Brabus Bullit Coupé 800: Fahrbericht

— 14.03.2012

Keine halben Sachen

Brabus kreuzt das Mercedes C 63 AMG Coupé mit dem leistungsstärksten V12, den die firmeneigene Produktion hergibt – eine exklusive Ausfahrt im Bullit Coupé 800.

Radau ist nicht sein Ding. Mit wohltuend tiefem, aber manierlich zurückhaltendem Grollen meldet sich das Brabus Bullit Coupé 800 beim Anlassen zum Dienst – der geschlossene Klappenauspuff wahrt bei jedem Start stets den nachbarschaftlichen Frieden. Zugegebenermaßen aufregende, aber auch extrovertierte Klangexzesse à la C 63 AMG Black Series meidet der Mercedes-Tuner – ebenso wie fettes Spoilerwerk – bewusst. Mit inneren Werten will man in Bottrop stattdessen imponieren. Der von Kopf bis Fuß überarbeitete, in das Mittelklassecoupé verpflanzte V12-Biturbo hat zweifellos das Zeug dazu.

Übersicht: Alle News und Tests zum C 63 AMG Coupé

Die Bremsen wurden in ihren Dimensionen den Extrem-Fahrleistungen angepasst.

800 PS und 1100 Newtonmeter schickt das Triebwerk nach einer Hubraumerweiterung von 5,5 auf 6,2 Liter sowie dem Einbau spezieller Kolben und Pleuel, optimierter Zylinderköpfe, Hochleistungsnockenwellen und größerer Turbolader an die Hinterräder – so weit klar, das kennt man bereits aus den Rocket-Modellen auf CLS- und E-Klasse-Basis. Und doch ist das Fahrgefühl im kleineren C-Coupé ein völlig anderes. Das knapper geschnittene Cockpit schmiegt sich enger um den Fahrer, ebenso wie die serienmäßigen AMG-Sportsitze, die der Tuner jedoch opulent mit eigens verarbeitetem Leder bezieht. Überhaupt fällt es im Innenraum schwer, schnöde Kunststoffteile zu entdecken. Ob Koffer- oder Fußraum, Türverkleidung oder Dachhimmel – überall findet sich eine geschmackvolle Mixtur aus gesteppter Tierhaut und Alcantara, angereichert mit diversen Carbon-Applikationen. Das dicke Triebwerk grummelt im Leerlauf leise vor sich hin. Beim Anfahren macht sich die sanft einrückende Nassanfahrkupplung bemerkbar. Ist sie dem gewaltigen Drehmoment gewachsen? Brabus-Entwickler Jörn Gander weiß zu beruhigen. Schwungrad und Kupplung sind kräftiger dimensioniert, dazu schützen eine geänderte Ölpumpe sowie ein größerer Kühler das Getriebe vor Fieberattacken.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Die serienmäßigen Schaltpaddel tauscht der Tuner gegen deutlich größere Aluminiumsicheln aus. Diese drehen sích mit dem Lenkrad mit.

Der gewaltige Koloss von Motor unter der Haube belastet die Vorderachse laut Tuner mit etwa 100 zusätzlichen Kilos. Dennoch lenkt das Bullit Coupé 800 direkt ein, legt einen größeren Eifer bei Richtungswechseln an den Tag als die Rocket-Modelle. Am Lenkrad sind auch die neuen, wie aus dem Vollen gefräst wirkenden Aluminium-Schaltsicheln untergebracht, die wesentlich größer ausfallen als die Serienpaddel. Eher trocken weitergereichte Bodenwellen machen klar, dass die flachen 20-Zöller und das mit Bilstein entwickelte Gewindefahrwerk gewisse Grenzen beim Fahrkomfort setzen. Schließlich soll das Bullit Coupé auch bei über 370 Sachen noch satt auf der Straße liegen; geschmeidiges Abrollen steht da erst an zweiter Stelle. Halb so schlimm, ist doch genügend Restkomfort vorhanden – und bereits die Ausgangsbasis C 63 AMG keine Sänfte. Hinter den neuen Rädern im Monoblock- R-Design arbeitet eine gut dosierbare Bremsanlage mit 380 Millimeter großen Vorderachsscheiben – eine bewusst gewählte Dimension, um den Einsatz von 19-Zöllern und so die Verwendung von Semislicks der Marke Continental Force Contact zu ermöglichen. Trotzdem ist das Bullit Coupé 800 gewichtsbedingt eher Autobahn-König als Track-Day-Talent.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Die urwüchsig-brachiale Kraftentfaltung des doppelt aufgeladenen Zwölfzylinders verdeutlich dies. Per Tastendruck öffnen sich die Auspuffklappen, hörbar freizügiger brodelt es aus den keramikbeschichteten Endrohren. Unter Volllast intensiviert sich das Grollen, die Lader schnauben lautstark, zischen beim Lastwechsel vernehmlich. Leider meint es das Wetter nicht gut mit uns. Trotz Sperrdifferenzial hat das ESP alle Schaltkreise voll zu tun, auf die Hinterräder losgelassene Drehmomentwogen zielgerichtet mit dem feuchten Asphalt zu verzahnen. 4Matic wäre nett – leider mangelt es unter dem Motor an Bauraum für die notwendigen Bauteile. So müssen rekordverdächtige Beschleunigungsorgien auf einen anderen, sonnigeren, trockeneren Tag warten. Zum Glück ist das Bullit Coupé kein monotalentierter Vollgas-Held, sondern meistert dank sensibler Gasannahme auch die Schleichfahrt. Genussgleiten auf dem Drehmomentmassiv kann schließlich ebenfalls Spaß machen.

Autor: Frank Wiesmann

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