Breite Räder

Breite Räder – worauf achtet der Prüfer? Breite Räder – worauf achtet der Prüfer?

Breite Räder

— 21.09.2005

Worauf achtet der Prüfer?

Mit Betriebserlaubnis oder Teilegutachten dürfen auch ganz dicke Räder aufs Auto. Worauf sie bei Kauf und Montage achten sollten.

Ohne Zulassung droht der Ruin

Der Gebrauchtwagenkäufer von heute ist der Reifenkunde von morgen – so eine alte Händlerweisheit. Stimmt auch, zumindest bei unserem neuen Redaktionsauto, einem Audi A4 1.6. Die Vorgeschichte der alte Gummis ist mehr als unklar. Wer will schon mit einem eventuell beschädigten Reifen auf die Autobahn? Und wenn schon neue Pneus auf der Einkaufsliste stehen, sollen es gleich richtig breite Teile werden. Allerdings: Die spannenden Rad-Dimensionen fehlen leider im Fahrzeugschein unseres Basis-Benziners. Was aber auch kein Problem ist, sofern die Spielregeln des Gesetzgebers eingehalten werden.

Räder dürfen nur mit Zulassung des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) oder des TÜV verkauft werden. Der Verkäufer, ob Händler oder Privatmann, sollte also eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) oder ein Teilegutachten beilegen. Bei Rädern mit Teilegutachten muß das Auto immer einem Sachverständigen (DEKRA, GTÜ, TÜV) vorgeführt werden; liegt eine ABE vor, nur bei schwierigen Montageauflagen wie etwa einer Verbreiterung der Radläufe oder veränderte Reifengröße. Geht das Teilegutachten verloren, kann es nur über den Hersteller wiederbeschafft werden. Bei unseren neuen Alurädern von RH lag eine CD-ROM in der Verpackung, von der jederzeit das Teilegutachten geladen werden kann.

Geht die ABE verloren, darf das KBA den Radhersteller nennen. Wer das Teilegutachten bei einer Fahrzeugkontrolle nicht vorweisen kann, wird mit zehn Euro Bußgeld (§ 46 Abs. 3 und 49 Abs. 4 Nr. 5 StVO) zur Kasse gebeten. Noch viel teurer wird es mit nicht zugelassenen Reifen und/oder Rädern. Dann erlöschen Betriebserlaubnis und Versicherungsschutz für den Wagen. Und ohne Versicherung verstoßen Fahrer und Halter gegen § 6 des Pflichtversicherungsgesetzes. Folge: sechs Punkte für beide, bei einem Unfall haften sie mit ihrem Vermögen.

Für etwa 35 Euro gibts den Stempel

Dank Internet war unser Räderkauf übrigens mehr als einfach: Wir hatten das Glück, bei RH-Aluräder eine Komplettrad-Aktion zu erwischen. Nun rollt der A4 auf Speichenrädern der Dimension 8J 17 mit Dunlop 225/45 R17 für 199 Euro pro Rad. Regulär kostet das Rad bereits 165 Euro, der Reifen 132 Euro. Für die Montage wandern je nach Händler etwa zehn Euro über den Tisch. So haben wir 432 Euro gespart.

Was wir nur ungern empfehlen, sind Räder aus zweiter Hand. Die große Freude über das günstige Ebay-Schnäppchen ist dahin, wenn das Rad eiert oder beschädigt ist. Klar, Sie können nach der Auktion mit dem Verkäufer streiten. Aber eigentlich wollten Sie ja breite Räder und damit zufrieden fahren. Also, auf zum Händler. Denn der kennt sich aus.

Wurden alle Montagehinweise berücksichtigt und liegen alle erforderlichen Papiere vor, ist der Wagen einem Sachverständigen zu zeigen. Das ist keine Schikane des Gesetzgebers, sondern dient der Kontrolle und damit der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Das Rad darf mit seiner Lauffläche nicht aus den Radkästen herausragen oder an einer Stelle schleifen. Letzteres natürlich auch nicht, wenn das Fahrzeug bei einer Straßenunebenheit einfedert oder die Lenkung eingeschlagen wird.

Wenn dann auch noch alles mit dem Teilegutachten übereinstimmt, stellt der Prüfer am Computer die Bestätigung der ordnungsgemäßen Änderung gemäß § 19 Abs. 3 StVZO aus. Dabei führt er an, welche Änderungen in den Fahrzeugpapieren gemacht werden sollten; bei breiteren Rädern sind im Fahrzeugschein die Ziffern 20–23 zu ändern. Und zwar "bei nächster Gelegenheit", wie auf der Bestätigung so schön zu lesen ist. Der Check beim Sachverständigen dauert etwa 20 Minuten und kostet ungefähr 35 Euro.

Discounter, Fachhandel oder Internet?

Reifen und Räder gibt es bei Discountern wie ATU, im spezialisierten Fachhandel oder im Internet. Große Unterschiede gibt es bei den Preisen, denn Großhändler überlassen dem Einzelhandel die Preisgestaltung. Ein Vergleich lohnt immer.

Fragen Sie aber auch nach Serviceleistungen wie Montage, Wuchten und der Möglichkeit, Winter- oder Sommerreifen beim Händler einzulagern. Wir haben heftig gespart und unsere Kompletträder selbst montiert. Bis zum Winter verschwinden die Stahlräder im Keller, im Herbst lassen wir dann neue Winterreifen aufziehen (hier: Tips für die Lagerung).

Ein Fall für Fortgeschrittene: Distanzscheiben sorgen für eine breitere Spur. Generell darf dabei die Verbreiterung maximal zwei Prozent der Fahrzeugbreite betragen, ein weiteres Kriterium für die Breite der Distanzscheiben ist die Einpreßtiefe der Felge. Eine Dicke von 15 mm pro Scheibe stellt gewöhnlich kein Problem dar.

Distanzscheiben sind eintragungspflichtig, ein TÜV-Gutachten beim Kauf daher erforderlich. Eine Scheibe kostet ab 35 Euro, dazu kommen noch spezielle Radschrauben. Die Montage ist denkbar einfach. Das Rad abnehmen, Scheibe auf die Radnabe aufstecken und danach das Rad mit den neuen Schrauben montieren.

Autor: Nikolaus Eickmann

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