Bustour durch Hamburgs Hafen

Bustour durch Hamburgs Containerhafen Bustour durch Hamburgs Containerhafen

Bustour durch Hamburgs Containerhafen

— 14.05.2002

Auge in Auge mit den Giganten

Containerterminals im Hamburger Hafen sind für Privatfahrzeuge Sperrgebiet. Ein Busunternehmen bietet jetzt eine eindrucksvolle Tour an - vorbei an dicken Pötten und gigantischen Containerbrücken.

Einfahrt verboten - Ausnahme: Bus

"Ich wollte schon immer mal den Containerhafen aus der Nähe sehen", sagt Jessica Just. Sie sitzt mit 15 anderen Passagieren in einem Doppeldeckerbus, der einmal kurz von einer Seite zur anderen schaukelt. Der Bus schleicht durch die engen Gassen der Speicherstadt im Hamburger Freihafen. Die meisten Hamburger und Besucher der Hansestadt kennen den Anblick der dicken Pötte und gigantischen Containerbrücken nur aus der Perspektive der Hafenbarkassen oder vom Spaziergang entlang der Elbe.

Aber was wirklich los ist an den Kais, an denen die Schiffe festmachen und Tausende von Containern lagern, kann nur erahnt werden. Zwar ist es erlaubt, auch mit dem privaten Pkw durch den Hamburger Freihafen zu fahren. Doch die Fahrt endet vor den Toren der riesigen Containerterminals. Dort heißt es: Einfahrt verboten. Die Fahrt wäre viel zu gefährlich. So genannte Van Carrier, mehr als zwölf Meter hohe stählerne Ungetüme, sausen wie auf Stelzen mit Containern unterm Bauch über die Kaianlagen. Wenn die mehr als 60.000 Bruttoregistertonnen schweren Ozeanriesen be- und entladen werden, bleibt kein Platz für umherirrende Schaulustige.

Nun kann jedoch auch diese Welt entdeckt werden – durch die Scheiben eines Busses. Das Unternehmen Jasper nennt die dreistündige Hafen-Tour "Auge in Auge mit den Giganten". Das Angebot des Veranstalters gibt es erst seit April diesen Jahres. Deshalb bleiben wohl auf dem oberen Deck des Doppeldeckers viele der insgesamt 55 Plätze frei. So hat zumindest jeder einen Fensterplatz. "Es muss sich noch herumsprechen", erklärt Tourenbegleiter Heiko Nies die dünne Besetzung. "Wir haben allein ein Jahr gebraucht, um die ganzen Genehmigungen zu bekommen."

Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Am Samstag, jeweils um 9.30 und 13.30 Uhr, kurvt der Doppeldecker regelmäßig durch den Hafen. "Wir glauben, dass dann die meisten unserer Fahrgäste Zeit haben und auch am Wochenende wird hier rund um die Uhr gearbeitet", so Nies. Übers Mikrofon erklärt er den Fahrgästen den Hamburger Hafen, mit 100 Quadratkilometern Ausdehnung Deutschlands größter und nach Rotterdam Europas zweitgrößter Seehafen. Seine Stimme krächzt metallisch aus den kleinen Boxen über den Sitzen.

Nüchtern verkündet er den Güterumschlag 2001: 92 Millionen Tonnen, ein Plus von 8,5 Prozent, rund drei Millionen Container, mehr als 36 Millionen Tonnen Massengut, Öl, Kohle, Erze, Getreide. Ein Gebiet mit über 300 Liegeplätzen für Seeschiffe, 46 Kilometer Kaimauern und 200 Containerbrücken. "Links liegt der größte Autoterminal des Hafens", sagt Nies ins Mikrofon. Alle Köpfe drehen sich in diese Richtung. Die Firma E. H. Harms verschifft von hier aus pro Jahr bis zu 500.000 Pkw in alle Welt. Hunderte von Autos stehen Stoßstange an Stoßstange am Kai und warten auf ihren Transport.

Der Bus biegt langsam in Richtung der so genannten 50er Schuppen ein. In und vor den durchnummerierten Lagerhallen ging es bis Ende der sechziger Jahre, vor der Container-Ära, beim Stückgutumschlag hoch her. Arbeiter hievten Ladungen aus den Hallen in Lastwagen. Heute sieht man niemand mehr. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Alte Kräne rosten vor sich hin, Farbe blättert von den Holzschuppen ab. Man denkt an Hans Albers, an Kaffeesäcke oder nur an ein deutsches Industriedenkmal. Diese Epoche ist Geschichte. Auf der anderen Seite, am RoRo-Terminal, liegt ein sogenanntes Roll-on-Roll-off-Schiff. Ein Lkw nach dem anderen verschwindet im Bauch des Monstrums. Einfach reinrollen und am Bestimmungshafen wieder rausrollen. Das ist die Gegenwart.

Meeres-Jumbo mit 95.000 PS

Ein paar Kilometer weiter wird auf dem modernsten Containerterminal der Welt in Altenwerder die Zukunft des Hamburger Hafens geprobt. Alles läuft automatisch - auf dem Schiff und an Land. Ferngesteuerte Plattformen erledigen die Arbeit, koordiniert über Computersoftware. 2004 soll der Terminal voll einsatzfähig sein. "Zeit ist im Hafen Geld", kommentiert Nies trocken. Termindruck bestimme den Alltag der Arbeiter - und der Seeleute. Nur noch maximal 36 Stunden bleiben die Schiffe im Durchschnitt im Hafen. "Das hat nichts mehr mit Seefahrerromantik zu tun, in jedem Hafen ein Mädchen und so. Das ist nicht mehr," sagt er.

Der Bus fährt weiter in Richtung Burchardkai, dem schon zuvor angekündigten Höhepunkt der Rundfahrt durch den Hafen. Schon von weitem ist die imposante "Shanghai Express" der Hamburger Reederei Hapag Lloyd zu sehen. Der Ozeanriese gehört zu den größten Containerschiffen der Welt. Auf 320 Meter Länge, 43 Meter Breite, mehr als drei Fußballfelder groß, liegen die Container in 16 Lagen über- und nebeneinander. 7500 Stahlbehälter stapeln sich auf dem Schiff.

Angetrieben wird der Meeres-Jumbo vom weltweit größten zwölfzylindrigen Dieselmotor mit 93.000 PS. Ein gehöriges Kraftwerk. Eine Hafenbarkasse durchpflügt die Elbe gerade mal mit 300 PS, ein mittleres Containerschiff dampft mit 50.000 PS durch die See. Es geht ganz dicht an der schwarzen Bordwand vorbei. Daneben sehen selbst die wie aus Star-Wars stammenden zwölf Meter hohen Van Carrier klein aus. Im Bus-Doppeldecker fühlt man sich wie in einem Spielzeugfahrzeug.

Transport vom Auto bis zum Pony

Im Bus ist es still geworden. Jessica Just blickt ehrfürchtig die Bordwand der "Shanghai Express" hoch. Ihr Blick geht die endlosen Containerreihen entlang. Ein Stahlkasten nach dem anderen wird entladen. Ihre Standardgröße: 6,10 Meter lang, 2,40 Meter breit und 2,62 Meter hoch. Fast alles kann transportiert werden - vom Auto über Chinaporzellan bis zum Islandpony. Für alles gibt es die passende Box, die passende Verpackung.

Das Lagersystem an Land ist kompliziert. Denn wie findet man überhaupt einen einzelnen Behälter samt Fracht in dieser Masse wieder? Hafen-Fachmann Nies erklärt: "Das Ganze ist ein ausgeklügeltes System. Nicht der Container selber wird geortet, sondern der Van Carrier." Erstaunte Blicke beim Bus-Auditorium. Wenn ein Van Carrier eine Box aufnimmt, wird über ein Satellitensystem (DGPS) automatisch ein Signal an den Zentralcomputer weitergeleitet. Setzt der Fahrer die Stahlkiste wieder an einen Stellplatz ab, geht die neue Position und die Kennnummer an den Zentralrechner. So könne nichts verloren gehen. Was jedoch bei dieser Container-Flut kaum vorstellbar erscheint.

Van Carrier, Shanghai Express und Containerbrücken: Nach drei Stunden ist die Busfahrt durch Hamburgs Hafenwelt beendet. Die Tour hat die Fahrgäste beeindruckt. Beim Aussteigen fallen Worte wie "gigantisch", "riesig", "noch nie gesehen". Auch Jessica Just schwärmt: "Das ist gewaltig, was die hier machen". Ihr Wunsch den Hafen mal ganz nah zu erleben, wurde erfüllt. Bleibt nur der Preis: 21,50 Euro kostet die Tour - eine stolze Summe. Aber es lohnt sich.

Kontakt Busunternehmen Jasper, Mühlendamm 86, 22087 Hamburg • Telefon 040/ 22 71 06-10 • E-Mail info@jasper.de • Internet www.jasper-hamburg.deAbfahrtszeiten Ganzjährig: samstags 9.30 und 13.30 Uhr, sonntags 13.30 Uhr; von Mai bis Oktober zusätzlich mittwochs und freitags 16 Uhr, sonntags 9.30 Uhr • Preis Erwachsene 26 Euro, Kinder 13 Euro (Stand: 1. Februar 2008) • Abfahrtsort Haltestelle Vorsetzen (bei der Überseebrücke)

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