Smart Brabus trifft Brabus Rocket

Brabus Rocket/Smart Brabus: Vergleich

— 11.08.2016

Zwergenaufstand

Zwei ganz böse Brabus-Brüder: Der stärkste Smart trifft auf den Rocket, eine S-Klasse der Superlative. Ein Vergleich der Unvergleichlichen.

Brabus ist seit 1977 eine feste Größe, wenn es darum geht, Autos mit dem Stern auf der Haube zu, ähhhh, zu veredeln – in den frühen Jahren mit durchaus zweifelhaftem ästhetischem Anspruch. Längst vorbei. Brabus ist vom Tuner zum Hersteller mit eigener Fahrgestellnummer geworden. Heute gilt es als hip, wenn du einen AMG noch bei Brabus-Boss Bodo Buschmann in Bottrop pimpen lässt. Die Qualität stimmt ebenso wie der Stil – das merkten sie auch beim Daimler.

Der aktuell stärkste Brabus lässt es so richtig krachen

Video: Smart Brabus vs Brabus Rocket T900 (2016)

Böse Brabus-Brüder

Seit 2002 gibt es ein Joint Venture; in Bottrop purzeln seitdem die stärksten und teuersten Smart aus den Werkshallen. Und jetzt eben der neue Smart Brabus. Aber ist das nur Marketing-Blabla – oder steckt auch im kleinsten Brabus etwas von der Faszination, die die echten Ballermänner ausmacht? Klären wir – und nehmen gleich den stärksten Brabus mit, den es derzeit gibt. Auf Basis des Mercedes-AMG S 65 mit doppelt aufgeladenem Zwölfzylinder entsteht in Bottrop eine Oligarchenlimousine, die über jeden Zweifel erhaben ist. 900 PS und elektronisch begrenzte 1200 Newtonmeter ergeben Fahrleistungen, die nicht so ganz von dieser Welt sind: null bis 100 km/h in 3,7 Sekunden, nicht einmal sechs Sekunden später stehen schon 200 km/h auf dem digitalen Tacho, und Schluss ist erst bei Tempo 350. Aus Rücksicht auf die Reifen ebenfalls elektronisch eingebremst. Folgerichtig heißt das Ding Rocket.

Dank gestraffter Federung geht der Smart gut ums Eck

Neue Dynamik: Mit dem überarbeiteten Fahrwerk kann der Smart jetzt auch zielgenau durch Kurven räubern.

Und der Smart? Bemüht sich mitzuhalten. Optisch gelingt das ganz gut. Quietschgelber Mattlack, die Felgen im gleichen Design wie beim großen Bruder, und mit dem neuen Frontspoiler macht er jedenfalls auf dicke Hose. Und auch die Fahrleistungen rücken den Smart ein ganz klein bisschen Richtung Sportwagen. Dank 170 Newtonmetern und Race-Start-Funktion braucht das Cabrio weniger als zehn Sekunden bis Tempo 100. Hört sich erst mal unspektakulär an – knallt im Cockpit des offenen Elefanten-Rollschuhs aber richtig. Zwergenaufstand eben. Zum Glück haben sie bei Smart beim jüngsten Modellwechsel aus einer kleinen, komischen Kiste ein echtes Auto gemacht. Zehn Zentimeter mehr Breite sorgen dafür, dass der Smart nun nicht mehr durch die Kurven bockt, sondern exakt dahin fährt, wohin der Fahrer auch tatsächlich will. Die von Brabus gestraffte Federung bringt ein besseres Fahrverhalten – man kann tatsächlich, ohne rot zu werden, die Worte Smart und Agilität in einen Satz packen.

Allerdings bietet der Smart Brabus ein kurzes Vergnügen – und das nicht nur wegen seiner 2,70 Meter Außenlänge. Denn auf der Autobahn ist ziemlich fix Schluss mit der Beschleunigungsorgie – bei 165 km/h wird das Cabrio eingebremst.Eine Geschwindigkeit, bei der Kollege Rocket gerade mal mit Leerlaufdrehzahl dahinrollt. Der Weg dorthin ist allerdings nicht einmal ansatzweise so spaßig, wie die nackten Zahlen anfangs versprochen haben. Die Rakete ist schlicht übermotorisiert.

Beiden Autos gibt die Veredelung eine souveränere Fahrkultur

Benz plus: Brabus macht aus einer jeweils guten Basis ein besseres Auto – beim Smart und bei der S-Klasse.

Das liegt an der Basis: Den Zwölfzylinder liefert Mercedes immer ohne Allradantrieb aus. Und so muss die Elektronik eigentlich immer die Leistung reduzieren, schon beim kleinsten Druck auf das Gaspedal stünde die Fuhre sonst quer – oder die vielen PS würden sich in Rauch an der Hinterachse auflösen. Erst bei Geschwindigkeiten über 150 Kilometer in der Stunde ist der Rocket dann in seinem Element, schiebt so brachial an, dass einem nach längeren Autobahnetappen derart der Nacken schmerzt, dass auch die feinen Massagesitze nicht dagegen ankneten können. Immerhin lässt einen der brutale Benz sonst völlig in Ruhe. Selbst schnelle Autobahnkurven lassen sich extrem präzise durchfahren. Wenn man sich denn traut. Jede Wette: Bei dem geht dem Fahrer der Mut immer schneller aus als dem Rocket die Contenance. So viele Unterschiede – und wirklich gar keine Gemeinsamkeiten? Doch. Denn bei beiden hat Brabus aus einer guten Basis ein noch besseres, sportlicheres Auto gemacht. Mit feinen Materialien im Innenraum, Power und souveräner Fahrkultur – quasi ein "Benz plus".

Leider hören die Gemeinsamkeiten an der Kasse nicht auf. Der Rocket liegt mit einem Grundpreis von 434.000 Euro eh außerhalb der Möglichkeiten von 99,999 Prozent aller Autokäufer. Und die 19.710 Euro Listenpreis für den Smart Brabus sind leider auch nur die halbe Wahrheit. Dach ab, Lack matt und ein paar Nettigkeiten mehr schrauben den Preis für unseren Testwagen auf 34.000 Euro.
Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Zugegeben, eigentlich kann man diese beiden Brabus nicht vergleichen. Smart und Rocket sind so weit voneinander entfernt wie Abu Dhabi und Bottrop. Was sie eint, ist ihre Souveränität, der extra Schuss Benz. Und die hohen Preise.

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