Fahrbericht Brabus B 63 620

Brabus B 63 620: Fahrbericht

— 23.04.2015

Vollfettstufe

Einen Mercedes GL 63 AMG nochmals zu verstärken, ergibt eigentlich keinen Sinn. Brabus macht es trotzdem und erschafft ein 620-PS-Monster.

Ein Dreh am Zündschlüssel, und dann ist er da: der Motorboot-Sound, auf den ich mich seit Tagen freue. Das rhythmische Gurgeln eines Riva-Bootes, das im Morgennebel aufs Meer hinausfährt. Dabei klingen Biturbo-Achtzylinder üblicherweise eher unspektakulär, sagen allenfalls leise "Fauch!" Einem Tuner wie Brabus fällt da natürlich etwas ein. In der Mittelkonsole versteckt sich ein Aluknopf, mit dem sich der Klappenauspuff zwischen dezent und köpfeverdrehend umschalten lässt. Der Unterschied ist von außen deutlicher vernehmbar als von innen – es handelt sich eben um einen dick gedämmten Luxusliner.

Ein zusätzliches Steuergerät presst dem Motor die Leistung ab

Kraftpaket: Brabus tunt den 5,5-Liter-Biturbo in zwei Stufen – als 620- und 700-PS-Version.

Eigentlich gibt es keinen Grund, einen AMG-Mercedes nochmals zu verschärfen, aber die Bottroper haben eben einen Markt dafür gefunden. Für Autos wie dieses hier sind Kunden – 80 Prozent kommen nicht aus Deutschland – bereit, 154.325 Euro zu zahlen. Nach Bottrop finden auch Kunden, die für einen toprestaurierten Pagoden-SL 250.000 Euro hinblättern, dabei gibt es auch für 70.000 Euro anständige Exemplare. Aber für ein Quäntchen mehr Perfektionismus öffnet die Kundschaft hier gern die Geldbörse. Wir sind hier mit der 620-PS-Version des GL unterwegs, und das ist die harmlosere von zwei angebotenen Verschärfungsstufen – es gibt den B 63 auch mit 700 PS (Serie: 557 PS). Die Mehrleistung entsteht über ein Zusatzsteuergerät, und zwar über eines der aufwendig programmierten Sorte: Der Zusatzrechner verfügt über einen eigenen Kabelbaum, hebt nicht nur den Ladedruck an, sondern versorgt auch die Einspritzung mit geänderten Daten und greift die Daten der Ladedrucksensoren und Luftmassenmesser ab.

Das Fahrwerk hält mit der Leisterungssteigerung mit

Länge läuft: Der B 63 620 liegt so stabil, dass eigentlich das Gefühl der Übermotorisierung nie aufkommt.

Das Ergebnis erfüllt die gleichen Abgasvorschriften wie der Ausgangsmotor. Weil die Motorschutzfunktionen so erhalten bleiben, traut sich der Tuner drei Jahre oder 100.000 Kilometer Garantie zu geben. Der GL mutiert durch Modifikationen wie die 30-mm-Absenkung via Tieferlegungsmodul der Luftfederung zwar nicht gleich zum Sportwagen; ein Eindruck beängstigender Übermotorisierung entsteht beim Fahren aber nie. Schon ein serienmäßiger Mercedes GL lässt sich engagierter fahren als der noch sänftenartigere Konkurrent Range Rover aus England. Das liegt an der etwas zielgenaueren Lenkung und dem strafferen Fahrwerk. Die "Länge-läuft"-Fahrwerksgeometrie beruhigt den Geradeauslauf. Wobei bei hohem Tempo noch immer ein paar Schunkelbewegungen um die Längsachse spürbar sind, die sportwagengewohnte Umsteiger irritieren könnten. Theoretisch würde der Brabus 280 km/h schaffen, aber die montierten, durchaus noch Restkomfort bietenden Pirelli Scorpion Zero im Format 303/35 R 23 sind nur bis 270 km/h zugelassen. Ergo ist unser Exemplar bei 270 km/h abgeregelt.

Auch beim Verbrauch zeigt das Dickschiff keinerlei Verzicht

Man muss es sich leisten können: Auf 100 Kilometer zieht sich der getunte GL knapp 20 Liter Super rein.

Bei den Probefahrten in der dicht besiedelten Rhein-Ruhr-Region haben wir auch diese 270 km/h nie auskosten können. Ein 2,6-Tonner braucht eben etwas Anlauf. Regen setzt ein – wir lassen das lieber mit dem Ausfahren. Den größten Reiz entfaltet diese Landjacht ohnehin bei Landstraßenfahrt, weil dann die Geräuschkulisse so charmant wirkt. Traktoren sind im Zeitraffer überholt, danach bollern wir wieder genüsslich vor uns hin. Ein Genuss, der mit 19,6 Liter Super/100 km entgolten sein will, sagt der Bordrechner. Wem 620 PS nicht reichen, kann zur 700-PS-Version greifen. Dann sind Metallkats drin, die Turbolader überarbeitet und die Ansaug- wie Ladeluftrohre mit Gold bedampft, um die Motorraumhitze besser abzustrahlen. Kostet aber 14.000 Euro mehr. "Wir hätten auch 730 PS aus diesem Motor holen können", sagt Firmensprecher Sven Gramm. "Das hätten aber weder die Automatik noch das Verteilergetriebe mitgemacht." Einen Mercedes GL so herzurichten wie das von uns gefahrene Exemplar mit komplettem Bodykit, nimmt rund drei Tage Zeit in Anspruch.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Drei Bestellungen für den B 63 liegen zum Zeitpunkt unseres Besuches vor: eine aus Aserbeidschan, eine aus Texas, eine aus Polen. Keines der Autos wird dem andern gleichen. "Wir haben auch Kunden etwa aus der Spirituosenbranche, die ihr Auto in der Farbe ihres Kräuterschnapses haben wollen – das lässt sich machen …"

Autor: Rolf Klein

Stichworte:

SUV

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