Busfahren in London

Busfahren in London

— 16.12.2005

Abschied vom Doppeldecker

Ein Londoner Wahrzeichen wird abgeschafft: Deutsche Busse ersetzen die Routemaster, besser bekannt als Doppeldecker.

Er ist die fahrende Nostalgie schlechthin, eine Ansammlung auf vier Rdern von allem, was man "British" nennt in seiner sonst so schwer definierbaren Identitt: mobil, draufgngerisch, einladend offen fr jedermann. Die Rede ist von Londons Doppeldeckerbus, dem Routemaster, wie er da in seiner hnenhaften Grazie seit 1956 durch die Asphalt-Canons der Metropole zu stampfen pflegte im vertrauten Sthnen seines Dieselmotors. Der Eingang am hinteren Deck winkte immer besonders gastfreundlich, war er doch offen; man konnte aufspringen, wo und wie man wollte, und sich dabei der Illusion von Abenteuer hingeben wenn nicht der Realitt von Prellungen oder Schlimmerem. Jedes Jahr kamen etliche Passagiere zu Schaden, manch einer tdlich.

Das ist nicht mehr akzeptabel in der heutigen Zeit, sagt Londons Brgermeister Ken Livingstone. Vorkehrungen fr Behinderte hatte der Routemaster natrlich auch nicht, monierte der Mayor. Und so lt er das geliebte Fossil denn auch heute auf der letzten regulren Fahrt der Linie 159 vom Marble Arch nach Streatham im Sden Londons in das Abschiedsdunkel seiner Karriere trudeln, viel beweint, aber unaufhaltbar.

Eine Konzession an den Kommerz hat Livingstone immerhin machen mssen: Es wird knftig zwei "Heritage"-Routemaster-Linien geben fr die Millionen London-Touristen, die Routen 9 und 15, von der Royal Albert Hall his zum Tower, quer durch das berhmte Herz der Hauptstadt. Routemaster-Fans drfen also weiter ihrer Nostalgie frnen. Ganz Vernarrte knnen bei der Ensign Bus Company in Purfleet, Essex, auch gleich einen dieser ausgemusterten roten Ikonen bestellen, fr zwischen 8000 und 30.000 Pfund, je nach Erhaltungsgrad und Verfgbarkeit. Man mge sich aber beeilen, die Nachfrage sei gro.

Die Alltags-Londoner dagegen drfen sich jetzt in die neuen, rundum geschlossenen und Aura-losen Doppeldeckerbusse zwngen oder schlimmer noch in diese einstckigen "bendy buses", die Gelenkbusse aus deutscher Fabrikation, doppelt so lang wie der echt gelenkige Routemaster mit seinen nur neun Metern. Diese Ungetme haben es an sich, die Kreuzungen der Innenstadt hoffnungslos zu verstopfen, was die Rage der Autofahrer bis zur Weiglut steigern lt. Bye-bye, Routemaster. Welcome, Fortschritt. Im Dauerstau.

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