Bruno Senna über Abu Dhabi

Bruno Senna über Abu Dhabi

— 22.10.2009

"Im Tunnel wird’s haarig"

Das Saisonfinale der Formel 1 steigt am 2. November in Abu Dhabi. Autobildmotorsport.de veröffentlicht vorab exklusive Luftaufnahmen der neuen Rennstrecke.

Am 2. November ist es soweit. Das Saisonfinale der Formel 1 findet erstmals auf dem Yas Marina Circuit im arabischen Emirat Abu Dhabi statt. Die 5,554 Kilometer lange Strecke entwarf, wie auch den Kurs in Bahrain, der Aachener Architekt Hermann Tilke. Er wird entgegen dem Uhrzeigersinn gefahren. Highlight: Das Rennen wird erst um 17 Uhr Ortszeit gestartet - und endet unter Flutlicht bei Dunkelheit.
Der künftige Formel-1-Pilot Bruno Senna war zu ersten Testfahrten im Formel-1-Doppelsitzer schon vor Ort. Für autobildmotorsport.de erklärt er die Strecke im Detail.

Die Boxengassenausfahrt führt durch einen Tunnel

Rasante Streckenbesichtigung: ABMS-Reporterin Bianca Garloff rast im Doppelsitzer-F1-Auto über den neuen Yas Marina Circuit.

"Der Ausgang der Boxengasse ist eine ganz besondere Stelle der Rennstrecke. Es wird interessant sein zu sehen, wer dort Zeit verliert und wer nicht, wer also etwas mutiger ist und wer es übertreibt. Zunächst geht’s bergab in einem Tunnel unter der Rennstrecke durch, dann linksherum wieder bergauf und zurück auf die Piste. Die Mauern stehen meiner Meinung nach zu nah. Und wenn ein Auto am Boxengassenausgang crasht, ist der komplette Weg erst einmal versperrt. Da gilt es also, vorsichtig zu sein – besonders mit kalten Reifen. Und: Zwei Autos nebeneinander passen ganz sicher nicht durch den Tunnel."

In Abu Dhabi gibt es die längste Gerade im Formel-1-Kalender

Keine leichte Aufgabe: Die neue Rennstrecke in Abu Dhabi enthält viele tückische Stellen.

"Kurve 1 ist schneller als sie aussieht, auch wenn sie mehr als 90 Grad nach rechts abbiegt. Hier kannst du ziemlich spät bremsen, musst aber aufpassen, weil sich am Kurveneingang eine kleine Bodenwelle befindet. Im Moment bin ich noch nicht sicher, ob Kurve zwei mit Vollgas geht. In Kurve drei können die Piloten das Gas aber hundertprozentig stehen lassen, wenn genug Gummi auf der Strecke liegt. Leicht ist das aber trotzdem nicht, denn die Kurve führt über eine Kuppe. Den Ausgang musst du deshalb blind fahren. Im Anschluss folgt eine ziemlich komplizierte Bremszone. Denn vor der nächsten Schikane bist zu ziemlich schnell, aber nicht so schnell wie am Ende einer langen Geraden. Das heisst: Du hast weniger Anpressdruck. Wenn du also voll in die Eisen trittst, wird das Auto instabil, bevor’s in eine ziemlich enge Links-Rechts-Kombination geht. Dort wird die Linie entscheidend sein; denn du musst dich auf eine lange, enge Linkskurve vorbereiten. Turn 7 ist eine extrem wichtige Kurve, in der du viel Zeit verbringst. Deshalb brauchst du dort ein gutes Auto mit stabiler Traktion. Denn jetzt gilt es Schwung zu holen für die längste Gerade im aktuellen F1-Kalender. 1,2 Kilometer Vollgas mit einem Buckel in der Mitte. Am Ende kannst du unter Umständen überholen. Allerdings kommt dann schon wieder eine recht schwierige Kurve, in der der gerade Überholte womöglich kontern kann. Kurve neun ist eine nach außen geneigte Kurve, auf die schon wieder eine lange Gerade inklusive Überholmöglichkeit folgt. Ein technisch ziemlich anspruchsvoller Teil der Strecke.

Hotel lenkt die Fahrer ab

Kurve elf ist meiner Meinung nach die härteste Bremszone des Kurses. Jetzt biegst du in einen ziemlich anspruchsvollen Komplex ein – zunächst kommt eine Linkskurve, dicht gefolgt von einer Rechtskurve und einer weiteren Links. Außerdem ist der Scheitelpunkt blind und du musst viel Schwung mitnehmen. Nicht leicht, weil du hier schnell in der Planke landen kannst, die recht nah steht. Das gilt auch für die weiteren sechs Ecken. Wenn du zu hart pushst, hängst du in der Mauer. Aber: Hier kannst du mit ein bisschen mehr Aggressivität auch wichtige Zeit gutmachen. Kurve 14 ist wieder nach außen geneigt. Du lenkst ein und das Heck schwänzelt leicht, speziell am Kurvenausgang. Es folgt eine für F1-Verhältnisse ziemlich lange Gerade. Kurve 15 und 16 gehen voll. Vor Kurve 17 musst du das Auto brutal runterbremsen. Jetzt fährst du genau aufs Hotel zu und in eine enge Rechts. Ich bin mir übrigens noch nicht sicher, ob das Hotel während des Rennens wie die Allianz-Arena in München leuchten darf. Denn das lenkt dich als Fahrer doch ziemlich ab. Kurve 18 und 19 sind ebenfalls ziemlich gefährlich. Ausritte sind hier vorprogrammiert. Es gibt zwar eine Auslaufzone, aber die ist recht sandig. In Kurve 19 musst du nah an die Leitplanke ran fahren. Die Gefahr: Dort ist es sehr rutschig, bevor genügend Gummi auf der Strecke liegt. Kurve 20 ist eine großartige Kurve, allerdings die einzige, die nach innen geneigt ist. Wenn du das Auto also auf all die anderen Kurven abstimmst, kriegst du hier Probleme mit einem leicht werdenden Heck. Die letzte Kurve ist wieder sehr schwierig, denn hier fließen so viele Streckenteile zusammen. Daran musst du dich erstmal gewöhnen."

Der Wüstensand wird ein großes Problem

Lehrer: Der künftige Formel-1-Pilot Bruno Senna erklärt bei autobildmotorsport.de exklusiv die einzelnen Kurven.

Sennas Fazit: "Der Yas Marina Circuit ist ein ziemlich technischer Kurs mit einigen schnellen Kurven, die viel Mut erfordern. Ein großes Problem wird der Sand. Am Ausgang der Haarnadel bin ich bei Filmaufnahmen mit niedriger Geschwindigkeit etwas von der Strecke abgekommen und hatte im dritten Gang noch durchdrehende Räder! Überholen wird also nicht leicht. Im Großen und Ganzen ähnelt die Strecke dem Stadtkurs von Melbourne, ist aber weniger wellig. Klar ist: Die Hitze wird den Fahrern zu schaffen machen, auch wenn es abends etwas kühler wird. Aber die Luft ist sehr sandig, deshalb verlierst du leicht die Konzentration. Ein weiteres Problem: Das Rennen beginnt bei Sonnenlicht und wird bei Dunkelheit beendet. Die Temperaturen werden also sinken. Das führt dazu, dass sich auch die Autos anders verhalten. Das wird eine echte Herausforderung für die Teams. Für die Fahrer sollte der Wechsel von hell auf dunkel kein Problem werden. Ich bin selbst bei Dunkelheit noch mit einem getönten Visier gefahren. Die Flutlichter sind hell genug."

Autor: Bianca Garloff

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