Cabrio-Vergleich: Mini Cooper gegen Fiat 500

Cabrio-Vergleich: Mini Cooper gegen Fiat 500

— 28.08.2009

Die Luftikusse

Gesucht: der Sonnyboy zum Knutschen. Das korrekte Mini Cooper Cabrio bekommt ab September 2009 Konkurrenz vom verspielten Fiat 500C. Brille auf zum ersten Fahrvergleich. Oder sollten wir besser sagen: Flirttest?

Nie hätte ich geglaubt, dass ich in Italien mal sagen würde: "Haben Sie den auch eine Nummer kleiner?" Leider sitze ich nicht in einer Umkleidekabine, sondern im neuen Fiat 500 Cabrio. Dem Elefantenrollschuh, wie eine Freundin vor der Reise abfällig bemerkt. Die stilbewusste Dame steht nicht auf den netten Italiener, sondern bevorzugt einen jungen Wilden namens Mini Cooper – am liebsten oben ohne. Sie ist neidisch, denn ich habe ein Rendezvous mit beiden. Meine Mission: Flirten unter freiem Himmel. Ein Liebestest. Nun sitze ich im Fiat 500, und er quetscht mir in die Kniekehlen. Ausgerechnet der Kleine mit den süßen Kulleraugen ist zu groß für mich. Die Vordersitze sind zu hoch. Mit Schuhgröße 36 kämpfe ich, nicht vom Gaspedal zu rutschen. Macht nichts: Wer schön sein will, muss leiden. Und schön ist das Interieur des Italieners auf jeden Fall. Aufgeräumt und stilvoll wie bei Armani zu Hause. Richtig erholsam im Vergleich zum durchgeknallten Vivienne-Westwood-Stil des Briten. Bei dem brauche ich fast schon ein Navi, um in der chaotischen Mittelkonsole den Warnblinkschalter zu finden. Egal, so viel Schick liebt die Szene.

Nur im Mini Cooper gibt es vollkommen hüllenloses Fahrvergnügen

Fast 18.000 Fiat 500 wurden bei uns 2008 angemeldet. Eine Menge – aber der Mini fand sogar 23.000 neue Freunde. Die Cabrio-Version soll Fiats Kassenerfolg nun fortführen. Die angepeilten Verkaufszahlen fürs nächste Jahr: freche 35.000 Autos europaweit. Ist das realistisch? Der Offene kostet nämlich saftige 2800 Euro mehr als der Geschlossene. Ich bin gespannt, ob die Liebe zum kleinen Italiener so groß ist wie der Preissprung. Doch genug des Geplänkels. Kommen wir zu den nackten Tatsachen. Verdeck-Knöpfe drücken, Dächer versenken – los. Während der Cooper in knapp 15 Sekunden strippt, ziert sich der Latin Lover. Statt die Hüllen fallen zu lassen, fährt er nur sein elektrisches Faltdach zurück. Gar nicht verführerisch. Wer Cabrio fährt, will sehen und gesehen werden. Und genau da liegt das Problem. Da können die Italiener mir noch so oft erzählen, ihr 500 Cabrio folge doch nur dem historischen Vorbild. Cabrio-Cruisen im Käfig bringt so viel Spaß wie Shopping ohne Kreditkarte. Klar spürt man den Wind und die Sonne im Haar. Doch erstens steht ständig der Dachrahmen im Sichtfeld, und Flirten über den Rückspiegel klappt auch nicht. Hinter dem zurückgeklappten Rolldach sehe ich nur die Antenne meines Verfolgers. Zu wenig. Die schlechte Sicht und der große Wendekreis erschweren zudem das Rangieren und Parken. Ohne Hilfe von den serienmäßigen Parksensoren hinten könnte das fast wieder ein Flirtfaktor werden – wenn auch ein teurer ...

Bei hohem Tempo hat Fiats Dachkonstruktion durchaus Vorteile

Kein Ballon-Effekt: Auf der Autostrada überzeugt das Dach des 500C.

Doch mal ehrlich: Wer soll sich nach diesem mausgrauen Sexsymbol im Nur-beinahe-oben-ohne-Look die Köpfe verdrehen? Der Praxistest durch Dörfer und Städte des Piemont beweist: nur ein müder Audi-TT-Fahrer. Armer kleiner 500. Anders der Brite. In diesem roten 120-PS-Flitzer bekommt das Wort Abschleppen eine ganz neue Bedeutung. "Hmmmh", lese ich in den dunklen Augen des Romeo an der Ampel neben mir, der nicht nur meinen Mini Cooper optisch verschlingt, als handele es sich um Mamas selbst gemachte Pasta. Ab auf die Autobahn. Mit 100 PS und einem Leergewicht von 1055 Kilo jagt der Rennfloh 500C hinterm Cooper her. Auf 100 km/h spurtet er in 10,5 Sekunden und somit 0,7 Sekunden langsamer als der Engländer, der aber auch fast 200 Kilo schwerer ist. Auf der Autostrada spüre ich den Vorteil von Fiats steifer Dachkonstruktion: Da pfeift nichts, zieht nichts, kein Ballon-Effekt. Selbst bei Tempo 160 kreischt der Vierzylindermotor des Fiat nicht wesentlich lauter als sein britischer Rivale. Dafür bekomme ich Kopfschmerzen von den harten Kunststoff-Kopfstützen. Die Federung verzeiht, anders als beim Cooper, keine Fehler in der Fahrbahn. Das mag allerdings auch an dünnen 45er-Reifen auf nostalgischen 16-Zoll-Rädern (300 Euro Aufpreis) liegen. Der Cooper (Goodyear Excellence 195/55 R 16) hat etwas mehr Polster.

Als echter Lustkiller entpuppt sich das automatisierte Schaltgetriebe Duallogic. Erst heult der Cinquecento wie ein verlassener Gigolo, dann springt er wütend, würgt und ruckelt in den nächsten Automatikgang. Diese 900 Euro Aufpreis kann man sich sparen. Kommen wir zu den Kurven. Mit dem Cooper schmust es sich ganz vorzüglich. Straffe Lenkung, direkt wie im Kart. Der 500 scheint erst eine persönliche Einladung zu brauchen, bevor er reagiert. In einer Pause im Café teste ich den Taschenspieler-Trick des 500C, eine elektrische Fernbedienung fürs Faltdach. Ganz lässig mit dem Espresso in der einen und dem Schlüsselbund in der anderen Hand – doch der Klosterbruder lüftet so leise und versteckt sein Haupt, als tue er etwas Verbotenes.

Wer jetzt denkt, egal, dafür kannst du bei Regen gemütlich in der Bar sitzen bleiben und bequem per Knopfdruck das Dach schließen, versteht nichts von italienischer Logik – die Fernbedienung funktioniert nur beim Öffnen, aber nicht beim Schließen des Verdecks. Apropros Regen. Als Hamburgerin rechnet man immer damit. Das Fiat-Verdeck schließt sich noch bei Tempo 60, während der Mini schon bei 30 km/h abbremsen muss. Doch ein richtiges Cabrio ist der 500C nicht. Auch wenn die 2800 Euro Aufpreis zur Limousine eine ziemlich windige Angelegenheit sind. Ich könnte auch ganz einfach sagen: Der macht mich nicht an.

Die kleine italienische Knutschkugel Fiat 500C im Praxistest

Wasserdicht: Mit dem 500C muss man keine Angst vor der Waschanlage haben.

• Waschstraße:
Schick sieht es ja aus, das Rotkäppchen aus Stoff. Aber hält es auch dicht? Unser ers ter Test in der Waschstraße beweist: Der Fiat bleibt innen vollständig trocken, weder vorn am Rahmen noch längs an den Dichtleisten kommen Tropfen durch. Was nun wirklich nicht alle kleinen Cabrios von sich behaupten können. Hier profitiert der Fiat von der steifen Bauweise mit seiner fest stehenden Seite. • Autobahn: Wer sich beim Offenfahren auf der Autobahn vor Sturmgetöse fürchtet, kann ganz cool bleiben. Und auch bei geschlossenem Dach bleibt der 500er ruhig: Der 500C bietet so viel Reisekomfort wie sein geschlossenes Pendant. Das Dach bläht sich nicht auf, es sitzt fest in den Führungen. Allerdings ist die Sicht nach schräg hinten durch das kleine Glasfenster eingeschränkt. • Einkaufen: Erstaunlich, was der alles im Kofferraum verschwinden lässt: 185 Liter oder vier Paletten Geranien – okay für einen Kleinwagen. Zwar stört die kleine Luke beim Einladen, dafür schwenkt der Deckel weit nach oben. Zudem liegt die Ladekante deutlich höher als beim Mini. Immerhin lassen sich die Rücksitzlehnen beider Autos umlegen, so entsteht eine praktische Ladefläche für das größere Reisegepäck.

Technische Daten Fiat 500C: Vierzylinder, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1368 cm³ • Leistung 74 kW (100 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 131 Nm bei 4250/min • Vorderradantrieb • Fünfgang-Halbautomatik • 0–100 km/h in 10,5 s • Spitze 182 km/h • Tankinhalt 35 l • EU-Mix 5,8 l Super/ 100 km • CO2 135 g/km • Preis: ab 13.800 Euro

Technische Daten Mini Cooper Cabrio: Vierzylinder, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 88 kW (120 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 160 Nm bei 4250/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • 0–100 km/h in 9,8 s • Spitze 198 km/h • Tankinhalt 40 l • EU-Mix 5,7 l Super/100 km • CO2 137 g/km • Preis: ab 22.500 Euro

Autor: Daniela Pemöller

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