Ratgeber Temposünden

Bußgeldkatalog Geschwindigkeit: Zu schnell gefahren

Was zu schnelles Fahren kosten kann

Wer zu schnell gefahren ist und dabei geblitzt wurde, der muss mit Bußgeld, Punkten in Flensburg oder sogar mit einem Fahrverbot rechnen. AUTO BILD erklärt den Bußgeldkatalog zum Thema Geschwindigkeit!

Online-Voting

Wurden Sie schon mal geblitzt?

Tempokontrollen sind ...
Wer mit dem Auto zu schnell gefahren ist und dabei erwischt wurde, muss mit Sanktionen rechnen. Vom Verwarnungs- oder Bußgeld über Punkte in Flensburg bis zum Fahrverbot: Wie hoch die Strafe ausfällt, ist vor allem davon abhängig, wie hoch die Geschwindigkeitsübertretung war. Aber es zählt auch, ob Sie innerorts oder außerorts geblitzt wurden oder beispielsweise in einer Spielstraße, in der besondere Geschwindigkeitsregeln gelten. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ist die Geschwindigkeitsüberschreitung die häufigste Ordnungswidrigkeit, die Männer (rund 2,4 Millionen) und Frauen (rund 668.000) im Jahr 2016 begangen haben. AUTO BILD hat alle Infos zum Thema Bußgeldkatalog Geschwindigkeit! 

Bußgeldkatalog: Verwarnungs- und Bußgeld

Ob nach dem Tempoverstoß ein Verwarnungs- oder Bußgeld fällig wird, richtet sich nach der Höhe der Geschwindigkeitsüberschreitung:
• Verwarnungsgeld: Eine Verwarnung wird angeordnet, wenn eine geringfügige Ordnungswidrigkeit begangen wurde. Zum Beispiel bei Parkverstößen oder bei Geschwindigkeitsverstößen bis 20 km/h. Das Verwarnungsgeld liegt zwischen fünf und maximal 55 Euro. Anders als beim Bußgeldverfahren entsteht hier kein Verwaltungsaufwand und somit fallen keine zusätzlichen Kosten an, die dem Fahrer in Rechnung gestellt werden können.
 Bußgeld: Mit einem Bußgeld werden in Deutschland Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr geahndet, zum Beispiel Geschwindigkeitsüberschreitungen. Bevor allerdings ein Bußgeld verhängt wird, muss die Behörde ein Bußgeldverfahren eröffnen. Wie hoch das Bußgeld ist, steht im Bußgeldkatalog. Das Bußgeld kann zwischen fünf und 1000 Euro liegen. Über das Bußgeld wird der Täter per Bußgeldbescheid informiert. Innerhalb von zwei Wochen kann dagegen Einspruch erhoben werden. Aber es gibt auch noch andere Geschwindigkeitsverstöße, die bestraft werden – etwa nicht angepasstes Tempo beim Passieren eines Bahnübergangs oder zu schnelles Fahren bei schlechten Sichtverhältnissen.
Wer wissen will, welche Konsequenzen das zu schnelle Fahren hatte, kann den Bußgeldrechner von AUTO BILD nutzen.

Zu schnell gefahren: innerorts

Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts (Stand März 2018)
- Bis 10 km/h: 15 Euro Verwarnungsgeld
- 11-15 km/h: 25 Euro Verwarnungsgeld
- 16-20 km/h: 35 Euro Verwarnungsgeld
- 21-25 km/h: 80 Euro Bußgeld, 1 Punkt
- 26-30 km/h: 100 Euro Bußgeld, 1 Punkt, 1 Monat Fahrverbot*
- 31-40 km/h: 160 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
- 41-50 km/h: 200 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
- 51-60 km/h: 280 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 2 Monate Fahrverbote
- 61-70 km/h: 480 Euro, 2 Punkte, 3 Monate Fahrverbot
- über 70 km/h: 680 Euro, 2 Punkte, 3 Monate Fahrverbot
* Wenn innerhalb von 12 Monaten zweimal eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 26 km/h oder mehr begangen wurde

Zu schnell gefahren: außerorts

Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts (Stand März 2018)
- Bis 10 km/h: 10 Euro Verwarnungsgeld
- 11-15 km/h: 20 Euro Verwarnungsgeld
- 16-20 km/h: 30 Euro Verwarnungsgeld
- 21-25 km/h: 70 Euro Bußgeld, 1 Punkt
- 26-30 km/h: 80 Euro Bußgeld, 1 Punkt, 1 Monat Fahrverbot*
- 31-40 km/h: 120 Euro Bußgeld, 1 Punkt, 1 Monat Fahrverbot*
- 41-50 km/h: 160 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
- 51-60 km/h: 240 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
- 61-70 km/h: 440 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 2 Monate Fahrverbot
- über 70km/h: 600 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 2 Monate Fahrverbot
* Wenn innerhalb von 12 Monaten zweimal eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 26 km/h oder mehr begangen wurde

Besondere Geschwindigkeitsverstöße: Bußgeld und Punkte

Besondere Geschwindigkeitsverstöße (Stand: März 2018)
- Schrittgeschwindigkeit in verkehrsberuhigtem Bereich nicht eingehalten, sofern nicht mehr als 10km/h zu schnell (Pkw): 20 Euro Verwarnungsgeld
- Geschwindigkeit trotz Bahnübergang, besonderen Straßenverhältnissen oder schlechter Sicht nicht angepasst: 100 Euro Bußgeld, 1 Punkt
- Geschwindigkeit trotz Bahnübergang, besonderen Straßenverhältnissen oder schlechter Sicht nicht angepasst mit Gefährdung: 120 Euro Bußgeld, 1 Punkt
- Geschwindigkeit trotz Bahnübergang, besonderen Straßenverhältnissen oder schlechter Sicht nicht angepasst mit Sachbeschädigung: 145 Euro Bußgeld, 1 Punkt
- Kinder, Hilfsbedürftige und ältere Menschen durch zu hohes Tempo gefährdet, mangelnde Bremsbereitschaft oder ungenügenden Seitenabstand: 80 Euro Bußgeld und 1 Punkt

- Ohne Grund zu langsam gefahren, dadurch Behinderung des reibungslosen Verkehrsflusses: 20 Euro Bußgeld

- Radarwarn- oder Laserstörgerät betrieben oder betriebsbereit mitgeführt: 75 Euro Bußgeld, 1 Punkt

Wiederholt zu schnell gefahren

Wenn ein Autofahrer innerhalb von zwölf Monaten zwei Mal eine Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 25 km/h begeht, gilt er als Wiederholungstäter. In diesem Fall erhält der Fahrer einen Monat Fahrverbot zusätzlich zur eigentlichen Strafe. Wenn diese bereits ein Fahrverbot vorsieht, werden beide Fahrverbote addiert.

Geschwindigkeitsüberschreitung: Das droht Fahranfängern

Während der Probezeit stehen Fahranfänger unter besonderer Beobachtung. Verkehrsverstöße haben für sie schwerere Konsequenzen. Neben den üblichen Sanktionen aus dem Bußgeldkatalog können bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung auch Probezeitmaßnahmen verhängt werden. Wer das vorgeschriebene Tempo nicht einhält, der begeht einen sogenannten A-Verstoß. Die Probezeit kann dann auf vier Jahre verlängert werden. Zudem wird ein Aufbauseminar angeordnet, für das 300 bis 400 Euro fällig werden. Doch nicht jede Geschwindigkeitsüberschreitung hat schwerwiegende Konsequenzen. Bleibt die Überschreitung im Bereich des Verwarnungsgeldes, gilt sie noch nicht als A-Verstoß. Probezeitverlängerung droht erst ab 21 km/h über Tempolimit. Bei einem zweiten A-Verstoß werden die Fahranfänger verwarnt und erhalten eine Empfehlung zur Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung. Wird zum dritten Mal gegen eine Vorgabe verstoßen, dann wird die Fahrerlaubnis entzogen.

Ist zu schnelles Autofahren in Notfällen erlaubt?

Wer ein Tempolimit überschreitet, weil er eine Schwangere ins Krankenhaus fährt, kann nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass er straffrei bleibt.

Es gibt im Ordnungswidrigkeitengesetz den Paragraph Nummer 16 ("Rechtfertigender Notstand"). Der besagt: Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Handlung begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig. Somit kann in einigen Fällen ein Verschulden ausbleiben, und die Geschwindigkeitsüberschreitung kann nicht geahndet werden. Doch wann liegt solch ein rechtfertigender Notstand vor? Eine Grundvoraussetzung ist, dass andere nicht unverhältnismäßig gefährdet werden. Das heißt, die Gefahr hätte nicht anders gelöst werden können. Werdende Eltern, die aufgrund eines Notfalls ein Tempolimit überschreiten, können nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass sie straffrei bleiben. Hier entscheidet der Einzelfall. Was ist mit kranken Tieren? Der Notstandsparagraph gilt bei Tieren meistens nicht. Bereits mehrere Gerichte haben entschieden, dass die Sicherheit des Straßenverkehrs wichtiger ist als das Leben oder die Gesundheit eines Tieres. Wer in solch einer Situation zu schnell Auto fährt, hat lediglich die Möglichkeit, Bußgeld, Punkte und Dauer des Fahrverbots zu reduzieren.

Autor: Isabella Sauer

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Gebrauchtwagen