Cabrio-Vergleich A4 3.0, 330Ci, CLK 320

Cabrio-Vergleich Audi A4 3.0, Mercedes-Benz CLK 320, BMW 330Ci Cabrio-Vergleich Audi A4 3.0, Mercedes-Benz CLK 320, BMW 330Ci

Cabrio-Vergleich A4 3.0, 330Ci, CLK 320

— 22.04.2003

Auf geht's!

Audi, BMW und Mercedes-Benz ringen um die Krone der Klappdach-Kür. Ihr Antrieb: starke Sechszylinder.

Gemeinsamer Nenner: schön, solide, schnell

"Pkw offen", so steht es unter Ziffer eins im Kfz-Schein. Sie beschreibt die Fahrzeug- und Aufbauart. Unerträglich, dieses Amtsdeutsch. Pkw offen – was für eine Untertreibung! Liebes KBA in Flensburg: Für diese drei Autos muss eine Reform der Behördensprache her. Der Begriff "Pkw offen" wird diesen drei Cabrios von Mercedes-Benz, Audi und BMW nicht annähernd gerecht. Hier stehen nicht einfach Autos ohne festes Dach, sondern die Creme deutscher Frischluftkultur. CLK 320, A4 3.0 und 330Ci in Cabrioausführung öffnen mit ihrem Verdeck auch die Herzen automobiler Genießer.

Auf geht's. Und zwar per Knopfdruck: In etwas über 20 Sekunden öffnen die drei ihre stabilen Stoffdächer vollautomatisch. Offen sind sie eine Augenweide. Geschlossen auch. Der größte Reiz dieser Cabrios liegt in ihrem flexiblen Faltverdeck, das auch eingeklappt genügend Platz im Kofferraum lässt und sie voll alltagstauglich macht.

Dennoch: Das A-nach-B-Prinzip tritt weit in den Hintergrund. Vielmehr vermitteln sie die C(abrio)-Methode: von A nach B über C. Umwege als Spaßfaktor. Gemeinsamer Nenner: schön, solide und schnell. Was Deutschlands Premiumanbieter hier einschenken, ist Sekt statt Selters weit oberhalb der Füllmarkierung. Nüchtern betrachtet, handelt es sich bei den Cabriolets um Derivate gehobener Mittelklassemodelle. Alle drei sind aber erheblich schwerer als ihr jeweiliges Ausgangsprodukt. Um den offenen Viersitzern ausreichende Steifigkeit mitzugeben, werden Verstärkungen ins Chassis geschweißt. Besonders gravierend ist der Unterschied beim Audi.

Audi A4 Cabrio – steif wie die Limousine

Anders als bei Mercedes-Benz und BMW gibt es vom A4 kein Coupé. Der Aufwand, aus der Limousine ein Cabrio zu machen, ist deshalb besonders groß. 1725 Kilo wiegt der getestete A4. Das sind rund 250 Kilo mehr als die Limousine und beweist, wie groß der konstruktive Eingriff in seine Karosseriestruktur ist. Die Operation hat sich gelohnt. Unebenheiten können das A4 Cabrio nicht aus der Ruhe bringen. Auf Kopfsteinpflaster wirkt es ähnlich fest wie die Limousine – ein größeres Kompliment kann es für ein Cabrio nicht geben. Wenn allerdings das 200 Euro teure Sportfahrwerk montiert ist, poltert er etwas zu rustikal über Querfugen.

Auch im Innenraum setzt der Audi Maßstäbe. Trotz fehlender Überdachung fühlt sich der A4-Fahrer geborgen wie in einer Burg. Sitzkomfort und Bedienbarkeit sind perfekt. Mit einem dumpfen Klacken rastet der Automatik-Wählhebel in Position. Statt in eine Wandlerautomatik fließt die Kraft des V-Motors in ein stufenloses Getriebe (CVT) namens Multitronic.

Die passt ideal zum Charakter des eleganten Cabrios. Da bei der CVT-Technik keine Gangwechsel stattfinden, gleitet der A4 kraftvoll und dennoch sanft nach vorn. Und nicht nur das: Speziell in der Stadt ist der Fronttriebler sparsam. Mit 11,8 Liter Durchschnittsverbrauch liegt er vor BMW und Mercedes-Benz. Klar, wer sich ein Dreiliter-Cabrio zulegt, möchte sportlich unterwegs sein. Für den A4 kein Problem. Mittels Tipptasten am Lenkrad (110 Euro) lässt sich die Multitronic manuell bedienen und steigert so subjektiv seine ohnehin schon hohe Agilität. Der Audi ist ein rundum stimmiges Cabrio. Kritikwürdig sind allenfalls Kleinigkeiten. So wäre es schön, wenn die optisch störenden Fondkopfstützen demontierbar wären. Beim Zuschlagen der Türen klappern die heruntergefahrenen Seitenscheiben nicht standesgemäß, und dass kleine Fahrer sich beim Anschnallen nach dem Gurt verrenken müssen, könnte zu einem Dauerärgernis werden.

Mercedes-Benz CLK – überzeugende Eleganz

Bei diesen Details ist der Mercedes-Benz CLK aufmerksamer. Ein elektrisch betriebener Kunststoffarm reicht dem Fahrer zuvorkommend seinen Gurt. Danke, das ist nett. Kopfstützen hinten zu hoch? Kein Problem: Knopfdruck genügt, und sie ducken sich blitzschnell vor die schönen Höcker der Verdeckhaube. Und der Heckdeckel öffnet sich per Funk. So muss es sein in der Cabrio-Topliga.

Gegenüber seinem Vorgänger kommt der CLK vor allem stilistisch noch eleganter daher. Die Rückleuchten sitzen jetzt einteilig in den Kotflügeln. Mit tief heruntergezogener Vieraugenfront bildet die Karosserie eine spannende Keilform. Statt auf der Motorhaube sitzt der Stern nun im Kühlergrill.

Überzeugende Eleganz auch innen – gemütliche Sitze, edles Holz, einwandfreie Bedienbarkeit. Satt fallen die schweren Türen ins Schloss. Ein Benz, wie es die Legende will: anmutig und souverän. Mit einer Einschränkung: Auf schlechten Strecken kann er den ansonsten erhabenen Eindruck nicht ganz bestätigen. Es klappert. Leise zwar, aber Seitenscheiben und Verdeck machen Geräusche; die Karosserie wirkt zeitweise zittrig. Das ist zwar Cabrio-typisch, geht aber besser. Der A4 beweist es.

Kleine Unterschiede, große Preisspanne

Trotzdem punktet der CLK in allen wichtigen Kapiteln. Allen voran beim Platzangebot. A4-, CLK- und 330er-Cabrio werden als echte Viersitzer angeboten. Am besten erfüllt dieses Versprechen der Mercedes-Benz. Zum Fond gelingt der Einstieg fast mühelos. Einem Klappmechanismus der Vordersitze sei Dank. Audi und BMW haben hier nur einen Knopf zu bieten, der das Gestühl langsam nach vorn oder hinten schiebt. Aber wen interessiert das? Diese Autos werden überwiegend zu zweit gefahren; die Rücksitze dienen meist als Ablage.

Optisch wie nominell bietet der CLK den größten Motor in diesem Trio. Dennoch hat er die geringste Leistung. Der 3,2-Liter-Dreiventiler bringt es auf "nur" 218 PS. Aber: Beim Sprint von null auf 100 km/h legt er trotz konventioneller Wandlerautomatik – Schaltgetriebe sind nur für CLK 200 und CLK 240 lieferbar – die Bestzeit hin. Ob 7,7 (Mercedes-Benz) oder 7,8 (Audi, BMW) Sekunden ist aber höchstens von akademischer Bedeutung.

Der weit ausladende V6 läuft schön ruhig. Er liefert bei fast jeder Drehzahl reichlich Dampf und harmoniert perfekt mit der Fünfgangautomatik. Dieser Antrieb lässt keine Wünsche offen. Nur jenseits von 5500/min klingt der Motor angestrengt. Ein CLK 320 ist eben kein Sprinter, sondern Marathonläufer. Vor allem in schnell gefahrenen Kurven könnte seine Lenkung direkter arbeiten. Damit kann man leben. Mit dem Preis weniger: Fast 10.000 Euro mehr als Audi und BMW verlangt Mercedes-Benz für sein Cabrio. Das sind Welten. Im direkten Vergleich ist der finanzielle Abstand nicht nachzuvollziehen. Charakterlich sind sich CLK und A4 viel näher, als es die gewaltige Preisdifferenz ausdrückt.

3er Cabrio – Sportlichkeit ist Trumpf

Und der BMW? Er fährt in eine andere Richtung. Äußerlich präsentiert sich der 330Ci kantiger. Wo Mercedes-Benz und Audi harmonische Rundungen zeigen, hat der BMW Sicken, Falten und eine Radioantenne, die keck auf dem Heckkotflügel wippt. Der sportliche Charme ist ihm markentypisch ins Blech gepresst. Auch darunter macht der BMW ganz auf Dynamiker. Besonders der bewährte Reihensechszylinder ist nach wie vor ein akustischer Hochgenuss. Schon im Stand wird der Unterschied zu den V-Aggregaten hörbar. Satt summt er vor sich hin und reagiert spontan auf Gaspedalbewegungen – ein Sportmotor, wie er sein muss.

231 PS treiben den Dreier nach vorn. Bei der Beschleunigungsorgie aus dem Stand auf Tempo 200 zeigt er CLK und A4 eindrucksvoll die Rücklichter. Von wegen gealtert: Innerlich ist er voll auf der Höhe der Zeit. Die guten Sprint- und Verbrauchswerte sind aber nur mit dem Sechsgangschaltgetriebe, beziehungsweise mit dem 1450 Euro teuren SMG-Getriebe erreichbar. Mit dem war der Testwagen ausgerüstet und wirkte im Cabrio lange nicht so stimmig wie im M3.

Tipp: 550 Euro drauflegen und die Fünfgangautomatik bestellen. Damit büßt der 330Ci zwar sieben km/h Spitze ein und ist beim Spurt geringfügig lansamer, doch für das Cabrio ist die Vollautomatik die harmonischere Lösung. Trotz seiner sportlichen Abstimmung zeigt der offene Dreier einen überraschend angenehmen Federungskomfort. Schlechte Pisten meistert er ähnlich gut wie Mercedes-Benz und Audi. So gesehen, ist natürlich auch das BMW 330Ci Cabriolet nicht nur ein schnöder "Pkw offen", sondern ein Auto, das dem Himmel näher ist, als es die Amtssprache vorsieht. Und das sollte gefälligst auch im Fahrzeugschein stehen.

Technische Daten im Überblick

Kopf an Kopf: Von null auf 100 km/h ist der CLK eine Zehntel schneller als A4 und 330Ci. Darüber holt der BMW mächtig auf. Der Audi fällt am stärksten ab. Schnell genug sind aber alle drei.

Kosten und Ausstattungen

Das ist happig: Der Mercedes-Benz CLK 320 Cabrio kostet mit 51.214 Euro rund 10.000 Euro mehr als seine Konkurrenten (Audi A4 3.0 Cabrio: 41.500 Euro/BMW 330Ci Cabrio: 43.300 Euro).

Fazit und Wertung

Fazit Puh, war das knapp. Mit nur einem Pünktchen Vorsprung siegt Audi vor Mercedes-Benz. Enger geht es nicht. Doch nicht nur zahlenmäßig liegt der A4 vorn, sondern sein Triumph ist auch subjektiv gut nachzuvollziehen. Der Audi ist ein qualitativ hochwertiges Traumcabrio und bewegt sich in fast allen Punkten auf Augenhöhe mit dem CLK, kostet aber einen Kleinwagen weniger. Deshalb siegt er. Bei Platzangebot und Ausstattung kann der BMW nicht mithalten. Seine Tugenden sind drehfreudiger Reihensechszylinder und sportliches Handling. Entscheidende Mängel sind keinem der drei nachzuweisen. Deshalb: Egal ob Audi, Mercedes-Benz oder BMW, jedes in diesem Trio ist ein Spitzencabrio.

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