Busverkehr nimmt zu

— 05.05.2011

Verstopfen Busse bald die Autobahnen?

Die Liberalisierung des Bus-Fernverkehrs könnte unschöne Folgen für Autofahrer haben. Stauforscher warnen vor massiven Behinderungen auf deutschen Autobahnen.

Die Deutsche Bahn will im zukünftigen Fernbus-Geschäft Marktführer werden. Voraussichtlich ab 2012 dürfen zwischen deutschen Städten Fernbusse im Linienverkehr fahren. Das Marktvolumen schätzt die Bahn auf mindestens 300 Millionen Euro, den größten Teil davon will das Unternehmen selbst kassieren. Experten rechnen damit, dass auf bestimmten Strecken rund ein Fünftel der Bahnkunden auf den billigeren Bus umsteigt. In der Folge könnten diverse Bahnstrecken unwirtschaftlich werden oder ICE-Haltepunkte abseits der viel befahrenen Hauptachsen wegfallen.

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Auch Autofahrer könnten durch mehr Busse Probleme auf Autobahnen bekommen. Stauforscher Michael Schreckenberg warnt: "Die Kapazitäten unserer Autobahnen sind vielerorts ausgereizt. Minimale zusätzliche Belastungen führen hier direkt in den Stau." Bislang sind Linien-Fernbusse laut Personenbeförderungsgesetz in Deutschland nur von und nach Berlin sowie dort erlaubt, wo Bahnverbindungen fehlen. Das Gesetz stammt von 1934 und sollte das Reichsbahn-Monopol schützen. Die Bundesregierung will mit der Liberalisierung des Fernbusmarktes mehr Wettbewerb schaffen.

Kurz-Interview mit Stauforscher Michael Schreckenberg

Aus einer Stunde Stau könnten zwei werden, warnt Professor Michael Schreckenberg vor den Folgen von mehr Bus-Fernverkehr.

AUTO BILD: Erwarten Sie, dass mehr Reisebusse zu mehr Staus auf den Autobahnen führen? Schreckenberg: Das Verkehrsaufkommen auf vielen Autobahnen bewegt sich knapp unterhalb des Kapazitätslimits. Das heißt, dass schon eine geringe Zunahme des Verkehrs zu mehr Staus führen kann. In der Praxis: Aus täglich einer Stunde Stau am Kreuz Leverkusen könnten zwei werden. Busse fahren auf Autobahnen 100, Lkw nur 80. Was bedeutet unter diesem Aspekt eine Zunahme des Busverkehrs? Werktags werden Busse den Mittelstreifen belegen, auf zweispurigen Autobahnen die linke Spur. Das bremst den Pkw-Verkehr aus. Am Wochenende, wenn Laster nicht fahren dürfen, übernehmen die Busse die Rolle der Lkw: Sie geben die Geschwindigkeit auf der rechten Spur vor. Und Elefantenrennen gibt es natürlich auch unter Busfahrern. Wer steigt auf den Fernbus um? Bahnkunden oder Autofahrer? Sicherlich der Bahnfahrer, der sich mit längerer Reisezeit im Bus einen Preisvorteil erkauft. Beim Fernbus handelt es sich ja um eine Art "Schienenersatzverkehr".

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Kommentare zum Artikel (8)

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Helmut K.
17.01.2013, 17:03Uhr

@ Keule: Ist Ihnen bekannt, dass die "Deutsche Bahn AG" eine 100%ige Tochter namens "SCHENKER" hat, welche den grössten Teil der Stückgutsendungen, welche mit der DB versandt werden über die Strassen transportiert? Und ist Ihnen desweiteren bekannt, dss die DB über eine weitere Tochter verfügt, die sich "Deutsche Touring GmbH" nennt und im Innereuropäischen Bereich Busfernlinien - Verkehr betreibt? Ausserdem ist das Verbreiten von Klischees bezüglich des LKW - Verkehrs ein Zeichen mangelder Information. Ergo: "Erst nachdenken, sich informieren und dann erst Äusserungen von sich geben!"

Helmut K.
17.01.2013, 17:02Uhr

@ Keule: Ist Ihnen bekannt, dass die "Deutsche Bahn AG" eine 100%ige Tochter namens "SCHEnKER" hat, welche den grössten Teil der Stückgutsendungen, welche mit deer DB versandt werden über die Strassen transportiert? Und ist Ihnen desweiteren bekannt, dss die DB über eine weitere Tochter verfügt, die sich "Deutsche Touring GmbH" nennt und im Innereuropäischen Bereich Busfernlinien - Verkehr betreibt? Ausserdem ist das Verbreiten von Klischees bezüglich des LKW - Verkehrs ein Zeichen mangelder Information. Ergo: "Erst nachdenken, sich informieren und dann erst Äusserungen von sich geben!"

Rony
19.05.2011, 10:31Uhr

Also diese Betrachtung ist schun ziemlich seitenlastig.

Durch flexible Busverbindung werden sicherlich viele Menschen auch ihr Auto stehenlassen.
Darüberhinaus bietet die Bahn für viele Strecken überhaupt keine brauchbare Strecken an.
fahren Sie mal mit der Bahn von Dortmund nach Olpe, dass dauert mit der DB 3,5 Std. und mit Abellio 2,5 Stunden. Eine Busverbindung mit zwei Stopps benötigt lediglich eine Std.

Mike H
06.05.2011, 12:47Uhr

@ Keule

Die Bahn macht sich schon seit Jahren selber Konkurrenz, sie unterhält eine eigene LKW-Spedition für den Fernverkehr und transportiert dadurch selber Güter auf der Straße, statt auf der Schiene.

babykomet
06.05.2011, 09:59Uhr

@Keule:
Nicht die Autolobbyisten, sondern die Bahn selbst hat den Möchtegernforscher wahrscheinlich bezahlt.
Würden LKW-Fahrer sich strikt an 80 halten, so wie der Busfahrer sich strikt an 100 halten muss, wären die Überholvorgänge kein Problem. Aber die LKW sind nicht mehr bei 87 abgeregelt, sondern laufen weit über 90, da es EU-Länder gibt, in denen LKW eben 90 fahren dürfen. Jetzt wird ein Bus von einem LKW mit 96 ausgebremst und er kann nicht schneller als exakt 100. Da dauert das Überholen! Aber der Busfahrer bekommt die Schimpfe, und nicht der LKW-Fahrer, der zu schnell fährt.

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