Brabus S-Klasse 850 (2015): Fahrbericht

Brabus S-Klasse 850 (2015): Fahrbericht

— 14.04.2015

S-Klasse-Monster mit 850 PS

Tuner Brabus pusht den Mercedes-AMG S 63 auf 850 PS und nennt ihn schlicht 850. Wie mächtig die laut bollernde V8-Luxus-Limousine zu Werke geht, zeigt unser Fahrbericht!

Video: MB Brabus 850 (2015)

So klingen 850 Pferde!

Der Brabus 850 schüchtert ein. Schon seine Basis, der Mercedes-AMG S 63 in der Langversion, ist mit ihrer Länge von knapp 5,25 Metern eine imposante Erscheinung. Durch den Karosserie-Kit des Bottroper Tuners bekommt die schwäbische Limousine eine diabolische Note: Der geschwärzte Kühlergrill, die aggressiv geschnittene Frontschürze mit den Carbon-Flaps, die riesigen anthrazitfarbenen 21-Zoll-Alufelgen (vorne mit 255er, hinten mit 295er Reifen) und die Vierfach-Auspuffanlage machen dezent, aber bestimmt deutlich, dass diese Limo nicht scherzt. Am Heck trägt der schwarze Koloss die unauffälligen Lettern der Macht: Brabus links, 850 rechts – selbstredend nicht in freundlich glänzendem Chrom, sondern mattem Anthrazit. Wer diesen düsteren Schriftzug beim Drängeln lesen kann, hat schon verloren, denn dieser Brabus-Bomber leistet sagenhafte 850 PS! Wir sind ihn im Rahmen des Conti-Tuning-Tags 2015 von Continental und AUTO BILD SPORTSCARS auf dem Handlingkurs des Contidroms gefahren.
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Innen Luxus, außen Bollern

Räder geradeaus, durchatmen, Vollgas geben. Dank Allradantrieb setzt der Brabus 850 seine Kraft optimal in Vortrieb um.

Im Innenraum herrscht Wohlfühl-Atmosphäre. Die serienmäßigen Sitze der AMG-S-Klasse sind weich gepolstert. Hier hat sich Brabus nicht verewigt, alles ist auf Serienstand: gediegen und bei der Materialanmutung ohne Fehl und Tadel. Das ändert sich zunächst auch nicht, wenn der Motor läuft. Ein gedämpftes Blubbern dringt von hinten aus dem Klappenauspuff. Das passt gut zum feinen Ambiente. Öffnet man die Schleusen im Abluft-Trakt des 850er Brabus, ändert sich die Soundkulisse schlagartig. Im Leerlauf gurgelt der auf knapp sechs Liter Hubraum (Serie: 5,5 Liter Hubraum) vergrößerte Biturbo-V8 dumpf wie ein Speedboat-Motor – kaum zu glauben, dass hier ein Turbo-Aggregat Dienst tut. Im Inneren bildet das ungehemmte Bollern den perfekten Kontrast zum Edel-Ambiente in Leder und dunklem Holz und bietet einen Vorgeschmack auf das Kommende.

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Räder geradestellen, durchatmen, Vollgas!

Im Innenraum herrscht die edle Wohlfühlatmosphäre der Serien-S-Klasse.

Die erste Überraschung beim Anfahren: Der Brabus 850 schießt uns nicht sofort ins Nirvana, obwohl uns Brabus mit dem Hinweis "Nicht erschrecken!" auf die Piste entließ. Die Gasannahme des aufgepumpten V8 ist feinfühlig. Der Brabus fährt sich entspannt und verschliffen. Die Siebengang-Automatik hält das Drehzahlniveau gering, bei knapp über 1000 Umdrehungen blubbert das Monster im Motorraum vor sich hin. Senkt der rechte Fuß das Gas in Richtung Brabus-Fußmatte, schiebt die Power-S-Klasse vehement an, der Klang wechselt von "drohend" zu "grollend". Bei Halbgas bleibt dem Beifahrer das Lächeln im Halse stecken – der Fahrer bekommt zumindest eine vage Vorstellung von dem, was bei Vollgas passiert. Letzte Kurvenkombination vor der Geraden: Die Luxuslimousine biegt ein, die Lenkung ist straff abgestimmt. Der große Brabus lässt sich behände um die Ecken zirkeln, auch wenn das hohe Gewicht (2070 Kilogramm) ihn etwas behäbig erscheinen lassen. Enge Ecken und schnelle Richtungswechsel macht er zwar mit, aber richtig warm wird er mit der Rennstrecke nicht – geradeaus liegt dem Brabus mehr: Lenkung aufmachen, kurz durchatmen und Vollgas!

1150 Newtonmeter drücken unerbittlich

Der Brabus 850 steht auf matt-anthrazitfarbenen 21-Zöllern.

Trocken schaltet die Automatik zwei Gänge nach unten, der V8 erhebt seine mächtig donnernde Stimme, der Bug des schwarzen Luxusliners bäumt sich auf und der Brabus schießt samt Besatzung auf einer ungeahnten Drehmomentwelle (1150 Newtonmeter maximales Drehmoment zwischen 2500 und 4500 U/min) die Gerade entlang. Für einen Blick auf den Tacho ist keine Zeit. Die Augen fixieren einen Punkt am Ende der Geraden und noch bevor man damit rechnet, ist man in der anvisierten Bremszone. Hier darf die Serienbremsanlage (vorne 390mm Scheibendurchmesser, hinten 360mm) zeigen, was sie kann. Ohne Murren bremst sie den schwarzen Riesen ein. Neben dem unglaublichen Punch, den die Turbo-Höllenmaschine entfesselt, beeindruckt vor allem die Unaufgeregtheit des Brabus. Fahrwerk, Bremsen und Getriebe gehen vor der bestialischen Leistung nicht in die Knie und machen jeden Kickdown zum Vergnügen. Der Allradantrieb beruhigt auf der teilweise feuchten Strecke und setzt den Vortrieb mit kühler Perfektion und ohne Schlupf um. Die hat natürlich ihren Preis. Die Leistungssteigerung des Testwagens schlägt mit rund 89.000 Euro zu Buche, Räder und Reifen (14.352 Euro) und der Bodykit (insgesamt knapp 13.200 Euro) kommen on top. Alles in allem verlangt Brabus rund 320.000 Euro für das getestete Fahrzeug.
So tunt Brabus den Motor
Hubraumerweiterung von 5461 ccm auf 5912 ccm durch eine neue Kurbelwelle mit mehr Hub, gefrästen Pleuel und Schmiedekolben mit größerem Durchmesser. Zusätzlich tauscht Brabus die Turbolader aus, verbaut eine eigene Auspuffanlage sowie eine neue Motorelektronik.
Technische Daten Brabus S-Klasse 850: Motor: V8-Biturbo • Hubraum: 5912 ccm • Leistung: 850 PS • Maximales Drehmoment: 1150 Newtonmeter • Leergewicht: 2070 kg • 0 auf 100 km/h: 3,5 Sekunden • Höchstgeschwindigkeit: 325 km/h (abgeregelt) • Testwagenpreis: 319.826 Euro

Brabus S-Klasse 850 (2015): Fahrbericht

Peter R. Fischer

Peter R. Fischer

Fazit

Über 115.000 Euro hat Brabus in diesen Mercedes-AMG S63 gesteckt. Sicher, eine galaktische Summe. Aber: Neben dem Luxus der Serie bietet der 850er Brabus erbarmungslosen Schub und irrwitzigen Sound gepaart mit begeisternder Perfektion. Was für eine Monster-Limo!

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