Bourdais gewinnt "German 500"

"German 500" auf dem EuroSpeedway

Bourdais gewinnt „German 500“

— 12.05.2003

Vollgas in der Lausitz

Der Franzose Sebastien Bourdais siegte beim ChampCar-Rennen auf dem EuroSpeedway. Gewinner der Herzen war Alex Zanardi.

"Freunde, startet die Motoren"

Mit Tempo 300 in die Zielkurve, auf die Bremse, Motor aus, raus aus dem Cockpit, Helm ab – das war's. Die letzten 13 Runden des Alessandro Zanardi sind gedreht, die große Rennfahrer-Karriere des kleinen Italieners ist am Sonntag auf dem EuroSpeedway spektakulär zu Ende gegangen. "Ich werde dem Motorsport zwar treu bleiben, aber nie mehr Rennen fahren", versicherte der 36-Jährige an jenem schicksalsträchtigen Ort, an dem er am 15. September 2001 dem Tod ins Auge geblickt hatte. Bei einem Horrorunfall verlor Zanardi beide Beine und fast das Leben. 20 Monate später folgte das Comeback als Abschiedstour. Letzte Ausfahrt Lausitzring.

"Dankeschön für alles", rief er in deutsch seinen fast 70.000 Fans auf den Tribünen zu. Zu Ehren seiner Fahrerkollegen änderte Zanardi für das fünfte Saisonrennen der Champ-Car-Serie spontan die traditionelle Start-Formel: "My friends, start your engines". Üblich ist seit Jahrzehnten das Kommando: "Gentlemen, start your engines".

Längst nicht so viel Aufmerksamkeit wie Zanardi bekam der französische Neuling Sebastien Bourdais, der die "German 500" bei herrlichem Sonnenschein gewann. Mit nur 8/100 Sekunden Rückstand kam Mario Dominguez als Zweiter vor seinem mexikanischen Landsmann Michel Jourdain ins Ziel. Nach 154 unfallfreien Runden musste sich der Kanadier Paul Tracy mit dem enttäuschenden zwölften Rang begnügen, bleibt aber punktgleich (66) mit dem Brasilianer Bruno Junqueira Spitzenreiter in der schnellsten Motorsportserie der Welt.

Tosender Beifall für Zanardi

"Ich habe eine tolle Familie, und die will ich nicht verlieren", erklärte Zanardi, nachdem er, kaum überraschend, den endgültigen Abschied vom aktiven Motorsport bekannt gegeben hatte. Außerdem fehle ihm die mentale Energie für den Nerven aufreibenden Sport: "Die Entschlossenheit im Zweikampf kann ich nicht mehr aufbringen." Aber für eine gute Show ist "Alex" immer noch gut. Jene 13 Runden, die ihm das Schicksal damals verwehrte, fuhr er vor dem Rennen zu Ende. Die Fans jubelten dem zweimaligen Champion noch einmal zu: So wurden die letzten 29 Kilometer für den Mann aus Bologna zum Triumphmarsch auf Asphalt. Auf den Tribünen erhoben sich die Fans von ihren Plätzen, spendeten rhythmisch Beifall – der Lärm übertönte fast das Röhren des 750-PS-Motors.

Eigens für sein beispielloses Comeback erhielt der beinamputierte Italiener die CART-Rennlizenz zurück. Das Auto mit "seiner" Nummer 66 war in den weiß-weinroten Farben von einst lackiert, das Cockpit umgebaut worden: Mit der Hand konnte Zanardi kuppeln, schalten und Gas geben, das Spezial-Bremspedal bediente er mit seiner Beinprothese. Als der Star um 13.41 Uhr – für immer – aus dem Cockpit kletterte, kannte der Jubel keine Grenzen. Kaum einer registrierte das Detail am Rande: Mit seiner besten Rundenzeit (37,487 Sekunden) hätte Zanardi am Sonntag auf der fünften Startposition gestanden.

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