zum Knallerpreis erhältlich sein. In China beginnt die Preisliste für den Benziner bei 22.900 Euro. Das könnte in Deutschland auch noch ein paar andere VW-Fahrer als Herrn Borgward überzeugen.

Technische Daten Borgward BX7 T-GDI AWD • Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum: 1981 cm³ • Leistung: 152 kW (206 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment: 300 Nm bei 1500-5500/min • Vmax: k. A. • 0–100 km/h: k. A. • Antrieb: permanenter Allradantrieb, Sechsstufenautomatik • Tankinhalt: k. A. • L/B/H: 4713/1911/1694 mm • Kofferraum: 545–1377 l • Leergewicht: 1645 kg • EU-Mix: k. A. • Abgas: k. A. • Preis ab ca. 22.900 Euro (auf dem chinesischen Markt).
Christian Steiger

Christian Steiger

Fazit

23.000 Euro für ein 4,70-Meter-SUV! Okay, das ist der China-Preis. Und mit Elektroantrieb wird der Borgward BX7 sicher teurer. Ein Billigauto ist er jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Das Nullserien-Modell fährt klassenüblich gut und macht einen soliden Eindruck. Fehlt nur noch eine Mega-Garantie wie in China.

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