C 63 AMG trifft seine Ahnen — 24.03.2008
Böse Buben
Den praktischen 190er nannten wir 1982 liebevoll Baby-Benz – nicht ahnend, was die Edelschmiede AMG aus dem zweckmäßigen Mittelständler einmal machen würde. Ein Treffen mit den stärksten C-Klassen aus Affalterbach.
Erst ab 4000 Touren geht im 190 E 3.2 so richtig die Post ab
Plopp, ohne akustisch verfälschende Dämpfung von doppelten und dreifachen Dichtungen schließt die leichtgängige Tür. Start frei für den Reihensechser. Die mechanisch-elektronische KE-Jetronic verlangt beim Anlassen nach minimalem Gaseinsatz, doch dann säuselt der extrem laufruhige Zweiventiler im Leerlauf vor sich hin. Mit feinem Surren dreht der M103 hoch, erwacht erst ab 4000 Touren richtig zum Leben. Das liegt zum Teil auch am ruckarm agierenden Vierstufen-Selbstschalter, dessen Gänge für heutige Verhältnisse etwas zu weit auseinanderliegen. 1,4 Tonnen Leergewicht werden dennoch zur spielerischen Aufgabe für 305 Newtonmeter. Zwar wankt der 190er trotz stößigen Sportfahrwerks und 16-Zoll-Rädern in Kurven, Lenkbefehle am zeitgenössischen AMG-Lederlenkrad werden etwas verzögert und eckig umgesetzt. Dennoch pflügt der 190 E 3.2 agil durch Biegungen. Die etwas teigige Bremse aus dem 300 E-24 und 300 TE beantwortet Pedaltritte mit vertrauenerweckender Stoppkraft.Mit dem C 43 AMG kommt ein starker V8 in die C-Klasse
1993 präsentierten Mercedes und AMG mit dem C 36 das erste gemeinschaftlich produzierte Projekt – das Farbe zur Sportlichkeit bekennt, auch im Innenraum unseres 1995er-Exemplars. Wie eine Techno-Diskothek sticht das Interieur des über 5000-mal verkauften Spitzenmodells mit optionalem Designo-Leder samt farblich abgestimmtem Holz ins Auge. Wild grün und rot blinkend quittiert die Anzeige im Außenspiegel den per Schlüssel geäußerten Wunsch nach Einlass. Ähnlich fetzig geht das 3,6 Liter große M104-Aggregat unter der Haube zu Werke. Munter schnappt der dunkler grollende, kernigere 280-PS-Vierventil-Reihensechser nach hohen Drehzahlen, zieht dazu bereits aus dem Stand wie ein Bulle kräftig an. Dazu schaltet die Vierstufenautomatik knackiger als im 190er. Wie zu erwarten, frisst der C 36 Kurven deutlich williger als der 190er. Mit dezentem Sportauspuffklang und zurückhaltend akzentuiertem Karosseriekleid rollt er aber auf Samtpfoten. Ein Trend, der sich auch ab 1997 beim achtzylindrigen Nachfolger C 43 AMG fortsetzt. Die inzwischen etwas runderen Karosserieanbauten verraten kaum etwas vom potenten 4,3-Liter-Achtzylinder aus dem Mercedes-Regal, der mit schärferen Nockenwellen und atmungsaktiverem Ansaugtrakt gestärkt wurde. So kommen 27 PS mehr als bei der 279 PS starken Ausgangbasis heraus. 26 PS und 25 Newtonmeter hat er seinem Vorgänger voraus – klingt nach wenig, bringt aber viel.Bissig hängt der kleine V8 am Gas und untermalt die typischen, dezent sirrenden Ventiltriebsgeräusche der dreiventiligen M113-Motorserie mit brodelnden Nascar-Tönen. Großen Anteil an der gestiegenen Dynamik hat die elektronisch gesteuerte Fünfstufenautomatik. Zwar verwöhnt sie nicht mit tausend Schaltprogrammen und endlos vielen Stufen wie heutige Selbstschalter, bietet dem Triebwerk aber mit besseren Übersetzungen eine optimierte Spielwiese. AMG-Kenner wissen allerdings: Ab Sommer 1996 laufen bis zum Produktionsstopp 1997 die letzten Exemplare des C 36 ebenfalls mit Fünfstufenautomatik vom Band. Doch nicht nur die geballte Kraft des gestiegenen Hubraums macht den C 43 sportlicher. Die Bremsanlage bietet feinste Rennsporttechnik. An der Vorderachse sind die 334 Millimeter großen Scheiben durch Edelstahlstifte vom Topf entkoppelt. Neben der besseren Wärmeabfuhr überzeugt die Anlage durch ein standfesteres Pedalgefühl als die des C 36. Nicht ganz so quicklebendig geriet die steife, aber etwas träge Lenkung. Dazu zeigen beide AMG-W202, dass sich die Ansprüche in puncto Fahrkomfort bei Sportlimousinen über die letzten zehn Jahre drastisch erhöht haben. Galten sie zu Lebzeiten als geschmeidig-komfortable Alternative zu BMW M3 und Porsche, wirken sie heute eher hölzern. Dennoch macht das Duo der 90er-Jahre keinen angestaubten Eindruck – zwei würdig gealterte Athleten.
Ein Kompressor bläst dem C 32 AMG 354 PS aus den Zylindern
Im C 55 AMG tritt die Sportlichkeit sehr deutlich zutage
Der V6-Kompressor läuft mit deutlicher hörbaren Gaswechseln etwas rauer, tritt aber sonst klanglich in den Hintergrund. Nur Hellhörige erkennen den Kompressor, nur Außenstehende werden mit sonor brummenden Auspufftönen beschallt. Sehr angenehm: der Komfort. Das kommod abgestimmte Sportfahrwerk hält samt 17-Zoll-Rädern trotz straffer Straßenlage die meisten Asphalt-Unzulänglichkeiten vom Fahrer fern. Wer es härter mag, wird im AMG Performance Studio, früher Manufaktur genannt, bedient. Geändertes Getriebesteuergerät mit verkürzten Schaltzeiten, Sperrdifferenzial oder Nürburgring-Fahrwerk machen ambitionierten AMG-Piloten den Mund wässrig. Als ginge es darum, das von den Vorgängern gezeigte Understatement aufzulockern, tritt der C 55 AMG ab 2004 deutlich aggressiver auf. Unter der um acht Zentimeter verlängerten Frontpartie brabbelt wieder ein V8 durch vier Auspuffrohre – allerdings wesentlich tiefkehliger als der des C 43. Die Überlegenheit großzügig bemessenen Hubraums zeigt sich im C 55 einmal mehr. Zwar objektiv mit 367 PS nur unwesentlich kräftiger als sein aufgeladener Vorfahre, hat der 5,5-Li-ter-V8 spürbar leichteres Spiel mit den 1635 Kilogramm und erweckt, mit dem knuspriger abgestimmten Fahrwerk, den Eindruck einer deutlich brachialeren Fahrmaschine – auf Wunsch sogar mit 400-PS-Kit, der später auch für den SLK 55 AMG Black Series verwendet wird, erzeugt durch Carbon-Gehäuse für Luftfilter und Luftmassenmesser, Fächerkrümmer und größerer Abgasanlage.Die selbstbewusste Power-Show gipfelt im aktuellen C 63 mit Performance-Paket. Breite Backen und luftige Kiemen kündigen unverhohlen den ersten von AMG selbst entwickelten Motor an. 457 PS gieren nach Drehzahl, reißen stürmisch nach vorn. Ein infernalischer Soundtrack des 6,2-Liter-V8 wird von frechen Zwischengassalven der blitzschnellen Siebenstufenautomatik noch verstärkt. Mit Sperrdifferenzial- Unterstützung und bei völliger ESP-Entfesselung schwingt das Heck befreit die Hüfte. Formschöne Vielspeichenräder beatmen die Verbundbremse mit Nachdruck. Im Sportsitz konstatiert der Fahrer erfreut: Er ist wieder da, der Freimut von einst.
| Technische Daten* | AMG 190 E 3.2 | Mercedes C 36 AMG | Mercedes C 43 AMG |
|---|---|---|---|
| Motor | R6 | R6 | V8 |
| Einbaulage | vorn längs | vorn längs | vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 2 pro Zylinder/1 | 4 pro Zylinder/2 | 3 pro Zylinder/2 |
| Hubraum | 3206 cm³ | 3606 cm³ | 4266 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 172 (234)/5750 | 206 (280)/5750 | 225 (306)/5850 |
| Literleistung | 73 PS/Liter | 78 PS/Liter | 72 PS/Liter |
| Nm bei 1/min | 305/4500 | 385/4000–4750 | 410/3250–5000 |
| Antriebsart | Hinterrad | Hinterrad | Hinterrad |
| Getriebe | 4-Stufen-Automatik | 4-Stufen-Automatik | 5-Stufen-Automatik |
| Bremsen vorn | 295 mm/innenbel. | 320 mm/innenbel. | 334 mm/innenbel. |
| Bremsen hinten | 278 mm | 278 mm/innenbel. | 300 mm/innenbel. |
| Radgröße vorn / hinten | 7,5 x 16 | 7,5 x 17 / 8,5 x 17 | 7,5 x 17 / 8,5 x 17 |
| Reifen vorn / hinten | 225/45 R 16 | 225/45 R 17 / 245/40 R 17 | 225/45 R 17 / 245/40 R 17 |
| Reifentyp | Dunlop SP Sport 9000 | Continental SportContact 2 | Continental SportContact 2 |
| Länge/Breite/Höhe | 4448/1690/1353 mm | 4487/1720/1385 mm | 4516/1723/1385 mm |
| Radstand | 2665 mm | 2690 mm | 2690 mm |
| Leergewicht/Zuladung | 1400 kg/320 kg | 1560 kg/410 kg | 1570 kg/400 kg |
| Leistungsgewicht | 6,0 kg/PS | 5,6 kg/PS | 5,1 kg/PS |
| Tankvolumen | 70 l | 62 l | 62 l |
| EU-Normverbrauch Ø auf 100 km | keine Angabe | 11,8 l Super Plus | 11,7 l Super |
| Beschleunigung von 0–100 km/h | 7,6 s | 6,7 s | 6,5 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 240 km/h | 250 km/h | 250 (272) km/h |
| Serienfahrzeug ohne Extras | 124.944 DM (1991) | 97.865 DM (1995) | 115.420 DM (1999) |
| * Herstellerangaben | |||
| Technische Daten* | Mercedes C 32 AMG T | Mercedes C 55 AMG | Mercedes C 63 AMG |
|---|---|---|---|
| Motor | V6, Kompressor | V8 | V8 |
| Einbaulage | vorn längs | vorn längs | vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 3 pro Zylinder/2 | 3 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/4 |
| Hubraum | 3199 cm³ | 5439 cm³ | 6208 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 260 (354)/6100 | 270 (367)/5750 | 336 (457)/6800 |
| Literleistung | 111 PS/Liter | 67 PS/Liter | 74 PS/Liter |
| Nm bei 1/min | 450/4400 | 510/4000 | 600/5000 |
| Antriebsart | Hinterrad | Hinterrad | Hinterrad |
| Getriebe | 5-Stufen-Automatik | 5-Stufen-Automatik | 7-Stufen-Automatik |
| Bremsen vorn | 345 mm/innenbel./gelocht | 345 mm/innenbel./gelocht | 360 mm/innenbel./gelocht |
| Bremsen hinten | 300 mm/innenbel. | 300 mm/innenbel. | 330 mm/innenbel./gelocht |
| Radgröße vorn / hinten | 7,5 x 17 / 8,5 x 17 | 7,5 x 18 / 8,5 x 18 | 8 x 18 / 9 x 18 |
| Reifen vorn / hinten | 225/45 R 17 / 245/40 R 17 | 225/40 R 18 / 245/35 R 18 | 235/40 R 18 / 255/35 R 18 |
| Reifentyp | Pirelli P Zero Rosso | Pirelli P Zero Rosso | Pirelli P Zero |
| Länge/Breite/Höhe | 4541/1728/1415 mm | 4611/1744/1412 mm | 4726/1795/1439 mm |
| Radstand | 2715 mm | 2715 mm | 2765 mm |
| Leergewicht/Zuladung | 1695 kg/505 kg | 1635 kg/480 kg | 1730 kg/440 kg |
| Leistungsgewicht | 4,8 kg/PS | 4,5 kg/PS | 3,8 kg/PS |
| Tankvolumen | 62 l | 62 l | 66 l |
| EU-Normverbrauch Ø auf 100 km | 11,9 l Super | 11,9 l Super Plus | 13,4 l Super Plus |
| Beschleunigung von 0–100 km/h | 5,4 s | 5,2 s | 4,5 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 (280) km/h | 250 (280) km/h | 250 (280) km/h |
| Serienfahrzeug ohne Extras | 58.928 Euro (2004) | 62.176 Euro (2004) | 67.830 Euro |
| * Herstellerangaben | |||

































